Politik | Inland
17.05.2017

Guardian fiel auf "Geilomobil"-Satire zu Kurz herein

Die renommierte britische Zeitung "Guardian" nahm einen Satire-Artikel der "Tagespresse" für bare Münze, wonach Sebastian Kurz 2014 eine Löschung von Inhalten auf Google beantragt hätte.

Zahlreiche internationale Medien beschäftigen sich mit der unübersichtlichen innenpolitischen Situation in Österreich. Auch der britische Guardian hat seine Sebastian-Kurz-Story und beschäftigt sich unter dem Titel "Doing a Macron" (Einen auf Macron machen) mit der Frage, ob der 30-Jährige den Erfolg des neuen französischen Präsidenten kopieren könne. Leider rutschten dem renommierten Blatt bei der Recherche auch Infos aus einer astreinen Satiremeldung hinein.

In dem Guardian-Artikel über Kurz fallen so gewichtige Worte wie "Ende der politischen Nachkriegsordnung". Aber auch das berüchtigte " Geilomobil" aus dem Jahr 2010 erwähnt der Guardian. Das ist jener protzige Hummer, auf dessen Motorhaube der damalige Jugendpolitiker vor dem Wiener Nachtclub Moulin Rouge posierte. Der mittlerweile zum Außenminister und ÖVP-Chef avancierte Politiker wird den frivolen Wahlkampf-Gag aus der "Schwarz ist geil"-Kampagne zur Wien-Wahl anscheinend nicht mehr los.

Auf "Tagespresse"-Satire hereingefallen

Dass Kurz genau das vorgehabt hätte, nämlich das " Geilomobil" aus den letzten Ecken von Google zu verbannen, behauptete der Guardian-Autor am Ende des Artikels. Kurz hätte 2014 die neue Gesetzeslage des "Rechts auf Vergessen" nutzen wollen und das Entfernen der entsprechenden Google-Ergebnisse verlangt. Das ist natürlich vollkommen erfunden. Die Information stammt aus der bekannten österreichischen Satire-Seite Die Tagespresse und war für den ausländischen Beobachter offenbar nicht als Scherz zu erkennen.

"Outside minister Sebi"

"Bitte bitte liebe Google-Leute, mir ist das sowas von peinlich LOL xD", wurde Kurz im Mai 2014 in dem Tagespresse-Artikel dazu zitiert: "Wäre echt geil, wenn ihr die Links weggeben könntet."

Der Guardian nahm die satirischen Inhalte für bare Münze – und zitierte auch Kurz' vermeintlichen Abschiedsgruß an Google: "xxx hugs & kisses Outside minister Sebi". Dabei fiel offenbar nicht auf, dass der Posten des Außenministers (engl. Foreign minister) hier im Scherz mit "Outside Minister" (außenstehender Minister) übersetzt wurde.

Hier die entsprechende - mittlerweile gelöschte - Textstelle des ' Guardian':

Mittlerweile wurde die entsprechende Passage wieder aus dem Guardian-Artikel entfernt. Über den Google Cache war das Original aber noch eine Zeit langabrufbar.

Die Tagespresse selbst reagierte auf Twitter mit einem Satire-Tweet: "Guardian verteidigt sich: 'Haben nicht gewusst, dass Kurz nur Satire ist'"

Auf satirische Inhalte fallen aber nicht nur ausländische Medien herein. Auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache tappte bereits mehrmals in die Satirefalle (die Futurezone berichtete).