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Politik Inland
07/28/2022

IHS zur Energiekrise: Bundesheer-Soldaten könnten PV-Anlagen installieren

Das IHS stellte Maßnahmen vor, wie die Energiekrise mithilfe des Bundesheeres bewältigt werden könnte. Klaudia Tanner erteilt dem Vorschlag Abfuhr, für Bundesheersprecher-Bauer "Schnapsidee"

Um die breite Bevölkerung für die aktuelle Energiekrise zu sensibilisieren und zu energieeffizientem Verhalten zu animieren, braucht es vor allem Vertrauen und transparente Kommunikation. Zu diesem Schluss kommt das Institut für Höhere Studien (IHS) in einer aktuellen Veröffentlichung. Wichtig für politische Entscheidungsträger und andere Institutionen sei es, das gemeinsame Ziel zu betonen, so die IHS-Verhaltensökonomin Katharina Gangl bei einem Pressegespräch am Mittwoch."

Studenten und Bundesheersoldaten sollten PV-Anlagen installieren

Dem Mangel an Fachkräften für den Ausbau von Photovoltaik könne durch das Mobilisieren von Hilfskräften begegnet werden. Während Fachpersonal die Planung am Anfang und die Qualitätskontrolle am Ende übernehme, könne die Ausführung selbst von Hilfspersonal übernommen werden. Dabei sei etwa an Studierende technischer Fachrichtungen oder an Bundesheeressoldaten zu denken, die in einem mehrwöchigen Kurs lernen, wie Photovoltaik-Anlagen installiert werden.

Der Sprecher des Bundesheeres, Michael Bauer, hält nichts von dieser Idee. Auf Twitter äußert sich Bauer erzürnt, die Bundesheeressoldaten seien Spezialisten und keine Hilfskräfte, zudem seien sie ohnehin bereits ausgelastet, schreibt er auf seinem Profil. 

Tanner gegen Assistenzeinsätze der Soldaten

Auch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner ist wenig begeistert vom Vorschlag des IHS, das Bundesheer für Assistenzeinsätze zu nutzen. Dem KURIER gab sie folgende Stellungnahme:  „Unser Österreichisches Bundesheer ist eine Einsatzarmee und unsere Soldatinnen und Soldaten und Bediensteten sind keine billigen Arbeitskräfte! Fakt ist, unser Heer muss sich nach Jahren der Assistenzeinsätze und Unterstützungsleistungen wieder auf das militärische Kerngeschäft konzentrieren. Zu behaupten, dass unsere Bundesheersoldaten für die Montage von Photovoltaikanlagen ausgenutzt werden können, ist eine Beleidigung für jeden Soldaten, jede Soldatin und Zivilbediensteten. Klar ist, das Österreichische Bundesheer hat in einer der größten Krisen des Landes, als keiner mehr konnte und Not am Mann war, geholfen. Damit haben sie das Leben der Republik Österreich am Laufen gehalten. Und das alles schnell, effizient und professionell. Nun sind diese Einsätze nicht mehr notwendig, aber für unser Bundesheer ist es dringend notwendig wieder zur ursprünglichen Hauptaufgabe zurückzukehren: die militärische Landesverteidigung. Fakt ist, Assistenzeinsätze und Unterstützungsleistungen gehören nicht zum Kerngeschäft unseres Heeres. Unsere Soldaten schwören bei ihrem Gelöbnis darauf die Republik Österreich, und sein Volk zu schützen und mit der Waffe zu verteidigen, aber sicherlich nicht darauf, als billige Arbeitskräfte ausgenutzt zu werden.“

Visuelle Reize reduzieren Energieverbrauch

Das IHS empfiehlt aber auch weitere Maßnahmen. Auch direktes Feedback könne beim Energiesparen helfen. Etwa durch die Anzeige des Wasserverbrauchs beim Duschen oder durch eine simple Animation, die einen Eisbär auf einer schrumpfenden Scholle anzeigt. In einer Studie konnte mit diesen Methoden der Energieverbrauch um bis zu 30 Prozent reduziert werden. Auf institutioneller Ebene und in Unternehmen könne die Standardeinstellung der Zimmertemperatur im Winter auf 19 Grad herabgesetzt werden und im Sommer die Temperatur der Klimaanlage erhöht werden und standardmäßiges Arbeiten im Home-Office angedacht werden, um Energie zu sparen.

Um flächendeckend energieeffiziente Maßnahmen umzusetzen, brauche es vor allem im Bereich der Gebäudesanierung und bei der Errichtung von Photovoltaik-Anlagen die richtigen Rahmenbedingungen. Hier dürfe man nicht darauf vertrauen, dass die Privathaushalte diesen infrastrukturellen Kraftakt alleine bewältigen, so Gangl. Unterstützung für energieeffizientes Verhalten gebe es durch den Abbau bürokratischer Hürden bei der Installation von Erneuerbaren Energieträgern oder durch das Verbot, Gasheizungen zu installieren. Sanierungen oder Installationen von Photovoltaik-Anlagen könnten auf Gemeindeebene organisiert werden, wodurch sich der administrative Aufwand stark vereinfache. Wer sich keine Photovoltaik-Anlage leisten kann, dem könne ein Finanzierungsmodell angeboten werden, bei dem etwa der Staat für eine bestimmte Zeit als Pächter einer Dachfläche auftritt. Die Vorgabe, dass Vermieterinnen für ein bestimmtes Niveau etwa bei der Fensterisolation zuständig sind, könnte es Mietern erleichtern, Energie zu sparen.

Nicht zuletzt gehören Gangl zufolge Gesetze, Verbote und dazugehörige Kontrollen und Strafen zu den wichtigsten Motivationen für energiesparendes Verhalten. Auch hier gelte: Je legitimer die Gesetze wahrgenommen werden, desto eher würden sie verfolgt. Transparente Kommunikation über Vor- und Nachteile, zielgruppengerechte Verteilung von Kosten und Nutzen sowie die Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern seien entscheidend für die Akzeptanz von Energiesparmaßnahmen.

"Energiesparmaßnahmen funktionieren nur, wenn Menschen sie als sinnvoll erachten", so Gangl. Dafür brauche es gut aufbereitete Informationskampagnen, die deutlich machen, wieso Energiesparen notwendig und persönlich nützlich sei und wie die konkrete Umsetzung aussehen könnte. Die Informationen sollten dabei von einer vertrauenswürdigen Quelle stammen. Ein Beispiel wäre, wenn die Gemeinde oder die Feuerwehr zu einer Informationsveranstaltung einlädt mit den Worten "Hole dir am Samstag um 15 Uhr deine persönliche Energieberatung und Unterstützung zu aktuellen Förderungen beim Feuerwehrhaus ab".

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