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Nächster Vorstoß für Vorverlegung der Sommerferien

Der Kärntner Landeshauptmann Daniel Fellner kann sich vorstellen, die Sommerferien zwei Wochen vorzuziehen.
++ THEMENBILD ++ HITZE: KLIMAWANDEL VERSCHÄRFT AKTUELLE HITZEWELLE

Zusammenfassung

  • Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) fordert wegen der Hitze eine Vorverlegung der Sommerferien um zwei Wochen und verweist auf kühlere Unterrichtsbedingungen sowie pädagogisch sinnvollere Herbstferien.
  • Unterstützung kommt aus Wien und Salzburg, während Lehrergewerkschaft und Grüne skeptisch sind und auf mögliche Hitzewellen auch im August verweisen.
  • Lehrer-, Eltern- und Oppositionsvertreter verlangen stattdessen langfristige Maßnahmen wie klimafitte Schulgebäude, da ein generelles „Hitzefrei“ rechtlich nicht vorgesehen ist.

Die Debatte um eine Vorverlegung der Sommerferien, um Kindern und Lehrkräften zumindest einen Teil der Hitzewelle in den Klassen zu ersparen, ist am Dienstag bei den Regierungsparteien angekommen. Wiens Bildungsstadträtin Bettina Emmerling von den Neos hatte die Diskussion vergangene Woche nach Klagen aus den Schulen eröffnet. Am Dienstag gaben sich auch ÖVP und SPÖ nicht abgeneigt.

Der Vorschlag müsse „natürlich geprüft und mit allen Beteiligten auf die Möglichkeit der Umsetzbarkeit abgestimmt werden“, hieß es in einer Stellungnahme des Bildungsressorts. Die Gespräche seien bereits im Laufen.

Fellner: Alte Ferienregelung

Der Kärntner Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) hat sich am Montag angesichts der Hitze für die Vorverlegung der Sommerferien um zwei Wochen ausgesprochen. Damit würde man Hitzestaus in den Klassenzimmern ausweichen und durch die längere Unterrichtszeit nach dem Sommer würden „die Herbstferien mehr pädagogischen Sinn“ bekommen, hieß es in einer Aussendung.

Momentan halte man „starr an einer Ferienregelung fest, die vor 80 Jahren fixiert worden ist. Historisch gesehen waren die Sommerferien an die landwirtschaftlichen Erntezeiten angepasst. Heute holt der Landwirt ja auch dann die Ernte ein, wenn sie reif ist und nicht, wann es vor 80 Jahren üblich gewesen ist“, so Fellner. Die landwirtschaftliche Haupternte habe sich durch Hitze und Trockenheit bereits um rund 14 Tage nach vorne verschoben - nun sollte man auch bei den Sommerferien nachziehen.

Der zweite Vorteil sei, dass man zwischen dem Ende der Sommerferien und dem Start der Herbstferien zwei Wochen mehr Unterrichtszeit hätte: „Zwei Wochen, die unterrichtstechnisch wichtig sind und die die Herbstferien auch aus pädagogischer Sicht sinnvoller machen“, so der Landeshauptmann. Er forderte den Bund zum Handeln auf, damit man bereits „im nächsten Jahr früher in die Sommerferien“ starten könne.

Auch Salzburg und Wien für Vorverlegung

Rückenwind erhält Fellner von SPÖ-Bildungssprecher Heinrich Himmer: „Wir müssen uns an die klimabedingten Änderungen anpassen. Ende Juni ist es heißer als Anfang September, daher sollten wir ganz pragmatisch überlegen, den Beginn der Sommerferien und den Schulstart künftig vorzuverlegen“, so Himmer via Aussendung am Dienstag.

Auch die Wiener Bildungsstadträtin Bettina Emmerling von den Neos zeigte sich vor ein paar Tagen offen, über eine Vorverlegung zu diskutieren. „Während die Hitzebelastung im Juni massiv zunimmt, werden die Tage ab Mitte August bereits kürzer und die Nächte kühler, was eine effektivere Kühlung der Räume ermöglicht“, sagte sie zum KURIER. Parteifreund Bildungsminister Christoph Wiederkehr nannte den Vorstoß schon damals "interessant". 

Auch aus Salzburg gibt es Unterstützung: Salzburgs Bildungsdirektor Rudolf Mair hält aufgrund der spürbaren Klimaerwärmung eine Vorverlegung der Sommerferien um rund drei Wochen für überlegenswert.

Marchetti warnt vor kurzfristiger Einigung

Extreme Hitze in Klassenzimmern sei eine große Herausforderung, betonte ÖVP-Bildungssprecher Nico Marchetti in einer Stellungnahme. "Neben der notwendigen Verbesserung der Schulgebäude verschließen wir uns grundsätzlich keiner Diskussion im Sinne der Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte", so der frühere Bundesschulsprecher. Kurzfristig würde das Vorverlegen der Ferien viele Eltern allerdings vor unverhältnismäßige Betreuungsprobleme stellen.

Bundesschulsprecherin Hannah Scheidl von der ÖVP-nahen Schülerunion zeigte sich im Ö1-Mittagsjournal offen für Gespräche, verlangte aber gleichzeitig bauliche Maßnahmen an den Schulen, etwa den Einbau von Klimageräten. 

Auch die Sprecherin des Pflichtschul-Elternverbands Evelyn Kometter forderte gegenüber Ö1 eine bessere Ausstattung der Schulen, sodass auch bei großer Hitze guter Unterricht möglich bleibt. Die Gemeinden als Schulerhalter u.a. der Volks- und Mittelschulen seien hier allerdings wegen zu geringer Budgets in der Zwickmühle.

Lehrergewerkschaft skeptisch

Lehrergewerkschafter Paul Kimberger kann der Idee der Vorverlegung hingegen wenig abgewinnen. Das löse das Problem nicht - die nächste Hitzewelle könne schließlich auch Ende August kommen, gab er zu bedenken. Auch die Grünen zeigten sich skeptisch: Es habe auch schon extreme Hitze im August gegeben, wandte die Wiener Grünen-Chefin Judith Pühringer ein.

Forderungen nach langfristigen Lösungen

Statt kurzfristiger Notmaßnahmen verlangen Lehrer- und Elternvertreter grundlegende Veränderungen. Die Gewerkschaft fordert eine Modernisierung von Schulgebäuden im Hinblick auf Energieeffizienz und Hitzeschutz. Der Katholische Familienverband Wien kritisierte, dass Bund, Länder und Schulerhalter die Verantwortung für überhitzte Schulgebäude hin- und herschieben würden.

Die Grünen fordern einen wissenschaftlichen „Hitze-Index“ als Steuerungsinstrument für alle Schulen, verbindliche klimafitte Bauvorgaben bei Neubau und Sanierung sowie einen unbürokratischen „Beschattungstopf“ für Sofortmaßnahmen wie Außenrollos und Markisen.

Kein generelles „Hitzefrei“ möglich

Grundsätzlich „hitzefrei“ gibt es an Österreichs Schulen nicht. Im Schulunterrichtsgesetz ist nicht einmal für Bildungsministerium oder Länderbehörden eine entsprechende Möglichkeit vorgesehen, immerhin gilt eine Betreuungspflicht. Schulfrei kann grundsätzlich nur bei „Unbenützbarkeit des Schulgebäudes“ gegeben werden.

Teilweise haben Schulen in den vergangenen Tagen mit dem Angebot reagiert, die Kinder ein paar Stunden früher aus der Schule zu entlassen. Möglich ist das allerdings nur, wenn die Betreuung derer sichergestellt ist, die nicht früher gehen wollen. Von vereinzelten Fällen früheren Unterrichtsendes berichteten mehrere Bildungsdirektionen, von einem „Breitenphänomen“ könne aber keine Rede sein. Zahlen lagen nicht vor, weil die 6.000 Schulen autonom über Unterrichtsanpassungen entscheiden.

Die Bildungsdirektionen appellierten an Hausverstand und pädagogische Verantwortung. Ein temperaturbedingt früherer Schulschluss sei das „allerletzte Mittel“, hieß es etwa aus Vorarlberg. Auch in Tirol empfahl man ein Vorgehen mit „Augenmaß, pädagogischer Verantwortung und organisatorischer Flexibilität“.

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