Politik | Inland 08.02.2018

Österreichs Mufti unter Radikalen-Verdacht

Das islamische Zentrum in Wien Floridsdorf © Bild: APA/AFP/ALEX HALADA

Der oberste Rechtsgelehrte der IGGÖ ist in Verein, der „strenge Scharia“ befürwortet.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) bemüht sich in den vergangenen Jahren vermehrt um Modernisierung – trotzdem machen sich noch immer Überbleibsel aus alter Zeit bemerkbar. Mustafa Mullaoglu, der Mufti des IGGÖ, hat mit seiner Kopftuchempfehlung für muslimische Frauen „ab der Pubertät“ schon vergangenes Jahr Aufsehen erregt und ist laut ihrer offiziellen Website Mitglied in der umstrittenen islamischen Gelehrtenorganisation ECFR (European Council for Fatwa and Research). Die Fatwa ist eine muslimische Rechtsauskunft, die vom Mufti, der im Islam die Funktion eines Gutachters erfüllt, erteilt wird.

Globaler Mufti

Der Vorsitzende dieses Vereins ist Yusuf al-Qaradawi und gilt als „globaler Mufti“. Er hat zweifelhafte Bekanntheit erlangt, weil er die Todesstrafe für Homosexuelle gefordert und den Holocaust als eine „gerechte Strafe Allahs für die Juden“ bezeichnet hat. Laut einer Untersuchung des deutschen Verfassungsschutzes im Jahr 2015 hält der ECFR „unmissverständlich an der strengen Auslegung der Scharia fest, wonach Abtrünnige vom muslimischen Glauben in einem islamischen Staat hingerichtet werden können“. Die Organisation und ihr Vorsitzender sollen auch einige Schnittpunkte mit der Muslimbruderschaft aufweisen.

Wiederwahl möglich

Und mittendrin ein österreichischer Mufti? Den Wiener Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger „wundert das nicht“: Er sieht Mullaoglu, der türkische Wurzeln hat und kein Deutsch spricht, als Vertreter des politischen Islams mit einer national-konservativen Ausrichtung.

Beim IGGÖ scheint Mullaoglus Mitgliedschaft in der Organisation kaum jemanden bekannt, sein Einfluss halte sich als Mufti in Grenzen, heißt es auf KURIER-Nachfrage. Das Amt sei „ehrenamtlich“ und eher „repräsentativ“, sagt auch Zekirija Sejdini von der Fakultät für islamische Religionspädagogik an der Universität Innsbruck.
In den Modernisierungsbemühungen sind die meisten Positionen der IGGÖ neu besetzt worden – Mullaoglu ist jedoch in seiner alten verblieben. Seine Funktionsperiode ist vorbei und dieses Jahr soll vom Schurarat, der für die internen Regeln der IGGÖ zuständig ist, ein neuer Mufti gewählt weden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Mullaoglu erneut kandidiert. Laut Ümit Vural, Vorsitzender des Schurarats, ist Mullaoglu „weder antisemitsch noch extremistisch“.

( kurier.at , bvo ) Erstellt am 08.02.2018