Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Gewessler: „Auf einem Parkplatz wächst keine Kartoffel“

Die Parteichefin der Grünen zog erwartungsgemäß gegen die Regierung vom Leder und gab sich beim Thema der Grenzsicherheit überraschend selbstkritisch.
ORF-SOMMERGESPRÄCH MIT GRÜNEN-BUNDESSPRECHERIN GEWESSLER

Liegt’s an der  anhaltenden Hitze? Oder an Leonore Gewessler als Person? Oder vielleicht an beidem ein bisserl?

Fakt ist: In den Umfragen können sich die Grünen derzeit kaum beschweren.  Laut APA-Wahltrend vom Juli hat die Öko-Partei im Vergleich zur Nationalratswahl klar zugelegt, man ist mit 12,4 Prozent  stabil zweistellig. 

Montagabend beschrieb die grüne Bundessprecherin im ersten ORF-Sommergespräch, wie sie ihre Partei stärker machen will.

Den Beginn machte - durchaus naheliegend – das Thema Sommerhitze. 

 Sie bemühte konkrete Beispiele und Menschen. „Wie soll die Nachbarin bei 40 Grad in der Wohnung einen erholsamen Schlaf bekommen? Ich frag’ Bauarbeiter und Würstelstandler: Wie haltet ihr die Hitze aus?“  Die Grünen–Chefin nahm die aktuelle Lage zum Anlass, um den Kontrast zur Regierung hervorzukehren. „Ich habe sinnlose Autobahnprojekte verhindert!“ Im Gegenzug hole Verkehrsminister Peter Hanke alte Projekte aus der Mottenkiste und betoniere eine Autobahn durch den Nationalpark der Wiener.

Als drängendste Maßnahme im Natur- und Klimaschutz nennt Gewessler die Renaturierung. Der Verbrauch an Grünflächen und Boden müsse österreichweit gesetzlich reguliert werden. „Auf einem Parkplatz wächst keine Kartoffel. Wir brauchen die Flächen als Ackerland und Erholungsflächen.“

Eine kleine aktionistische Einlage kommt auf halber Strecke: Nach einer guten halben Stunde, als das Gespräch wieder den Klimaschutz streift, zückt Gewessler einen Wasserspray und kritisiert mit diesem die Bundesregierung. Der erwähnte Würstelstandler habe ihr diesen Spray präsentiert, als sie ihn nach seinen Rezepten gegen die Hitze gefragt habe. „Und dieser kleine Spray ist mehr als die Regierung in Sachen Klimaschutz zustande gebracht hat.“

Ordnung und Menschlichkeit 

Erwähnenswert ist die selbstkritische Haltung, die die 48-Jährige im Zusammenhang mit dem Grenzsturm von Ceuta kommunizierte. Ja, die Bilder aus der spanischen Exklave hätten auch ihr Sorgen bereitet. Das Motto der Grünen sei  „Menschlichkeit und Ordnung.“ Und diesbezüglich sei ihre Partei in der Vergangenheit „zu inkonsequent“ gewesen. Der islamistische Extremismus und andere Feinde der liberalen Demokratie seien auch ihre Feinde. Das habe man möglicherweise zu wenig deutlich gesagt. „Menschlichkeit kann nur aufrechterhalten werden, wenn wir klare Grenzen ziehen. Sonst bleibt der blanke Rassismus der FPÖ.“ 

Erbschaftssteuern

Als eine der Errungenschaften ihrer Arbeit an der Parteispitze nennt Gewessler, dass man das Gerechtigkeitsthema wieder forciere. Einmal mehr redete die 48-Jährige Vermögens- und Erbschaftssteuern das Wort. „Die Studentin, die abends kellnert, zahlt einen Beitrag zur Budgetsanierung, die Superreichen nicht!“ Ein bis zwei Milliarden Euro im Jahr wären laut Gewessler durch Vermögens- und Erbschaftssteuern zu lukrieren. „Ich hielte das für gerecht.“ 

Auf die Frage, ob die Grünen der Verlängerung des Zivildienstes zustimmen, antwortet die Grünen-Chefin eher offen: „So wie das  jetzt da liegt, ist es eine Sammlung aus Überschriften.“ Gewessler will sich nicht in die Karten schauen lassen. Klar ist für sie, „dass der Frieden verteidigt werden muss“. Klar sei aber auch, dass eine Verlängerung um der Verlängerung willen nicht passiere. „Es muss auch  Verbesserungen (beim Wehr- und Zivildienst, Anm.) geben.“

Kommentare