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Politik Inland
12/11/2020

Verhaftung von Drahtzieher des Ibiza-Videos: So geht es nun weiter

Privatdetektiv Julian H. wurde per internationalem Haftbefehl gesucht. Nach mehr als einem Jahr wurde er im Ausland aufgestöbert.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Der mutmaßliche Drahtzieher des Ibiza-Videos ist in Berlin verhaftet worden, berichtet die Kronen Zeitung. Privatdetektiv Julian H. war nach Bekanntwerden des Ibiza-Videos untergetaucht. Ihm werden die illegale Herstellung von Ton- und Filmaufnahmen und der Handel von knapp drei Kilo Kokain zur Last gelegt.

Wie das Bundesministerium für Inneres dem KURIER gegenüber bestätigt, kam es tatsächlich am gestrigen Donnerstag zur Verhaftung des Privatdetektivs. Der Detektiv wurde in Berlin, wo er sich zuletzt aufgehalten haben dürfte, von österreichischen und deutschen Polizisten entdeckt und verhaftet.

Ein Jahr gefahndet

H., nach dem über ein Jahr gefahndet worden war, soll die Falle auf Ibiza im Jahr 2017 eingefädelt haben. Gegen ihn war ein internationaler Haftbefehl erlassen worden, allerdings nicht wegen des Ibiza-Videos, sondern wegen der Drogen-Geschichten. Vor allem wegen diesen drohen ihm nun auch strafrechtliche Konsequenzen.

Am 23. Oktober war H. via Videokonferenz in einem Prozess gegen einen ehemaligen Sicherheitsberater wegen Kridadelikten und Betrug im Kremser Schwurgerichtssaal als Zeuge zugeschaltet. Er war damals laut der vorsitzenden Richterin über seinen Anwalt erreicht worden. Prozessbeobachter sprachen davon, dass der Ibiza-Detektiv gezeichnet gewirkt hat.

H.s Anwalt Johnny Eisenberg hat seine Kanzlei in Berlin. Aufgrund des Ibiza-Videos war der damalige FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache zurückgetreten. Die Affäre führte auch zum Bruch der türkis-blauen Bundesregierung im Mai 2019.

Strache nimmt zu Vorwürfen keine Stellung

Medien-Spekulationen, wonach nun neue Enthüllungen zu erwarten sind, dürften sich eher nicht erfüllen. Der komplette Inhalt des Ibiza-Videos ist mittlerweile auch durch die KURIER-Berichterstattung kein Geheimnis mehr.

Der Detektiv könnte maximal berichten, wem er das Video sonst noch angeboten hat und ob vielleicht doch Geld für die Veröffentlichung geflossen ist. Er könnte außerdem Hinweise auf den flüchtigen Lockvogel geben. Dass es einen mysteriösen Auftraggeber im Hintergrund gibt, wird eher ausgeschlossen.

Strache erfreut über Festnahme

Strache  schrieb auf Facebook über die aktuellen Ereignisse: "Ich freue mich über die Festnahme des kriminellen Drahtziehers der Ibiza-Falle (auch nach so langer Zeit) und hoffe nunmehr auf rasche und restlose Aufklärung und auch auf die Aufdeckung der weiteren Mittäter, Auftraggeber und Hintermänner!"

Wie und wann der Detektiv nun ausgeliefert wird, ist unklar. Das normale Procedere sieht vor, dass er in Deutschland in Auslieferungshaft genommen wird. Danach gibt es Einspruchsmöglichkeiten für seinen Anwalt, je nachdem könnte sich eine Überstellung nach Österreich innerhalb der nächsten Wochen oder auch Monate abspielen. Die FPÖ fordert jedenfalls, dass Julian H. möglichst rasch in den Untersuchungsausschuss geladen wird.

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