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Politik Inland
02/25/2020

"Humor ist etwas für Profis": Warum die Politik nicht lustig ist

Heute ist Faschings-Dienstag, allerdings nicht im österreichischen Parlament. Dort rennt der Schmäh nur selten - aber vielleicht ist das auch besser so.

von Bernhard Gaul, Elisabeth Hofer

"Herr Minister, ich freue mich, Sie kennenzulernen. Ich habe schon viel von Ihnen gehört." "Ja, aber beweisen können Sie mir nichts!"

Finden Sie nicht lustig? Genau das ist ja das Problem: Lustig ist die Politik nicht, nur ganz selten jedenfalls. Davon weiß unser KURIER-Starkarikaturist Michael Pammesberger fast täglich ein Lied zu singen. Ihm gelingt es trotzdem, jedes Fünkchen Humor zwischen Ballhaus- und Landhausplatz zu finden und dieses auch mit der Feder festzuhalten.

Aber warum will der Schmäh im österreichischen Parlament so selten rennen? Und warum sehen wir unsere Politiker kaum so amüsiert wie auf diesen Bildern?

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Eine nicht ganz unpopuläre Antwort auf diese Fragen ist, dass die Political Correctness in den vergangenen Jahren dazu beigetragen hat, dass Humor in der Spitzenpolitik praktisch unauffindbar geworden ist. Schon die englische Sprache zeigt, woher der Wind weht, von den Puritanern. Denn Humor wird definiert als die „Begabung, der Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen, den alltäglichen Schwierigkeiten und Missgeschicken mit heiterer Gelassenheit zu begegnen“. „Politically correct“ hingegen bedeutet, „dass Ausdrücke und Handlungen vermieden werden sollten, die Gruppen von Menschen kränken oder beleidigen können“.

Tja – dann bleiben den Politikern ja praktisch nur Witze über sich selbst. Dafür bräuchte es aber die Möglichkeit für Selbstironie, die wiederum mit der notwendigen Portion Eitelkeit, die Politiker brauchen, nicht vereinbar ist.

Schmerzen in Villach

Anschauen kann man sich das Dienstagabend, wenn um 20.15 Uhr der Villacher Fasching über die Bildschirme flimmert. Dort sitzen dann die Damen und Herren aus der Bundespolitik mit leicht verbissenen bis schmerzverzerrten Blicken und versuchen angestrengt so zu tun, als würden sie das alles eh zum Brüllen komisch finden.

Und irgendwie ist es ja auch gut, dass es so etwas wie Political Correctness gibt. „Ein Witz geht entweder nach oben oder nach unten“, sagt maschek.-Kabarettist Peter Hörmanseder. In der Ära Berlusconi habe man im italienischen Parlament ja gesehen, wie tief die Scherze mancher Politiker waren. „Und solche Witze, die nur Stilmittel sind, um Aufmerksamkeit zu erregen, brauchen wir eigentlich nicht“, sagt Hörmanseder. Das gehe auch meistens in die Hose, man denke hier nur an die Scherze aus der Eh-nur-Mineralwasser-Loge der Wirtschaftskammer beim Opernball. Darum gelte: „In der Politik muss der Witz von außen kommen.“

Da kann Michael Pammesberger nur zustimmen: „Es ist ja nicht die Aufgabe der Politiker, lustig zu sein“, sagt er. „Sie sollen vernünftig, ernst und zielorientiert arbeiten. Und die Satiriker wie ich und die Kabarettisten sind für den Humor zuständig.“ Manchmal aber, sagt er, seien Politiker unfreiwillig lustig.

Das passierte etwa dem Schweizer Hans-Rudolf Merz, der während einer Anfragebeantwortung über Bündnerfleisch und dessen Gewürze einen Lachanfall im Bundesrat bekam, in den viele einstimmten. Witzig war das nur, weil es um die übergenauen bürokratischen Regelungen für das Gewürzfleisch geht, die nur Bürokratiefans wie Schweizer, Deutsche und Österreicher lustig finden.

Auch zahlreiche sachpolitische Reden von rhetorisch wenig Versierten fallen darunter, so könnte man etwa die endlosen Schwurbelsätze von Minister a. D. Herbert Haupt dazuzählen. „Dafür sind wir Satiriker dann wieder sehr dankbar“, findet Pammesberger.

Wuchtelkönig Kogler

Ein bisschen Schmäh schade trotz allem auch den Politikern nicht, meinen Hörmanseder und Pammesberger. Finanzminister Gernot Blümel lobte etwa Vizekanzler Werner Kogler dafür, dass er mit seinen Witzen oft festgefahrene Situationen retten könne.

Ein Beispiel für die Kogler-Wuchteln: Auf die Frage „Rauchen Sie?“ erklärte der Grünen-Chef trocken: „Nein, ich schaue nur so aus.“

Legendär auch, wie sich Bundespräsident Alexander van der Bellen noch als Grünen-Chef über den damaligen FPÖ-Frontmann Strache wegen mangelnder Budget-Kenntnisse lustig machte („Das ist ja Voodoo-Ökonomie, was Sie da machen“).

Oder, ja, Philippa Strache in ihrer ersten Rede im Parlament, bei der sie spitz bemerkte: „Ich war in Ibiza nicht dabei – dafür gibt’s schließlich Videobeweise.“

Gefährlich sei zu viel Witzelei für Politiker aber schnell einmal. „Man kann da echte Fehler machen, indem man zum Beispiel einen Witz über Social Media verbreitet, der nicht unbedingt als Witz oder Satire verstanden wird“, sagt Pammesberger. Richtig verstanden zu werden, das könne man nicht steuern .

Deshalb sein Fazit: „Humor ist etwas für Profis.“

LINK: Hier geht's zu KURIER mit Schlag - das Satireportal des KURIER

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