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Politik Inland
10/30/2019

Fragwürdiges Burschenschafter-Liederbuch kurz vor Steiermark-Wahl aufgetaucht

Wie die Krone berichtet, soll ein Buch mit einschlägigen Passagen bei einer Schülerverbindung aufgetaucht sein. Ihr bekanntestes Mitglied ist FP-Mandatar.

von Johanna Hager, Elisabeth Hofer

Politische Beobachter erinnern die Vorkomnisse frappierend an die Vorkommnisse vor der Niederösterreich-Wahl 2018: Die Liederbuch-Affäre rund um den FPÖ-Spitzenkandidaten Udo Landbauer und das Liederbuch seiner Burschenschaft "Germania zu Wiener Neustadt" tauchte wenige Wochen vor der Landtagswahl auf. Landbauer trat kurze Zeit später wegen der Vorwürfe als Spitzenkandidat ab.

In der Steiermark wird am 24. November gewählt. Jetzt tauchte laut Kronenzeitung ein 400 Seiten starkes Buch auf, das der Verbindung "Pennales Corps Austria zu Knittelfeld" zuordenbar sein soll. Angeblich finden sich in dem Buch "Liederliche Lieder" rassistische und antisemitische Passagen und Lieder.

Bekanntes Mitglied der Verbindung ist der FPÖ-Mandatar Wolfgang Zanger. Er ist seit 2006 Nationalratsabgeordneter und Bezirksparteiobmann der FPÖ-Murtal. Von 2007 bis 2016 war er Landesparteiobmann-Stellvertreter der FPÖ Steiermark. In der Vergangenheit war er unter anderem wegen seiner Teilnahme an einem Marsch der Identitären aufgefallen.

Zanger erklärt auf Nachfrage, dass er "Altherrenobmann" der Verbindung gewesen sei, das Buch mit dem Titel "Liederliche Lieder" "nicht von einem von uns verfasst wurden, sondern von jemanden aus der Grazer Burschenschaft Cheruskia“. Distanzieren wollte er sich daher nicht von dem Liederbuch. "Distanzieren kann ich mich nur von etwas, das ich selbst geschrieben, gesagt oder getan habe.", sagte Zanger. Das Buch habe er laut Krone zwar in seinem Besitz gefunden, am Sitz der Burschenschaft soll es aber nicht mehr aufliegen.

Der steirische FPÖ-Chef Mario Kunasek hingegen distanziert sich sehr wohl von dem Liederbuch. In einer Stellungnahme erklärt er, dass das Buch nichts mit seiner Partei zu tun habe: "Die veröffentlichten Inhalte lehnen wir kategorisch ab."

"Von dem Buch höre ich zum ersten Mal“, sagt auch Udo Guggenbichler, Vorsitzender des österreichischen Pennäler Rings (ÖPR) zum KURIER.

Der "Pennales Corps Austria zu Knittelfeld“ sei ein eigenständiger Verein, der ÖPR habe kein direktes Durchgriffsrecht, erklärt Guggenbichler. Zu bewerten hätten die Causa in einem ersten Schritt die Vereinsgremien von "Pennales Corps Austria zu Knittelfeld“. "Erst danach wird sich der ÖPR damit auseinandersetzen - so, wie es in jedem demokratischen System üblich ist.“

Landeshauptmann ist empört

Empörung gab es nach dem Bekanntwerden des Berichts von Seiten der steirichen ÖVP und SPÖ. Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) teilte in einer schriftlichen Stellungnahme mit, er erwarte sich "unmissverständliche Handlungen, bevor die Steiermark in ein schlechtes Licht gerückt wird". Solcherlei Nachrichten würden nicht nur der FPÖ, sondern der ganzen Gesellschaft und dem Land schaden, erklärte er. Und: "Für diese Geisteshaltung ist in der Steiermark kein Platz."

Seitens der SPÖ nützte Spitzenkandidat und Landeschef Michael Schickhofer die Affäre dafür, freiheitliche Wähler einzuladen, den Sozialdemokraten bei der Landtagswahl die Stimme zu geben: "Ich weiß, dass viele FPÖ-Wähler angesichts des heute von der Krone enthüllten Skandals ebenfalls enttäuscht und schockiert sind." Bei dem, was im Liederbuch stehe, werde ihm "richtig schlecht".

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