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Gstöttners Bewährungsprobe: Wer ist der neue ÖVP-Manager?

Mit Markus Gstöttner wird ein Organisator und Analyst ÖVP-Generalsekretär. Er will kein Haudrauf sein. Ist er der Richtige?
PK ÖVP STELLT NEUEN GENERALSEKRETÄR VOR: STOCKER (ÖVP) / GSTÖTTNER (ÖVP)

Als Christian Stocker am Mittwoch an einem weißen Pult stehend erklärt, warum der neue Generalsekretär seiner Partei Markus Gstöttner heißt, verwendet er viele Sätze, um immer wieder dasselbe loszuwerden: Der Mann hat sich bewährt.

Stocker erwähnt Gstöttners „Expertise in Wirtschaft und Politik“, er umreißt die akademischen und beruflichen Stationen, die den bald 40-Jährigen bis nach Indien geführt haben. Und selbstverständlich redet er auch über die Reformpartnerschaft.

Es ist ziemlich genau 1 Jahr her, da beschlossen Regierung, Länder und Gemeinden durchaus öffentlichkeitswirksam, dass der Staat cleverer aufgestellt werden muss. Ihr Mittel zum Zweck war die „Reformpartnerschaft“. Und genau deren Abwicklung durfte Gstöttner als „Sonderbeauftragter des Kanzlers“ koordinieren.

Wer je Verhandlungen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden und deren bisweilen unterschiedliche Befindlichkeiten erlebt hat, weiß: Es gibt einfachere Jobs. Doch Gstöttner habe bewiesen, „dass er große Projekte strukturiert umsetzen und auch Ergebnisse bringen“ kann, befundet Stocker. Und deshalb ist Gstöttner ab 1. August sein neuer Mann in der Lichtenfelsgasse.

Altschotte

Für einen Generalsekretär hat Gstöttner, der als ausnehmend diszipliniert beschrieben wird, eine bemerkenswerte Vorgeschichte: Sozialisiert in Wien, geht der Absolvent des Schottengymnasiums an eine der renommiertesten Unis der Welt, die London School of Economics (LSE), um Wirtschaft zu studieren. 13 Jahre nach dem Master hängt er noch eine Ausbildung in Oxford an, ein Dissertationsprojekt ist gegenwärtig auf Pause gestellt. Noch in seiner Zeit in London, wo Gstöttner 6 Jahre für ein Beratungsunternehmen arbeitet, beobachtet er den Aufstieg eines gleichaltrigen Politiktalents: Sebastian Kurz. Irgendwann im Jahr 2017 entscheidet sich Gstöttner zu einem unorthodoxen Schritt: Ohne nennenswerte Karrierestationen in der Partei vorweisen zu können, lässt er im Umfeld des Kanzlers anklingen, dass er gern für Kurz arbeiten würde.

Tatsächlich wird er als wirtschaftspolitischer Berater im Kanzlerstab engagiert. Das Vertrauen des Parteichefs und seiner über Jahre eingespielten Entourage muss sich der Christlich-Konservative aber ziemlich hart erarbeiten.

Letztlich schafft es Gstöttner bis zum Kabinettschef des Bundeskanzlers, der – wir sind im Jahr 2022 – mittlerweile Karl Nehammer heißt.

Im Wiener Gemeinderat hat er in dieser Phase ein Mandat als Landtagsabgeordneter. Tiefe Spuren hinterlässt Ausdauersportler Gstöttner in der Stadtpartei nur insofern, als sein Mandat deshalb möglich wird, weil Sebastian Kurz die Stadtpartei dazu bringt, ihn an die entsprechende Stelle zu reihen.

2023 bis 2025 lässt Gstöttner die Politik schleifen, er orientiert sich wieder nach London und widmet sich einem Start-up, das mit Stammzellen-Technologie arbeitet. Es gilt Millionen-Budgets bereitzustellen und ein Team aufzubauen. Er ist wieder dort, wo er in der Beratung war: beim Analysieren und Organisieren.

Ende 2025 streckt er einmal mehr die Fühler nach Österreich aus und übernimmt – jetzt für Kanzler Stocker – die erwähnte Koordinierung der Reformgruppe.

Wie will er’s jetzt anlegen, was will er als Generalsekretär erreichen?

Christlich-sozial

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in der Rolle bleibt Gstöttner allgemein. „Wir leben in Zeiten des Umbruchs, da werden Weichen gestellt. Und eine christlich-soziale Politik kann Antworten geben.“ Gstöttner will Freiheit, Selbstbestimmtheit und den Rechtsstaat verteidigen. „Das sind historische Errungenschaften.“

Wird er der Haudrauf, den sich manch Altvorderer in der ÖVP wünscht? Eher nicht. Zumindest klingt er dafür zu aufgeräumt. „Ich bin hart in der Sache, klar im Argument, respektvoll im Ton.“

Eine Schwäche, die seinem Vorgänger Nico Marchetti angelastet worden ist – nämlich die fehlende Nähe zu den ÖVP-Teilorganisationen –, will Gstöttner ausmerzen. „Ich werde viel unterwegs sein.“

Parteichef Christian Stocker wünscht seinem neuen Mann im Parteimanagement „viel Freude“, und das ist gar nicht zynisch gemeint. Tatsächlich gebe es „viele Situationen, in denen der Job auch Spaß macht.“ Stocker muss es wissen: Er war selbst einmal Generalsekretär.

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