Am 2. Februar wird Josef Marketz zum Bischof geweiht

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Analyse
12/10/2019

Frauenweihe? "Kann nur hoffen, dass das möglich wird, ganz ehrlich"

Der designierte Bischof von Gurk-Klagenfurt, Josef Marketz, lässt mit ungewohnten Tönen zu Zölibat und Frauenweihe aufhorchen.

von Rudolf Mitlöhner

So deutlich hat es noch kein (künftiger) Bischof gesagt: Josef Marketz, seit Dienstag letzter Woche offiziell ernannter Bischof der Diözese Gurk-Klagenfurt, hat sich in seinen ersten Stellungnahmen zu den „Dauerbrennern“ Zölibat und Frauenweihe weit hinausgelehnt.

Auf die Frage, ob er ausschließen könne, wegen seiner Lebensführung bezüglich Zölibat erpressbar zu sein – wie es das Gurker Domkapitel dem früheren Kärntner und jetzigen St. Pöltner Bischof Alois Schwarz vorgeworfen hatte – antwortete Marketz in der Kleinen Zeitung überraschend offen: „Ausschließen kann ich nichts. Ich bin 64 Jahre alt, lebe schon ziemlich lange und habe Zuneigung von vielen Menschen, auch von Frauen erfahren.“

Ausschließen könne er eine Erpressbarkeit für die Jetztzeit. Und auf die Nachfrage „Für die Vergangenheit nicht?“ sagte er nur: „Ich will nicht als großer Engel hier auftreten. Aber ich habe ein gutes Gewissen.“

Noch brisanter – weil das Thema innerkirchlich als theologisch noch viel schwieriger gilt – Marketz’ Aussage zur Frage der Weihe von Frauen: „Wenn eine sagt, sie möchte Priesterin werden, dann kann ich nur mit ihr zusammen hoffen, dass das möglich wird – das sag’ ich ganz ehrlich“, sagte er im Kathpress-Interview.

"Keine Vollmacht"

Beide Fragen spalten seit Jahrzehnten die Katholiken in den westlichen Industrieländern. Reformbewegungen von Laien wie Priestern artikulieren lautstark ihre Forderung nach Veränderungen gerade in den Fragen der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt.

Genauso vehement wies die Kirchenleitung bis vor Kurzem jegliches Ansinnen in diese Richtung zurück. Man berief sich auf eine jahrhundertelange Tradition und – im Falle der Frauenweihe – überdies darauf, dass (der mittlerweile heiliggesprochene) Papst Johannes Paul II. (1978–2005) in seinem Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“ („Die Priesterweihe“; 1994) diese Frage lehramtlich endgültig entschieden hat: „… dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden“.

Nun ist Tradition in der katholischen Kirche nicht einfach etwas, was sich eingebürgert hat, sondern neben der Bibel sozusagen das zweite Standbein. Andererseits ist unbestritten, dass sich natürlich ungeachtet aller Kontinuität der Lehre viele Dinge in der Kirche auch geändert haben.

In der Frage des Zölibats hat zuletzt die Amazonien-Synode (eine vom Papst einberufene Versammlung von Bischöfen aus aller Welt in Rom) eine vorsichtige Öffnung vorgeschlagen: In Ausnahmefällen sollen verheiratete Ständige Diakone in der Region zu Priestern geweiht werden.

Freilich haben seither viele Bischöfe – wie auch Kardinal Schönborn – betont, dass der zölibatär lebende Priester der „Normalfall“ bleiben werde. Bei der Frauenfrage gibt es bis jetzt aus den genannten Gründen nichts Vergleichbares – allenfalls ein Frauendiakonat wird bisweilen ins Spiel gebracht.

In beiden Fällen würden Änderungen jedenfalls eine gewaltige Zerreißprobe für die Kirche darstellen.