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Chronik Österreich
12/06/2019

Der neue Bischof von Gurk will "nichts unter den Teppich kehren"

Josef Marketz wird am 2. Februar geweiht. Seine Antritts-Pressekonferenz hielt er auf Deutsch und Slowenisch.

von Elisabeth Holzer

Josef Marketz zeigt Humor. Die vielen Kameras, die Freitagvormittag auf ihn gerichtet sind, hindern ihn einige Minuten lang, das zu tun, was er eigentlich geplant hatte: "Ich würd' schon gerne Hände schütteln vorher..."

Drei Tage nach seiner Ernennung zum designierten 66. Bischof der Diözese Gurk-Klagenfurt gibt der 64-jährige derzeitige Caritas-Direktor seine Antritts-Pressekonferenz. Rund eineinhalb Jahre lang war die Diözese unter interimistischer Leitung, zuletzt von Militärbischof Werner Freistettner. "Auf den neu ernannten Bischof haben die Kärntner lange gewartet", überlegt Freistettner, der neben Marketz sitzt. "Aber ich möchte sagen, es hat sich gelohnt. Die Kärntner werden einen ausgezeichneten Bischof bekommen."

Entschuldigung von Rupprechter

Marketz schmunzelt und übernimmt, begrüßt auf Deutsch - und Slowenisch. Die Zweisprachigkeit wird der Kärntner Slowene auch später in der Pressekonferenz beibehalten. "Das ist ja das große Anliegen der slowenisch-sprachigen Menschen in Kärnten, ihre Sprache zu verwenden, sie an ihre Kinder weiter zu geben", beschreibt Marketz. "Ich werde sie selbstverständlich auch verwenden." Ex-ÖVP-Minister Andrä Rupprechter, der mit einem mittlerweile gelöschten Tweet über Marketz' Identität als Kärntner Slowene für Empörung gesorgt hatte, habe sich bei ihm entschuldigt, betont der designierte Boschof. "Für den Sager, der ihm ausgekommen ist." Damit sei das für ihn erledigt.

Er habe durchaus gehadert, als ihm das hohe Amt angetragen wurde, gibt Marketz offen zu. "Ich habe mich gegen den Gedanken gewehrt. Ich hatte bei der Caritas den Eindruck, da bin ich echt angekommen in meinem Leben." Ausschlaggebend für seine Zustimmung seien jedoch zwei Gedanken gewesen: "Es geht ja nicht nur um mein Ja, sondern dass Gott mich gerufen hat und mir sein Ja gegeben hat", beschreibt Marketz. Darüberhinaus komme er aus dem sozialen Bereich. "Das wird einen bischöflichen Dienst in der Prioritätensetzung tiefgehend bestimmen. Also habe ich es mit großer Demut angenommen."

Imageschaden

Über die Probleme in der Diözese wisse er natürlich Bescheid. Er wolle nichts unter den Teppich kehren, versichert Marketz. "Ich weiß auch, dass es Bedarf an klärenden Gesprächen und Aufklärung gibt. Aber Urteile zu sprechen, steht mir nicht zu." Er werde natürlich auch mit Bischof Schwarz sprechen. "Ich möchte schon, dass er in die Diözese zu Besuch kommen kann. Aber bevor ich Fehlentwicklungen benenne, würde ich gerne noch einmal mit Betroffenen reden." Aber er denke schon, dass die Kirche in Kärnten einen Imageschaden erlitten habe, gesteht er nach Journalistenfragen zu.

Gurk-Klagenfurt wurde fast ein Jahr lang von Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger geleitet, nachdem Bischof Alois Schwarz nach St. Pölten entsandt wurde. Im Bistum ermittelte nicht nur der päpstliche Visitator (Erzbischof Franz Lackner), sondern auch die Staatsanwaltschaft Graz: Es geht um den Verdacht der Untreue. Er kenne den Prüfbericht Lackners noch nicht, werde sich aber darum kümmern, ihn zu erhalten, betonte Marketz.

 

Der neue Bischof von Gurk hat einen beachtlichen - nicht nur kirchlichen - Weg hinter sich. Er ist promovierter Theologe, lebte ein Jahr lang in Ecuador. Er wurde 1982 zum Priester geweiht, hatte aber zuvor einige Zweifel an Amt und Aufgabe: Er stieg ein halbes Jahr lang aus dem Priesterseminar aus und ging nach Indien, dort kam er auch mit Mutter Theresa zusammen. Genau diese Erfahrung mit der bitteren Armut dort brachte ihn wieder zurück zur eigentlichen Berufung, wie er einst schilderte.

Kritik an der EU in der Flüchtlingskrise

Ab 1992 leitete er die slowenische Abteilung des Seelsorgeamtes der Diözese und blieb ab 1994 als Pfarrer von Radberg/Radise selbst aktiver Seelsorger. 2009 stieg Marketz zum Direktor des Bischöflichen Seelsorgeamtes auf und gab Kirchenzeitungen heraus. 2014 kam dann der Wechsel an die Spitze der Kärntner Caritas, eine Aufgabe, die Marketz akribisch und mit Freude erfüllte. Dabei fiel er vor allem in der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 mit Kritik am Umgang mit den Menschen auf: Er forderte - auch von der EU - einen humaneren Umgang mit Flüchtlingen. In Kärnten organisierte er Unterkünfte für Betroffene nicht nur in Pfarren, sondern auch Privathäusern.

Zum Bischof geweiht wird Marketz erst am 2. Februar. Bis dahin leitet Militärbischof Werner Freistetter die Diözsese, er folgte Guggenberger im Juli als apostolischer Administrator leitet. Marketz wird bis dahin auch Caritas-Direktor in Kärnten bleiben. Sein Leitspruch als Bischof steht aber schon fest: Deus caritas est - Gott ist die Liebe nach einer Enzyklika Papst Benedikts.