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Integration
06/13/2020

Integrationsministerin: "Gefahr, im Sprachbad unterzugehen“

52,5 Prozent der Schüler mit nichtdeutscher Umgangssprache in Wien. Raab beharrt auf Deutschklassen. Sommer-Uni für Kinder im Internet.

von Johanna Hager

Sie bleibt dabei. Integrationsministerin Susanne Raab fühlt sich ob der jüngsten Zahlen des Integrationsfonds (ÖIF) für die Bundeshauptstadt im türkisen Bildungskurs bestätigt: Raab fordert eigene Deutschklassen, um erst die Sprache separat und dann mit anderen gemeinsam andere Fächer zu lernen.

Laut ÖIF ist der Anteil der Schüler in Wien mit nichtdeutscher Umgangssprache im Schuljahr 2018/19 zwar nur leicht gestiegen – von 52 auf 52,5 Prozent. (Zum Vergleich: Österreichweit betrug der Anteil im Jahr 2017/2018 indes 26 Prozent.) In einzelnen Bezirken oder Schulformen werde die nichtdeutsche Umgangssprache aber zur „großen Integrations-Herausforderung“, so Raab.

Im 10. Bezirk (Favoriten) sprechen 72,2 der Schüler als Umgangssprache nicht Deutsch, in Ottakring sind es 69, in Brigittenau 68 und in Rudolfsheim-Fünfhaus 65,2 Prozent.

"Der Indikator nichtdeutscher Muttersprache ist ein wesentlicher Indikator für die Integration und zwar vom Kindergarten über die Schule bis hin zur Ausbildung“. Dass das nicht automatisch heißt, dass die Schüler nicht gut Deutsch können, lässt die Integrationsministerin als Argument nicht gelten.

"Wir sehen an den Sprachstandsfeststellungen vom Kindergartenalter aufwärts einen enormen Förderbedarf. 80 Prozent der Kinder mit türkischer Muttersprache im Kindergarten können Deutsch nicht auf einem altersadäquaten Niveau. Bei arabischer Muttersprache sind es 78 Prozent.“ Gebe es keine eigenen Deutschklassen, dann bestünde die Gefahr, dass "im Sprachbad unterschiedlicher Muttersprachen die eigentliche Unterrichtssprache Deutsch untergeht“. Dass es mehr um die Wien-Wahl als um einen signifikanten Anstieg bei den Zahlen geht, dem widerspricht Raab auf KURIER-Nachfrage. „Es geht darum, Probleme anzusprechen und nicht zuzudecken“, sagt die ÖVP-Ministerin und verweist auf die österreichweite Sommerschule: Erstmals sollen Kinder, die Deutschförderbedarf haben, in den letzten zwei Ferienwochen unterrichtet werden. Laut Bildungsministerium kommen bis zu 42.000 Schüler infrage. Die Eltern eben dieser Kinder sollen zusätzlich in eigenen Kursen über die Relevanz des Deutschlernens, des Bildungssystems und der Werte informiert werden.

Sommer-Uni & Wien-Tag

Neu ist heuer auch ein Angebot des Bildungsministeriums. Mindestens zwei Wochen sollen die Bundesschulen in den Ferien für Vereine zur Verfügung stehen. Zudem soll es statt der bekannten Wien-Woche, die bedingt durch Corona nicht stattfinden konnte, in den Ferien Wien-Tage geben. „Kinder – maximal 10 Personen pro Gruppe – bekommen mit einer Aufsichtsperson einen halben oder einen ganzen Tag eine Führung durch die Stadt“, so die Pläne des Bildungsministeriums. Die Kinderuniversitäten, die jährlich von rund 40.000 Schülern besucht werden, finden heuer ebenfalls ob Corona mehr im virtuellen Raum denn in Räumlichkeiten statt. Dafür können mehr Schüler daran teilhaben, so Bildungsminister Heinz Faßmann. Bei „Science Holidays – Mach Ferien in der Welt der Wissenschaft“ sollen zudem in Kooperation mit Universitäten zusätzlich zur Kinder- und Jugenduniversität Präsenzangebote zur Verfügung gestellt werden.

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