3000 Übungskilometer absolvierte der Minister mit seiner Tochter Laura

© KURIER/Franz Gruber

Hans Peter Doskozil
08/20/2016

Hans Peter Doskozil: "Wird’s eng, schreist nur mehr: Gib Gas"

Der Verteidigungsminister meisterte mit Tochter Laura die Nervenprobe L17-Führerschein.

von Ida Metzger, Franz Gruber

Auch vier Tage vor der praktischen Führerscheinprüfung ist das Gas-Kupplungs-Spiel noch immer eine Zitterpartie. Langsam lässt die 17-Jährige Laura die Kupplung kommen, drückt gleichzeitig gefühlvoll auf das Gaspedal.

Geschafft. Am Beifahrersitz kommentiert ihr Vater Hans Peter Doskozil das nervöse Anfahrmanöver seiner Tochter mit seinem typisch trockenen Schmäh: "Ich denke, Laura wird eine Automatik-Fahrerin."

Seit rund 18 Monaten läuft das Vater-Tochter-Projekt L17-Führerschein. 3000 Kilometer spulte der Verteidigungsminister (SPÖ) mit seiner Tochter runter. Erst wenn diese Kilometeruntergrenze erreicht ist, dürfen die 17-Jährigen zur Fahrprüfung antreten. "Das ist zwar aufwendig, aber die Jugendlichen haben dann mehr Routine. Ich habe die Führerscheinprüfung noch ohne eine einzige Fahrschulstunde absolviert", erzählt Ex-Polizist Doskozil lachend.

Doppel-Rolle

Um seine Rolle als L17-Coach zu erfüllen, muss sich der 46-jährige Burgenländer von seiner anderen Rolle, die ihm in den letzten 12 Monaten regelrecht absorbiert hat, losreißen: Zuerst war der ehemalige burgenländische Landespolizeidirektor mit der Flüchtlingskrise Tag und Nacht im Dauereinsatz. Seit Jänner ist der Burgenländer aus Grafenschachen (115 Kilometer von Wien entfernt) als Verteidigungs- und Sportminister nonstop unterwegs.

Vater und Politiker – zwei Leben, die schwer zu vereinbaren sind. "Es geht immer wieder um die Frage, fahre ich nachts noch nach Hause oder nicht? Ich versuche, zwei Mal pro Woche für ein paar Stunden nach Grafenschachen zu kommen", so Doskozil.

Das klingt für einen Sozialdemokraten fast wie eine Absurdität: Die Politik arbeitet seit Jahren daran, dass Job und Familie besser vereinbar sind. Die Politiker selbst haben hingegen sehr wenig Raum für die Familie.

Volles Programm

80 bis 90 Arbeitsstunden pro Woche sind Usus. Unter der Woche steht häufig das Verteidigungsministerium und die Flüchtlingskrise im Fokus, am Wochenende nimmt Doskozil seine Funktion als Sportminister wahr und tingelt zu diversen Sportevents.

Zwischen Hanappi-Stadion-Eröffnung, Olympische Spiele in Rio schiebt er L17-Fahrstunden in einem blauen Opel ein, der stolze 340.000 Kilometer auf dem Tachometer stehen hat.

Gleich nach der fünften Übungsfahrt gab Burgenlands Ex-Polizeichef Wien als Destination für seine Tochter aus. "Aber wir haben uns mit Automatik-Auto auf den Weg gemacht, damit die Nervosität nicht so groß ist", erzählt Doskozil.

Und das war gut so. Denn Tochter Laura war als Lenkerin des fahrbaren Untersatzes mit vielen Hürden konfrontiert. "Wir kamen in einen Stau mit Rettungsgasse, Rettung und Feuerwehr", erzählt die Tochter mit einem schüchternen Lächeln. In Wien standen dann Bewährungsproben wie Spurenwechsel am Programm".

Manchmal war auch der jüngere Bruder Lukas (15) mit an Bord. "Wir sind zu dritt Roseggers Waldheimat in der Steiermark abgefahren oder haben einen Ausflug nach Graz gemacht."

Was für den Vater Quality-Time mit den Kindern war, entpuppte sich für die Autolenkerin in Ausbildung zum Stress pur. Der Bruder auf der Rückbank kommentierte die Fahrkünste seiner Schwester oft hämisch. "Er hat sich immer über meine Fahrfehler lustig gemacht und mich ausgelacht."

Doch Rache ist bekanntlich süß – vor allem, wenn die Tipps vom Vater kommen. "Wenn du den Schein hast, dann lass Lukas mit dem Bus in die Schule pendeln, während du mit dem Auto fahren kannst", rät Doskozil schmunzelnd.

Die Ruhe in Person

Welches Auto Laura künftig manövrieren will, schickt sie ihrem Vater per SMS. Es sind ausgefallene Modelle für einen Teenager. Amerikanische Sportautos Baujahr 1970 favorisiert die Minister-Tochter. "So ein Auto bekommt Laura, wenn sie das Studium schafft. Zum Start gibt es einen 15 Jahre alten Mercedes", winkt der Minister ab.

Gab es auch kleinere oder gröbere Blechschäden auf den 3000 Übungskilometern? "In diesem Punkt haben wir Stillschweigen vereinbart", meint Doskozil. Und Tochter Laura antwortet mit einem Lächeln auf den Lippen. "Papa ist die Ruhe in Person. Seine Nerven wird er bei meinem Bruder brauchen." Diese Befürchtung hat auch der Verteidigungsminister. Denn der knapp 16-jährige Lukas ist zwar "ein talentierter Autofahrer". Aber genau das macht das L17-Projekt zur Nervenprobe, "denn Lukas hört nicht auf mich", so der Minister.

Trotzdem kann Doskozil die Strapazen der 3000 Übungskilometer nur jedem Elternteil empfehlen. Denn der L17-Führerschein ist eine Vertrauenssache, die die Teenager mit Respekt honorieren. "Eingreifmöglichkeiten hat man bei der Übungsfahrt de facto keine. Wenn’s beim Überholen eng wird, kannst nur ins Lenkrad greifen oder schreien: Gib Gas!"

Die Führerscheinprüfung hat Tochter Laura übrigens geschafft. Das L17-Taferl bleibt weiterhin am Opel. Für Doskozil folgt eine Fortsetzung mit Sohn Lukas.

Alle Artikel der Serie