Häupl: "Wofür soll ich mich entschuldigen?"

FESTAKT ZUM 70. JAHRESTAG DER WIEDERGRÜNDUNG DER S
Foto: undefined Applaus für Häupl? Seitens der Gewerkschaft gibt es den derzeit nicht.

Für den Wiener Bürgermeister ist eine 22-Stunden-Woche am Dienstag vorbei. Die Gewerkschaft forderte eine Entschuldigung.

Wenn ich 22 Stunden die Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig und kann heimgehen." Michael Häupl hat mit dieser Aussage zur Lehrerarbeitszeit bei der 70 Jahre SPÖ-Feier die Pädagogen gewaltig vor den Kopf gestoßen. Im Netz überschlagen sich die Reaktionen, Lehrervertreter haben offene Briefe verfasst. Der Wiener Bürgermeister solle "sich umgehend und öffentlich bei allen Lehrerinnen und Lehrern zu entschuldigen", fordert die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD). Seine "populistische wie zynische Aussage" zeige dessen "völliges Unverständnis" und beleidige alle Pädagogen. Die Wiener Fachgruppen der AHS- und BMHS-LehrerInnen distanzieren sich ebenso und betonen, es sei "nicht zielführend verschiedene Berufsgruppen gegeneinander auszuspielen".

Häupl will sich nicht für seine Aussagen allerdings nicht entschuldigen. Das hat er am Mittwoch im Gespräch mit der APA betont. Denn er habe keineswegs Pädagogen beleidigen wollen, sondern Kritik an der Lehrergewerkschaft geübt, sagte er. Seine "Witzchen" seien im Vergleich zur Diktion der Gewerkschaft völlig harmlos. "Ich wüsste nicht, wofür ich mich entschuldigen soll, ich habe keine Berufsgruppe beleidigt. Ich habe mich kritisch mit der Politik der Lehrergewerkschaft auseinandergesetzt. Und da lass ich mir nicht den Mund verbieten", stellte der Bürgermeister klar: "Man muss pointiert formulieren, um auf gewisse Dinge aufmerksam zu machen."

"Häupl hat mit dieser Aussage jeden Anspruch verspielt, Bürgermeister von Wien zu sein"

Lehrergewerkschaftschef Paul Kimberger zeigte sich am Vortag über den Sager "fassungslos". "Das ist ein Skandal! Häupl hat mit dieser Aussage jeden Anspruch verspielt, Bürgermeister von Wien zu sein, weil er sich nicht die Mühe macht, zu schauen, was Lehrer leisten." Zwei zusätzliche Unterrichtsstunden seien ausgeschlossen: "Es kommt nicht infrage, die Lehrer zur Gegenfinanzierung der Steuerreform heranzuziehen."

 
22 Stunden

Jetzt auch als Video: Michael Häupl über Lehrerarbeitszeiten

Posted by Zeit im Bild on Dienstag, 14. April 2015

Neugebauer: "Unannehmbar"

Im Ö1-Morgenjournal hatte der GÖD-Vorsitzender Fritz Neugebauer ebenfalls ein striktes Nein zu mehr Unterrichtsstunden deponiert: "Wir haben erst vor Kurzem ein neues Dienstrecht verhandelt. Wenige Monate später daherzukommen und zu sagen, das Geld geht uns aus, wir müssen beim Dienstrecht etwas machen, das ist unannehmbar."

Juraczka: "Unterstellt Faulheit"

ÖVP-Wien-Chef Manfred Juraczka sagt in einer Aussendung, dass Häupl den Lehrern "kollektiv Faulheit" unterstelle und sich "damit im Ton vergriffen" habe.

Bestürzt zeigt sich Patrick Wolf, Vorsitzender des SLÖ (Sozialdemokratischer LehrerInnenverein Österreichs): "Grundsätzlich schätze ich die markigen Sprüche von Häupl, die Aussge zur Lehrerarbeitszeit ist jedoch alles andere als witzig und stößt alle vor den Kopf", so Wolf. Der SLÖ empfiehlt allen Kritikern einen Schulbesuch oder Gespräche mit den Pädagogen. Dabei werde sich zeigen, dass die Arbeit selbst am Freitag noch nicht vorbei ist.

Auch Beate Meinl-Reisinger von NEOS betont, dass "populistische Sager in der Bildungspolitik niemanden weiterbringen".

Reaktionen im Netz

(KURIER / la) Erstellt am
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