Politik | Inland
11.05.2016

Hofburg: Social Media Wahlkampf wird immer härter

Für viele ist das Wahlgeheimnis bei der Hofburgwahl reine Formsache. Flagge zeigen lautet die Devise.

Am 22. Mai wird der neue Bundespräsident gewählt. Wenige Tage vor der Stichwahl um das höchste Amt im Land gehen nicht nur die beiden Kandidaten, Alexander van der Bellen und Norbert Hofer, in die Offensive. Was in den USA seit Jahren Usus ist, schlägt sich erstmals auch in Österreich nieder:die Wahlwerbung über soziale Netzwerke spielt dabei eine tragende Rolle. Das bestätigt auch Social-Media-Experte Roland Trnik von der Agentur Spinnwerk: „Soziale Medien werden nun ernst genommen, das wird vor allem jetzt im Endspurt klar.“

Beide Kandidaten und ihre Anhänger nutzen die gesamte Klaviatur von Facebook und Co., um zu werben. Vor allem im Lager von Alexander Van der Bellen treten die Unterstützer in den vergangenen Tagen immer offensiver auf.

Say it loud: "Ich wähle Van der Bellen"

Schon vor dem ersten Wahlgang zierten Pro-Van-der-Bellen-Buttons die Profilbilder vieler seiner Anhänger. Wenige Tage vor dem Ende des Wahlkampfes sind auf Facebook klare Videobotschaften groß in Mode, in denen sich mehr oder weniger bekannte Unterstützer an unentschlossene Wähler richten oder gegen Norbert Hofer wettern. Neu ist auch, dass User auf Twitter, Facebook und Instagram nicht nur Empfehlungen aussprechen, sondern regelrecht Wahlwerbung betreiben.

Die Auswahl der Unterstützer reicht von Schauspielern über Autoren bis hin zu Politikern unterschiedlicher Couleurs. Auf Videos von Künstlern wie Thomas Stipsits oder Manuel Rubey folgen namhafte Polit-Größen wie die ehemalige SPÖ-Staatssekretärin Brigitte Ederer, die sich für "Sascha" ausspricht. Überraschenderweise outen sich auch Ex-Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) oder Villachs ehemaliger Bürgermeister Helmut Manzenreiter (SPÖ) als Van der Bellen Fans- Letzterer sagt, dass man den Applaus aus der rechten Szene Europas für Norbert Hofer nicht brauchen könne.

Neu in Van der Bellens Personenkomitee ist Hollywoodstar und zweifacher Oscar-Preisträger Christoph Waltz. „Österreich kann es sich nicht leisten, nur nach innen zu schauen und damit sein Ansehen in der Welt zur ruinieren. Wer nicht wählt, darf sich nachher nicht beklagen“, sagt Waltz.

Auch der Wiener Rapper Nazar wirbt in einem Selfie-Video für seinen "Brudi"- Alexander Van der Bellen. Eine Empfehlung gibt es auf Facebook auch von den Kabarettisten Michael Niavarani und Viktor Gernot. Freilich bekennen sich nicht nur Prominente, sondern auch immer mehr User zu Van der Bellen und nutzen ihre Profil für offensive Wahlwerbung in Bild und Ton. Beispiel ist die kürzlich online gegangene Plattform vander.at samt zughöriger Facebookseite. Dort sprechen sich vor allem junge Fans für den Ex-Grünen aus.

Hofer-Unterstützer halten sich zurück

Die FPÖ zu unterstützen war noch nie zuvor salonfähig. Vor dem ersten Wahlgang gab es keine prominenten Wahlwerber, mit Ausnahme von Extremsportler Felix Baumgartner. Ein anderes Bild zeigt sich nun in den sozialen Netzwerken. Im Gegensatz zu früheren Wahlauseinandersetzungen outen sich dort blaue Wähler erstmals öffentlich.

Die blaue Netzgemeinde zeigt sich immer wieder mit gebrandeten Profil- oder Coverbildern, um Hofer zu unterstützen. Auf der Plattform Twibbon, wo Social-Media-Profile mit den Bannern beider Kandidaten geschmückt werden können, führt zwar immer noch Van der Bellen mit mehr als 12.000 Unterstützern, aber täglich kommen neue Hofer-Supporter hinzu. Etwa 4.000 Leute unterstützen Hofer aktuell mit Wahlwerbung auf ihren Social Media-Profilen.

Der Facebookwahlkampf von Norbert Hofer ist bemerkenswert. Wenige Tage vor der Wahl zählt er über 160.000 Facebookfans. Alexander Van der Bellen kommt hingegen nur auf 100.000 Fans. Auffällig ist, dass es vor allem bei Hofers Facebookfans starke Kritik am Gegenkandidaten gibt, teilweise unter der Gürtellinie.

Ein ähnliches Bild zeigt sich inhaltlich in den Netzwerken Twitter und Instagram. Dort finden sich zum größten Teil dieselben Videos und Wahlempfehlungen, die auf Facebook publiziert werden.

In den verbleibenden Tagen bis zur Stichwahl könnte die Zahl der offenen Unterstützer noch stark weiterwachsen. Wie sich das auf das Wahlergebnis auswirken wird bleibt wohl bis zu dem Zeitpunk, an dem wir das Ergebnis kennen ein Geheimnis.