Eva Glawischnig trat 2017 von den Grünen zurück

© APA - Austria Presse Agentur

Politik Inland
04/14/2021

Glawischnig wollte einst "alle Brücken zu den Grünen anzünden"

Bei einer politischen TV-Sendung kommentierten Eva Glawischnig, Reinhold Mitterlehner und Matthias Strolz den Abgang von Rudolf Anschober.

von Bernhard Gaul

Wenn Eva Glawischnig, Reinhold Mitterlehner und Matthias Strolz gemeinsam in einer TV-Sendung nur einen Tag nach dem Rücktritt von Rudi Anschober auftreten, dann dürfte Schmutzwäsche von früher gewaschen werden. Und so war es dann auch.

Puls24 lud die drei Ex-Politiker samt PR-Berater Wolfgang Rosam ins Studio, um nachzufragen, wie damals der jeweilige Abgang war, welche Gründe es gab, und wie das Leben danach funktionierte. 

Glawischnig hatte nach langer Zeit an der Spitze der Grünen diese am 18. Mai 2017 aus gesundheitlichen Gründen verlassen, sie trat von allen Ämtern zurück und heuerte ein paar Monate später ausgerechnet beim Glückspielkonzern Novomatic an. Im gleichen Monat gab Mitterlehner nach halb-offenen Kontroversen mit Sebastian Kurz ebenfalls bekannt, sowohl als Bundesparteiobmann der ÖVP wie auch von seinen Ämtern als Minister und Vizekanzler zurückzutreten. Und auch Strolz, der genau ein Jahr später ging, hatte mit seinem Abgang „die Notbremse gezogen“, wie er das formulierte, aus Rücksicht auf seine Gesundheit, noch mehr aber aus Rücksicht auf seine Familie: „Ich wäre sonst heute sicher geschieden.“

Glawischnig: „War gekränkt, auch von den Grünen“

Die Ex-Grünen-Frontfrau erzählte, dass sie nach dem Aus in der Bundespolitik lange einen Job gesucht hatte. „Ich habe mich aber auch im Stich gelassen gefühlt, es gab von mir auch Groll und Verletzung und eine Kränkung, auch aus der grünen Partei. Ich hatte da schon das Gefühl, dass ich mich abgerackert habe, und das viele trotzdem kritisiert haben. Da wurde oft nur das Negative gesucht.“

Ihren Wechsel zu Novomatic, dem Glückspielkonzern, der bei Grünen nie hoch angesehen war, sah Glawischnig dann auch als Retourkutsche. „Irgendwann wollte ich auch alle Brücken zu den Grünen anzünden.“ Und jetzt habe sie Novomatic ohnehin verlassen und mache sich wieder selbstständig.

Mitterlehner "nicht grün" mit seinem Nachfolger

Mitterlehner erzählte, dass er kurz nach seinem Abgang „zig“ Anfragen aus der Wirtschaft hatte für Aufsichtsratsposten und sehr vieles in dem Moment zurückgezogen wurde, als klar wurde, dass er nicht ganz „grün“ mit dem heutigen Bundeskanzler sei.

Dann kam die Frage auf, warum sich Anschober bei seiner Rücktrittsrede nicht auch bei Bundeskanzler Kurz bedankt hatte, mit dem er doch so oft gemeinsame Pressekonferenzen gegeben hatte. „Wofür soll er sich bedanken?“ warf da Strolz ein, „Dass er auf ihn draufgetreten ist, wie er im Krankenstand war?“ Langfristig, glaubt Strolz, würden Kurz so aber die Koalitions-Partner ausgehen.

Alle lobten aber Anschobers Vorgehen. „Hätte er den Schritt nicht gesetzt, hätte er Schaden genommen. Und er hätte ohnehin nicht mehr liefern können“, glaubt Strolz.

Glawischnig meinte, sie sei in Sorge um Anschober gewesen. „Er hat ernsthaft versucht, viel Gutes zu tun. Das ist ihm nicht alles gelungen.“

Strolz: "Politik ist verlogener geworden"

Strolz kritisierte vehement die aktuelle Politik, besonders jene der ÖVP. „Die Politik ist viel verlogener geworden.“ Dass sich Finanzminister Blümel „80 Mal im U-Ausschuss der Aussage entschlägt oder sich nicht erinnern kann, das wäre früher undenkbar gewesen. Oder, dass er erklärt, keinen Laptop zu besitzen.“

Richtig wütend habe Strolz aber etwas anderes gemacht: „Da mache ich einerseits auf katholisch", meinte er in Richtung ÖVP, "und dann erpresse ich auf Geheiß des Kanzlers die katholische Kirche“, spielte er auf Aussagen an, wonach die Bischöfe für ihre Kritik an der Flüchtlingspolitik ins Finanzministerium gebeten wurden und ihnen gedroht worden sein soll, kirchliche Steuerprivilegien verlieren zu können.

Mitterlehner pflichtete ihm bei: „Das Fatale an der Entwicklung ist aus meiner Sicht, dass es nicht mehr um Sachlösungen geht, sondern nur mehr ums Gewinnen. Das hat mich gestört.“ Als Beispiel nannte Mitterlehner dann, dass Anschober beim Lockdown in Ost-Österreich von der Regierung alleine gelassen worden sei. „Der Anschober ist dann alleine dagestanden. Das geht so aber nicht, weil entweder mache ich das gemeinsam, oder eben nicht.“ Aber Parteipolitik und seinen Gegner dabei „niederdrücken, das war nie meine Sache.“

Den Grünen in der Regierung zollte Glawischnig dennoch Respekt. „Ich finde es toll, dass sie versuchen, eine ehrenhafte Politik zu machen.“ Und dass die Grünen selten Kontroversen suchen. „Denn die Wähler interessiert ja gar nicht, wer woran schuld ist.“

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