Hofer vs. Van der Bellen auf ATV: "Haben das Amt beschädigt"

BP-WAHL ATV - DISKUSSION "MEINE WAHL - DAS DUELL":
Foto: APA/HANS PUNZ Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer bei der ATV-Debatte am 15. Mai 2015.

Hofer und Van der Bellen schenkten sich nichts. Politberater gehen mit den beiden Kandidaten hart ins Gericht. Die besten Zitate.

Eine Art rhetorisches Freistilringen, wie man es früher von den Catchern am Heumarkt kannte, hat die vorletzte Fernseh-Debatte der beiden Hofburg-Kandidaten Norbert Hofer (FPÖ) und Alexander Van der Bellen (Grüne) auf ATV gebracht. Ohne Moderation und ohne inhaltliche Vorgaben lieferten sich die möglichen Staatsoberhäupter auf ATV einen dreiviertelstündigen Schlagabtausch, der von beiden Seiten angriffig und untergriffig geführt wurde. Ein Experiment, das scheitern musste. Beide Kandidaten haben die Chance vertan, Punkte zu sammeln und mögliche Wechselwähler für sich zu überzeugen. 

Van der Bellen zeigt den Scheibenwischer

Je länger die Debatte dauerte, umso untergriffiger wurde Hofer, aber auch Van der Bellen. Speziell Hofer attestierte dem ehemaligen Chef der Gründen wiederholt "immer so untergriffig" zu sein, nannte seinen Kontrahenten aber wenige Sekunden später gleich wieder selbst "oberlehrerhaft" oder warf ihm vor nur "nachzuplappern". Doch Van der Bellen stand ihm in untergriffiger Diskussionskultur nicht nach und zeigte Hofer einmal sogar einen leichten "Scheibenwischer".

Wie persönlich der Schlagabtausch geführt wurde, zeigte sich bei einem kurzen Ausflug in die Wirtschaftspolitik. Kernaussage Van der Bellens Richtung Hofer: "Sie verstehen nichts von Wirtschaftspolitik". Der ehemalige Lauda Air-Mitarbeiter antwortete dem Uni-Professor prompt mit: "Sie haben noch nie in der Wirtschaft gearbeitet."

Van der Bellens Ziel in der Debatte war jedenfalls herauszuarbeiten, dass mit einem Staatsoberhaupt Hofer die Reputation des Landes den Bach hinuntergehen würde und auch Österreich ein anderer Staat sein würde: "Es ist eine Richtungsentscheidung zwischen einem kooperativen Stil und einem autoritären Stil." Hofer tat dies als "Angstmache der Grünen" ab und betonte, eine Regierung nur als "Ultima Ratio" zu entlassen.

Van der Bellen unterstellte dem Freiheitlichen hingegen, dass er plane, die Regierung zu entlassen und eine neue einzusetzen, mit dem Ziel der FPÖ, den Weg zum Kanzler zu ebnen.

Hofer stritt das ab und bemühte sich, Van der Bellen als Anti-Patrioten zu diffamieren: "Ich bin immer einer, der auf Österreich schaut, und das werden Sie nicht sein." Außerdem wolle Van der Bellen "Vereinigte Staaten von Europa". Da könnte er sich dann nur noch um einen "Landeshauptmann-Posten" bewerben. Dass er in der Welt keine Anerkennung finden würde, bestritt Hofer. Er habe als Dritter Nationalratspräsident sehr viele auch freundschaftliche Kontakte zu Menschen aus aller Welt.

Zum Thema Flüchtlinge behauptete Hofer zudem, dass Österreich zwei Milliarden Euro für Flüchtlinge aufwende, während das Pflegegeld gleich bliebe. Zudem spreche Van der Bellen immer nur von Homo-Ehen, nie aber von "normalen" Ehen oder aber von alleinerziehenden Müttern oder Vätern. 

Austrian top candidates for presidential elections Foto: EPA/LISI NIESNER

Hofer warf Van der Bellen anspielend auf seine prominenten Unterstützer vor, dass der ein Kandidat der Schickeria sei, er selbst aber einer für die Österreicher. Van der Bellen sagte über die Angriffe von Hofer auf seine Unterstützer, das sei ”eine Schweinerei". 

Analysten: "Das war Kindergarten-Niveau"

Die beiden von ATV geladenen Analysten, Politberater Thomas Hofer und Meinungsforscher Peter Hajek, gehen mit den beiden Diskutanten hart ins Gericht. So attestiert Hofer beiden Kandidaten "Kindergarten-Niveau" und beide "haben sich blamiert und sind amtsbeschädigt". Beide hätten es nicht geschafft aus dem persönlichen Hick-Hack herauszukommen. Außerdem sollten beide als mögliche Bundespräsidenten dazu fähig sein "im Interesse der Politik eine zivilisierte Diskussion zu führen", sagt Hofer. Die Sieger seien in diesem Duell die Weißwähler, denn weder Hofer noch Van der Bellen hätten Werbung für sich selbst gemacht.

Peter Hajek ist mit seinem Urteil ebenfalls sehr eindeutig: "Wäre dieses Duell im ersten Wahlgang gewesen, dann hätte Irmgard Griss die Wahl gewonnen", sagt der Meinungsforscher. Beide Kandidaten hätten es nicht geschafft, aus dieser negativen Spirale an persönlichen Angriffen auszubrechen. Auch bei der Gestik ortet Hajek "fast verachtende" Verhalten von Hofer und Van der Bellen. Zwar waren die ersten 25 Minuten durch eine sachliche Diskussion geprägt, aber die Themen wurden durch den Unstil der Diskussion überschattet. "Der Verlauf der Sendung ist schon ein Warnsignal", sagt Hajek abschließend.

Zum Artikel: Van der Bellen stellt sein Schluss-Video vor

Die besten Zitate

  • "Wir versprechen, dass wir uns gut benehmen werden." - Norbert Hofer zu Beginn des Duells.
  • "Es ist eine Richtungsentscheidung zwischen einem kooperativen Stil und einem autoritären Stil." - Alexander Van der Bellens Sicht auf den Zweikampf um die Hofburg.
  • "Sie wollen ein Lebensverlängerer des Systems sein." - glaubt Hofer von Van der Bellen.
  • "Finger weg vom Parlament." - Hofer fürchtet sich vor Eingriffen Van der Bellens im Hohen Haus.
  • "Sie sind nicht Heinz Fischer." - sagte Van der Bellen Hofer...
  • "Ich bin nicht Heinz Fischer und ich will auch nicht Heinz Fischer sein." - und der gab ihm wenigstens einmal recht.
  • "Ich möchte ein föderales Europa und sie Vereinigte Staaten von Europa, wo sie nur noch Landeshauptmann werden könnten." - warnte Hofer Van der Bellen.
  • "Ein Jagdgewehr ist keine Waffe in dem Sinn." - darum hat Van der Bellen auch kein Problem mit Unterstützung aus der Jägerschaft.
  • "Sei verstehen nichts von der Wirtschaftspolitik." - meinte Van der Bellen über Hofer.
  • "Sie haben noch nie in der Wirtschaft gearbeitet." - antwortete Hofer Van der Bellen.
  • "Sie sind ein Kandidat der Schickeria, ich bin ein Kandidat der Menschen." - befand Hofer über seinen Kontrahenten.
  • "Das ist eine Schweinerei, was sie da machen." - Van der Bellen ließ sich seine Unterstützer nicht zur Hautevolee machen.

Reaktionen in den Sozialen Medien

Auch die Reaktionen auf Twitter sprechen eine eindeutige Sprache.

(APA / kurier / cs, sho) Erstellt am
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