Politik | Inland
06.03.2018

Haider-Verehrung ist "noch immer salonfähig" in Kärnten

Eine ATV-Umfrage zeigt, dass die Marke Haider noch Potenzial hat. Der KURIER suchte nach der Ursache für dieses Kuriosum.

Als schlichtweg "erstaunlich" bezeichnet es Meinungsforscher Peter Hajek. Für den renommierten Sozialpsychologen Klaus Ottomeyer wiederum ist es eine "Art von anhaltender Verliebtheit". Auch zehn Jahre nach seinem Tod, beschäftigt Jörg Haider am Tag nach der Kärntner Landtagswahl die Politologen.

Warum eigentlich, angesichts des furiosen Sieges von SPÖ-Landeshauptmann Peter Kaiser? Weil 36 Prozent (!) der Kärntner am Wahlsonntag bei einer ATV-Umfrage angaben, dass sie auch heute noch den verstorbenen Ex-Landeshauptmann wählen würden.

Kurioserweise scheint der Mythos Haider keinerlei Kratzer bekommen zu haben. "Die Verehrung findet zwar nicht mehr öffentlich statt, ist aber immer noch salonfähig", attestiert Politologe Peter Filzmaier. Trotz der insgesamt 42 Jahre Haft, die mittlerweile in der Skandalcausa Hypo von der Justiz verhängt wurden. Trotz der Opferung des Kärntner Zukunftsfonds von 500 Millionen Euro für die Hypo-Schulden. Trotz der Beinahe-Pleite des Bundeslandes.

Genau das sei der Grund für die Idealisierung. "Haftstrafen wurden ausgesprochen, aber sitzen sind andere gegangen", meint Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle. Bilder von Gerichtsprozessen wie es von Uwe Scheuch, Gerhard Dörfler & Co. gibt, existieren von Haider eben nicht.

Den Kärntner Mechanismus der Haider-Verehrung verfolgt Sozialpsychologe Ottomeyer seit 25 Jahren. Warum die Idealisierung nicht abnimmt, sei ganz einfach: "Die Verliebtheit in den attraktiven, vitalen Haider und die Fantasie, dass die Kärntner durch Haider Anerkennung bekommen, hat sich zu einem Zeitpunkt bei den Kärntnern verankert, wo das Finanzdesaster noch lange nicht bekannt war. Deswegen ist es schwer, das aus den Köpfen zu löschen", stellt Ottomeyer fest. Diese These wird von einer zweiten Frage im Rahmen der ATV-Umfrage untermauert.

Kein Konnex zur Hypo

Jeder zweite potenzielle "Haider-Wähler" ärgert sich über den Hypo-Skandal und dessen desaströsen Folgen. Dieses Ergebnis zeigt laut Hajek, dass " zwischen dem Hypo-Skandal und Haider kein Konnex beim Wähler hergestellt wird." Auch vor allem deswegen, weil "Strukturen geschaffen wurden, um den Skandal umzudeuten". Auch wenn der Haider-Fanclub in Kärnten es einfach ausblendet, dass seine Brot und Spiele-Politik "betrügerisch war" (O-Ton Ottomeyer).

Das offizielle Kärnten sieht das ganz anders als die Bevölkerung. Heute geht der Zivilprozess gegen die Haider-Erben in die nächste Runde: Das Land Kärnten fordert von Witwe Claudia Haider und ihren beiden Töchtern Cornelia und Ulrike immerhin 600.000 Euro Schadenersatz für das überhöhte Honorar für den Villacher Steuerberater Dietrich Birnbacher beim Hypo-Verkauf. Heute steht die Aussage von Birnbacher am Programm.