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Politik Inland
12/05/2021

Gerhard Karner: Zurück als Innenminister statt in die Politpension

Der Niederösterreicher tauscht sein ruhiges Leben als Landtagspräsident gegen den Schleudersitz in der Herrengasse.

von Martin Gebhart

Bei Gerhard Karner muss immer alles schnell gehen, auf keinen Fall will er unnötig Zeit verlieren. So saß er bereits am Samstag, einen Tag nach seiner Nominierung zum Innenminister und noch vor seiner Angelobung, in der Herrengasse in Wien mit den Sektionschefs an einem Tisch, um sich über die aktuelle Lage im Innenministerium zu informieren. Mit dabei seine künftige Mitarbeiterin Iris Drexler, die vom Kabinett von Ex-Finanzminister Gernot Blümel zu ihm wechselt.

Heimspiel im Ministerium

Für den 54-jährigen Niederösterreicher ist so eine Runde nichts Neues. Er war schon in Jahren 2000 bis 2003 in dem Haus am Besprechungstisch gesessen, damals als Pressesprecher von Ex-Innenminister Ernst Strasser. Jetzt kehrt er zurück als Chef. Als 8. Innenminister, den die ÖVP seit dem Jahr 2000 stellt, als 5. Ressortchef, der aus der niederösterreichischen ÖVP kommt. Dazwischen nur FPÖ-Mann Herbert Kickl und die beiden Kurzzeit-Minister Eckart Ratz und Wolfgang Peschorn. Für Gerhard Karner war sein erster Tag im Ministerium also ein Heimspiel.

Vor rund 20 Jahren war das nicht so gewesen. Damals wurde es als „feindliche Übernahme“ gesehen, wie Karner immer wieder erzählt. Dass wegen der blau-schwarzen Regierung die SPÖ nicht mehr das Innenministerium in ihrer Hand hatte, führte bei den Beamten und Polizisten zu schweren Verwerfungen. Strasser reagierte darauf nicht zuletzt mit Umfärbungen, Karner musste diese nach außen hin verkaufen. Da war seine Hemdsärmeligkeit gefragt.

Ein leiser Rückzug

Die war auch danach sein Markenzeichen, als er ab 2003 für den damaligen Landeshauptmann Erwin Pröll in St. Pölten die ÖVP-Landespartei führte. Dass mit seiner Nominierung am Freitag aus dem ORF-Archiv sofort markige Sprüche aus der damaligen Zeit – vor allem gegen die Grünen – ausgegraben wurden, stört ihn allerdings nicht. Genauso wenig wie der Begriff Hardliner, der immer wieder mit seiner Person verbunden wird. „Das war damals mein Auftrag“, sagt Karner zu jedem, der ihn auf diese Zeit anspricht.

Unter Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner musste er sich dann ohnehin zurückhalten, weil solche verbalen Rundumschläge nicht mehr zum neuen Miteinander-Kurs passten. Zu dem Zeitpunkt hatte sich Karner als 2. Landtagspräsident politisch aber bereits in ruhigere Gewässer begeben. Noch dazu war er auch Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Texingtal.

Geänderte Lebensplanung

Eine stabile Konstellation, auf die normalerweise ein Gleiten in die Politpension folgt. Deswegen war seine Umgebung auch überrascht, dass Gerhard Karner dem Ruf nach Wien gefolgt ist. Immerhin hatte er wenige Jahre davor ein derartiges Angebot noch abgelehnt, weil es damals nicht in seine Lebensplanung passte.

Doch jetzt scheint er wieder voll motiviert zu sein, wie aus der ÖVP zu hören ist. Ausschlaggebend dafür dürfte vor allem sein besonderes Verhältnis zu Karl Nehammer sein. Unter Landesgeschäftsführer Gerhard Karner war der neue Kanzler in St. Pölten ins Team aufgenommen worden. Nach Nehammers Wechsel nach Wien war der Kontakt nie abgerissen. Man hatte sich regelmäßig über die politische Lage im Land ausgetauscht.

Persönliches Angebot

Das persönliche Gespräch mit Karl Nehammer am Telefon, bei dem ihm die Position des Innenministers angeboten worden war, soll für Karners Zusage ausschlaggebend gewesen sein. Auch wenn er zu diesem Zeitpunkt schon vorinformiert war. Für die Mitarbeiter in der Herrengasse bedeutet der Wechsel jedenfalls keine großen Veränderungen. Nehammer und Karner ticken in Sicherheitsfragen ähnlich – wenn nicht gar komplett gleich.

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