Politik | Inland
31.07.2018

NÖ: FPÖ will Deutschkurse schon für Zweijährige

Integrationsunwillige Eltern sollen mit "sanftem Druck" überzeugt werden, ihre Kinder in die Förderkurse zu schicken.

Das Wiener Neustädter Modell hat bereits bei den Deutschförderklassen bundesweit Schule gemacht. Nun ist die niederösterreichische Stadt auch Vorreiter bei einem neuen Integrationsprojekt für zwei- bis sechsjährige Kinder. Wie die FPÖ am Dienstag bekannt gab, starten ab sofort in Wiener Neustadt Deutschförderkurse für Sprösslinge vor dem Schuleintritt. Wiener Neustadts FPÖ-Bürgermeister-Stellvertreter Michael Schnedlitz hat sein Modell am Dienstag zusammen mit dem verantwortlichen FPÖ-Landesrat Gottfried Waldhäusl vorgestellt.

Wiener Neustadt ist eine Stadt mit einem überdurchschnittlich hohen Migrationsanteil von über 25 Prozent. „Wir haben in der Stadt etwa 1000 Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren die der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig sind“, sagt Schnedlitz. Um deren Integration zu fördern, finden ab sofort zehnwöchige „spielerische Deutschkurse“ von 90 Minuten pro Woche statt. 40 Euro beträgt der Selbstkostenanteil pro Kind, die restlichen 55 Euro fördert das Land NÖ.

Dass man mit dem freiwilligen Kursangebot die integrationsunwilligen Familien und Kinder nicht erreicht, ist auch der FPÖ bewusst. Deshalb soll von den Kindergärten ein „sanfter Druck auf die betroffenen Eltern der Kinder ausgeübt werden“, meint Waldhäusl. „Wenn die Kindergärtnerinnen die Deutschdefizite bemerken, sollen sie Empfehlungen für die Deutschförderkurse aussprechen“, erklärt Schnedlitz.

Die Kurse werden von Pädagogen und Sprachwissenschaftern des Vereins „Startklar“ (www.verein-startklar.at) abgehalten. Bringt das Modell die erhofften positiven Ergebnisse, will es Waldhäusl auf ganz Niederösterreich ausweiten.

Deutschklassen: Erste Entwürfe für Lehrpläne

Bezüglich Deutschklassen schickte Bildungsminister Heinz Faßmann ( ÖVP) am Dienstag die Entwürfe für die ersten Lehrpläne in den einzelnen Schultypen in Begutachtung (Fristende: 24. August). Einschränkung: Wie bereits angekündigt ist deren Anwendung im Schuljahr 2018/19 noch nicht verpflichtend.

Besuchen müssen die Deutschklassen jene Kinder, die dem Unterricht aufgrund sprachlicher Probleme nicht ausreichend folgen können und deshalb als außerordentliche Schüler eingestuft wurden. Dort wird dann in 15 bis 20 Wochenstunden nach eigenem Lehrplan Deutsch unterrichtet - für Gegenstände wie Zeichnen, Musik oder Turnen werden die Kinder aber altersgemäß den normalen Regelklassen zugeteilt. Details zu den geplanten Deutschklassen lesen Sie hier.