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Politik Inland
01/08/2021

Irritationen um Diplom- und Doktorarbeit von Ministerin Aschbacher

Schwere Plagiatsvorwürfe und Kritik an sprachlichen Mängeln bei der Magisterarbeit. Verwirrung um eine bisher unbekannte Dissertation an der TU Bratislava. VP-Politikerin weist Kritik von sich.

von Rudolf Mitlöhner, Johanna Hager

146 Seiten umfasst die Diplomarbeit „Kompetenzen im Vertrieb – Anforderungen im Key Account Management“, vorgelegt von Christine Kowald im April 2006 an der Fachhochschule Wiener Neustadt. Am Donnerstagabend wurden schwerwiegende Vorwürfe gegen diese Arbeit bekannt (KURIER.at berichtete): Sie sei „absatzweise abgeschrieben“, noch dazu sprachlich und stilistisch äußerst mangelhaft und „unterbietet alle wissenschaftlichen Standards“, schrieb der als Plagiatsforscher bekannte Medienwissenschafter Stefan Weber auf seinem Blog (www.plagiatsgutachten.com).

Politisch brisant sind diese Vorwürfe, weil Christine Kowald seit ihrer Heirat Aschbacher heißt und Arbeits- und Familienministerin (ÖVP) in der türkis-grünen Bundesregierung ist.

Weber hat keinen Prüfauftrag für die Arbeit von Aschbacher erhalten, wie er im KURIER-Gespräch betont. Normalerweise erhalte er einen solchen, im Falle von Politikern oftmals von anderen Parteien oder Privatpersonen. Im gegenständlichen Fall ließ ihn ein TV-Interview von Aschbacher kurz vor Weihnachten an deren sprachlichen Qualitäten zweifeln und brachte ihn auf die Idee, die Diplomarbeit zu überprüfen.

Die verwendete Plagiatssoftware habe „bereits nach fünf Minuten ein Plagiatsprotokoll ergeben, das ich nur als dreistes Plagiat bezeichnen kann“. Im Gegensatz zur „Komplexität der Plagiatsfälle“ von Karl-Theodor zu Guttenberg (der deutsche Ex-Verteidigungsminister trat 2011 nach Bekanntwerden zurück) oder Frank-Walter Steinmeier (der heutige deutsche Bundespräsident durfte trotz Zitierfehlern und handwerklicher Mängel seinen Doktortitel 2013 behalten) sei Aschbachers Arbeit  als „plump“ zu bezeichnen, der Magistergrad an der FH müsse widerrufen werden, so Weber.

Der Sprecher der Ministerin wollte dem KURIER gegenüber vorerst nur sagen, dass die Arbeit „nach bestem Wissen und Gewissen“ erstellt, von „anerkannten Professoren“ begutachtet und mit „Sehr gut“ beurteilt worden sei.

"Substanziell prüfen"

Der Betreuer der Arbeit, Professor Karl Pinczolits, erklärte gegenüber dem KURIER, man müsse die Angelegenheit „substanziell prüfen“ und fragen, welche Kriterien damals an eine solche Arbeit angelegt wurden. Auch seitens der FH selbst hieß es gestern lediglich, man habe „von den Vorwürfen aus den Medien erfahren und wird diese prüfen, die Tatsachen beurteilen und, wenn erforderlich, Maßnahmen ergreifen“.

Darüber hinaus stellte sich gestern heraus, dass Aschbacher inzwischen auch eine Dissertation abgeschlossen hat, und zwar an der TU Bratislava. Am Vortag war nur von einem eingereichten Exposé die Rede gewesen. Sicher ist inzwischen, dass die Defensio (die vorgesehene Verteidigung vor einem Uni-Gremium) der Dissertation im August 2020 stattgefunden hat. Aschbachers Sprecher sagt aber, er könne ausschließen, dass die Ministerin neben ihrer politischen Tätigkeit – in einer der schwersten Krisen des Landes – an ihrer Dissertation gearbeitet habe. Diese sei vielmehr bereits im Dezember 2019, also vor Antritt der Regierung im Jänner 2020, abgegeben worden.

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