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Politik Inland
08/11/2020

Grün, gelb, orange oder rot: Wie wird der Schulstart sein?

Hoffen auf "Normalbetrieb". Vier Wochen vor Schulstart fürchten Eltern neue Schulschließungen und ein Dacapo der "Schule daheim". Die Schulbehörden schauen derzeit aber vor allem nach Deutschland.

von Sandra Lumetsberger, Bernhard Gaul

Vier Wochen vor dem Schulstart in Ostösterreich rückt eine Frage für Familien immer näher: Wie wird der Schulbeginn aussehen? Bleiben die Klassen zweigeteilt, mit abwechselndem Unterricht in der Schule und dem Unterricht daheim? Werden, wie kurz vor Schulschluss in Oberösterreich, wegen weniger infizierter Schüler alle Schulen in einem Bezirk gesperrt werden?

Was ist der Plan?

Bildungsminister Heinz Faßmann will, wie berichtet, jedenfalls einen "völlig normalen Schulstart" im Herbst. Also: Keine Maskenpflicht, keine Massentests, eben ein normaler Schulbetrieb.

Faßmann weiß aber auch: Wie der Alltag tatsächlich in den einzelnen Schulhäusern ab dem 7. September in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland (und eine Woche später in den anderen sechs Bundesländern) aussehen wird, hängt von vielen unplanbaren Faktoren ab, vor allem von den Infektionszahlen.

Die Beamten am Minoritenplatz schielen in diesen Tagen intensiv nach Deutschland: Fünf Bundesländer haben bereits mit dem Schulbetrieb nach den Sommerferien begonnen, mit höchst unterschiedlichen Regelungen und entsprechend unterschiedlichen Rückmeldungen.

Erste Schulen wieder zu

So fiel an der Grundschule im Ostseebad Graal-Müritz in Mecklenburg-Vorpommern der Unterricht deutlich kürzer aus als sonst – schon nach einer Woche musste die

Schule wieder schließen: Ein Kind wurde positiv auf Corona getestet. 104 Schüler, 8 Lehrer und ein Referendar befinden sich in Quarantäne. Ähnliches ist an einem Gymnasium passiert, wo sich zwei Lehrkräfte mit dem Virus infiziert haben.

Die Schulschließungen in Mecklenburg-Vorpommern alarmierten auch Eltern und Schüler in jenen Ländern, wo gestern das neue Schuljahr startete: Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein. Vor allem in Berlin stehen die Hygienepläne der Senatsverwaltung in der Kritik. Diese sehen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Schulgebäude vor, in Fluren, Aufenthalts- und Begegnungsräumen, aber nicht während des Unterrichts bzw. ist es dort den Schulen und Klassen freigestellt. Es gebe Fälle von Lehrkräften, die zu Risikogruppen gehören und sich wegen einer Vorerkrankung krankschreiben lassen könnten, die aber unterrichten wollen. Wenn sie zur Risikoreduzierung eine Maske tragen, müssten das auch die Schüler, ließ der Sprecher von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) wissen. Die Politikerin beruft sich in puncto Maskenpflicht im Unterricht auf Kinderärzte und Jugendpsychologen, die dagegen wären. Anders sehen es die Experten der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Sie empfehlen neben kleineren Klassen einen Mix aus Homeschooling/Präsenzunterricht und dass an Schulen von der fünften Klasse aufwärts auch im Unterricht Maske getragen wird.

Bisher will dies nur Nordrhein-Westfalen umsetzen, wo die Schulen am Mittwoch wieder öffnen. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, ist dafür und sieht es als "Opfer, das wir zumindest vorübergehend bringen müssen, um eine zweite Infektionswelle zu verhindern". Die Abstandsregel von 1,5 Meter steht zwar auch im Berliner Hygieneplan, sie ist aber nur im Lehrerzimmer einzuhalten. Zudem empfiehlt man regelmäßiges Händewaschen und Lüften der Räume, um die Aerosol-Konzentration zu senken. Wie das im Herbst und Winter funktioniert, und was passiert, wenn im von Lehrermangel geplagten Berlin Pädagogen ausfallen, weil sie Risikopatienten sind, treibt Eltern wie Lehrer um.

Ungetestet im Unterricht

Norman Heise, der am Montag auch zwei Kinder in die Schule brachte, ist "absolut unzufrieden, dass ab heute wieder der Regelbetrieb eingeführt wird", so der Vorsitzenden des Landeselternausschusses (LEA) gegenüber dem KURIER. Seine Sorge richtet sich vor allem auf die Inkubationszeit bei einer Corona-Infektion von Reiserückkehrern: Viele wären im Sommer weggefahren, manche waren in Risikogebieten – "und jetzt sitzen die Kinder ungetestet in den Schulen". Aus seiner Sicht wäre es besser gewesen, das Infektionsgeschehen bei Schülern und Lehrern in den ersten Wochen zu beobachten: "Klassen halbieren, Unterricht reduzieren und dann entscheiden, ob ein Regelbetrieb möglich ist und ob es einen Mund-Nasen-Schutz im Unterricht braucht."

Hoffnung ruht dieser Tage auf den Wetterverhältnissen: Durch die Hitze haben manche Schulen verkürzten Unterricht, können diesen auch autonom umorganisieren oder den Schülern hitzefrei geben.

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