Konnten trotz fleißiger Inseratenvergabe im Vertrauen der Bevölkerung nicht zulegen: Noch-Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) und Kanzler Werner Faymann (SPÖ)

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Werbe-Ranking
10/28/2013

Sag mir, wo die Millionen sind...

Finanzministerin und Kanzler haben am meisten inseriert. Doch die Beliebtheit stagnierte.

von Paul Trummer

Österreichs Minister zeigen sich durchaus großzügig, wenn es um Eigenwerbung geht. Innerhalb eines Jahres investierten sie knapp 20 Millionen Euro in Print-Inserate, Radio-, TV- und Online-Werbung. Das geht aus der Auswertung der Werbeausgaben hervor, die die Ministerien seit der Verabschiedung des Medientransparenzgesetzes vor einem Jahr veröffentlichen müssen.

Besonders spendierfreudig war das Finanzministerium unter Maria Fekter, die zwischen Juli 2012 (erstmalige Meldung) bis Juli 2013 in Summe 2,85 Millionen Euro für Inserate ausgab. Dahinter folgen das Bundeskanzleramt (2,63 Millionen) sowie das Verkehrsministerium (siehe Grafik).

Keine Werbekosten meldete das Justizministerium: „Wir geben traditionell kein Geld für Inserate aus“, sagt der Sprecher von Justizministerin Beatrix Karl auf Anfrage des KURIER.

Boulevard-Millionen

Der Löwenanteil der knapp 20 Millionen Euro floss in Inserate in Boulevard-Medien: Kronen Zeitung, Heute und Österreich erhielten gemeinsam 7,86 Millionen Euro. Besonders spendabel gegenüber dem Boulevard zeigte sich das Bundeskanzleramt unter Werner Faymann: Mit 1,4 Millionen Euro zahlte er am meisten für Inserate im Boulevard. Allein im 4. Quartal 2012 gab das Kanzleramt stolze 282.278,63 Euro für Inserate in der Krone aus.

Mit 1,02 Millionen setzte auch Innenministerin Johanna Mikl-Leitner auf Inserate in Krone, Österreich und Heute, gefolgt von Verkehrsministerin Doris Bures: Im 1. Quartal 2013 inserierte sie um 598.000 Euro im Boulevard – ein Rekord unter den Ministerien.

Interessant auch die Inseratepolitik im Gesundheitsministerium: Minister Alois Stöger ließ zwar am wenigsten inserieren, wenn er aber inserierte, dann zu 61,5 Prozent im Boulevard.

Konstantes Misstrauen

Stellt man den Ausgaben die Beliebtheit der Minister entgegen, muss sich Frustration ausbreiten: Mit Gesundheitsminister Alois Stöger und Sozialminister Rudolf Hundstorfer konnten sich nur zwei Inserenten im Laufe des Jahres im OGM-Vertrauensindex verbessern.

Kauft Inseratengeld also keine Wählerliebe? „Ob ich Ministern vertraue, hat mit Inseraten wenig zu tun“, erklärt Karin Cvrtila von OGM. „Wichtiger ist, was die Politiker zusammengebracht haben und wie sie nach außen kommunizieren.“ Dass etwa die Minister Rudolf Hundstorfer und Reinhold Mitterlehner kaum streiten, sei von der Bevölkerung immer honoriert worden. Als „Extrembeispiel“ nennt sie Niki Berlakovich: Trotz 1,5 Millionen für Inserate stürzte der Agrarminister im Vertrauensindex brutal ab. Cvrtila: „Das hatte viel mit den Bienen zu tun.“

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