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Politik Inland
01/12/2021

Glock im U-Ausschuss: Hofer "im Tierheim" kennengelernt

Lange weigerte sich Kathrin Glock, vor dem U-Ibiza auszusagen. Die Befragung mit der Frau des Waffenproduzenten Gaston Glock verlief konfrontativ: "Ich lasse mich nicht wie ein Schulmädchen behandeln."

von Ida Metzger

Lange sah es aus, als würde sie wieder absagen. Aber dann erschien Kathrin Glock doch. Unter großen Sicherheitsauflagen kam Glock als Auskunftsperson nach Wien zum Ibiza-U-Ausschuss. Der Grund für ihre Befragung: Glock war als vermeintlicher Parteispender von Ex-Vizekanzler und -FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache im Ibiza-Video genannt worden. Gemeinsam mit ihrer Vertrauensperson saß die Frau des milliardenschweren Waffenproduzenten in einem Extrazimmer im Parlament.

Über Video konnten die Abgeordneten die Fragen an Glock stellen. Geschützt mit einer FFP3-Maske und medizinischen Handschuhen nahm Glock im Extrazimmer Platz. Die Maske reizte immer wieder ihre Nase, sodass Glock mehrmals niesen musste - was sogar zu mehrminütigen Unterbrechungen führte.

Gudenus und Strache stolperten über das "Ibiza-Video"

Glock ruft den Verfassungsgerichtshof an

Durchaus originell stellte sich Glock  dem Ibiza-U-Ausschuss vor. "Ich bin Kathrin Glock. Kathrin mit "th" geschrieben und Glock wie die Glocke ohne "e"." Gleich zu Beginn gab Glock ein Statement ab, bei dem sie nicht mit Kritik an der Ladung in den Ibiza-U-Ausschuss sparte:

"Wir befinden uns in der größten Gesundheitskrise unserer Zeit. Aktuell wurde der harte Lockdown in Österreich bis zum 24.1.2021 verlängert. Die Ausgangsbeschränkungen gelten weiterhin und jeder österreichische Staatsbürger, der dagegen verstößt, wird rigoros bestraft. Dies gilt hingegen offensichtlich nicht bei Auskunftspersonen des Untersuchungsausschusses. Diese werden sogar gezwungen, persönlich vor Ort - in Wien - zu erscheinen. Verlassen sie ihr Haus nicht für die Befragung, werden sie mit einer Beugestrafe belegt und die Vorführung angedroht. Auch wenn man, so wie ich, seinen 91-jährigen Ehemann als Risikopatienten vor einer Infektion schützen möchte. Gleiches Recht für alle? Darf man Menschen zwingen, sich einem hohen Infektionsrisiko auszusetzen? Genau mit dieser Frage wird sich der Verfassungs- und der Verwaltungsgerichtshof demnächst beschäftigen."

"Das Tüpfelchen auf dem Glock’schen i"

Und meinte weiter: "Das Tüpfelchen auf dem Glock’schen i: Die Verantwortlichen des Ausschusses sind trotz dieser Krise immer noch nicht bereit, Videobefragungen zu genehmigen, geschweige denn den Untersuchungsausschuss an sich oder seine Termine zu verschieben, bis sich die Situation beruhigt. Wäre doch zu einfach, könnte der Schelm denken. Man müsste auf das persönliche und mediale Vorführen verzichten, denn eine angebotene Videobefragung scheint nicht genug zu sein. Das ist die traurige aber auch zu hinterfragende Wahrheit in der österreichischen Politiklandschaft."

Fragen sie mich nach "Campbell, Chuck Norris und John Travolta"

Nun aber zur Befragung. Die verlief durchaus konfrontativ. Verfahrensrichter Wolfgang Pöschl wollte zum Start der Befragung wissen, wann Glock Ex-FPÖ-Infrastrukturminister Norbert Hofer kennenlernte. "Bei einem Treffen in einem Tierheim in Villach im Jahr 2016. Ich bin eine der größten Tierschützerin des Landes." Sie fügte hinzu: " Villach liegt in Kärnten."

Doch das Tierschutz-Engagement werde Glock künftig lassen, denn "die rote Fraktion unterstellt mir, dass ich lieber Tiere als Menschen mag". Hofer und auch Strache waren Gast auf den glamourösen Charityevents von Glock, wo auch regelmäßig internationale Weltstars auftreten. Auch die ehemalige Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) nahm am Event teil. 

Alle Gäste müssen Eintritt zahlen, weil es "ein Charityevent ist", betonte die Ehefrau des 91-Jährigen Waffenproduzenten. "Waren andere Minister auch auf dem Event?", wollte der Verfahrensrichter wissen. Glock konnte sich nicht erinnern. "Fragen Sie mich nach Naomi Campbell, Chuck Norris oder John Travolta. Da würde ich mir leichter tun", so Glock.

Ob Strache sie jemals nach einer Spende gefragt hätte, wollten die Abgeordneten wissen. Persönlich habe Strache nicht gefragt, aber via "WhatsApp" oder "iMessage" habe Strache nach einer Spende gefragt, sagte Glock aus. Sie habe dann sofort die Anfrage an die Anwälte weitergeleitet. "Glock hat nie an die Partei oder an einen parteinahen Verein gespendet", stellte Glock aber fest. 

Die Abgeordnete Nina Tomaselli (Grüne) wollte dann wissen, ob bei einem Treffen mit Hofer und Ministerin Elisabeth Köstinger bei einem Gespräch in einem Heizwerk über eine Änderung des Stiftungsrechtes oder des Gesellschafterausschlussgesetzes gesprochen wurde. "Nein, darüber habe ich nicht  gesprochen". Warum aber beziehe sich dann die Anwältin in einem Mail auf dieses Treffen? "Das müssen sie meine Anwältin fragen. Ich will nicht mutmaßen", sagte Glock. 

Austro Control Aufsichtsrätin

Neos-Abgeordneter Helmut Brandstätter hinterfragte bei Glock, wie es denn zur Berufung in den Aufsichtsrat der Austro Control kam. "Norbert Hofer hat mich angerufen und gefragt, ob ich Aufsichtsrätin werden will." Aber da sie Geschäftführerin in sieben Gesellschaften, Stifterin, Stiftungsrätin, Director einer niederländischen Holding und seit 1.1.2020 auch Aufsichtsratsvorsitzende sei, musste sie erst "ihre zeitlichen Ressourcen checken", um sagen zu können, ob sie das Angebot annehmen könne. Als sie gesehen habe, dass sie den Job zeitlich hinbringe, habe sie zugesagt. Brandstätter wollte wissen, was denn ihre Qualifikation für die Position sei, habe sie doch die Matura nicht abgeschlossen und auch die Ausbildung zur Polizisten abgebrochen.

"Ich lasse mich nicht wie ein Schulmädchen behandeln", konterte Glock. "Mein Mann hat mich 2004 kennengelernt. Er hat mein Potenzial sofort erkannt und mich sechs Jahre auf meinen ersten Job als Geschäftsführerin vorbereitet“, echauffierte sich Glock. "Ich halte es mit dem Bundeskanzler. Er hat gezeigt, dass man alles schaffen kann. Gestehen Sie mir das auch zu." 

Ansonsten gestalteten sich die Fragen launig. Selbst Verfahrensrichter Pöschl konnte sich bisweilen ein Lächeln nicht verkneifen.

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