Politik | Inland
07.09.2017

FPÖ-Chef Strache im KURIER-Talk: "25 Prozent wären eine Sensation"

Blau setzt auf einen Rundumschlag gegen Kurz und Kern: "Eine Pizza ist noch keine Lösung.".

Wem fühlt er sich thematisch näher – der Kurz-ÖVP oder der Kern-SPÖ? Wie stellt er sich ein faires Sozialsystem vor? Und was stört ihn an der Sozialversicherung?

Es waren Fragen wie diese, die FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache am Donnerstag im Wiener Raiffeisen-Forum zu beantworten hatte. Der blaue Spitzenkandidat stellte sich im Rahmen einer Podiumsdebatte den Fragen der KURIER-Leser.

Gleich zu Beginn bemühte sich Strache sichtlich, gleichermaßen zu beiden Regierungsparteien auf Distanz zu gehen: ÖVP-Boss Sebastian Kurz sei ob seiner fehlenden Erfahrung in der Privatwirtschaft das "Paradebeispiel für einen Partei-Apparatschik. "Er ist ein Theoretiker, kein Praktiker." Christian Kern wiederum habe zwar menschlich durchaus Qualitäten, letztlich als Kanzler aber zu wenig Lösungskompetenz bewiesen: "Eine Pizza ist noch keine Lösung", sagte Strache in Anspielung auf ein SPÖ-Werbevideo, in dem der Regierungschef als Pizza-Bote aufgetreten ist.

Migration und Zuwanderung, seit jeher die freiheitlichen Kampagnen-Themen, kamen einmal in fast allen Fragen, die vom Publikum gestellt wurden, irgendwie vor.

Wie er, Strache, denn die Flüchtlingsfrage lösen würde, wollte ein Zuhörer wissen. Die Antwort des blauen Parteichefs konzentrierte sich darauf, was in der Vergangenheit alles falsch gemacht wurde: "Man hätte rechtzeitig auf Experten hören müssen, die immer gesagt haben: Die Hilfe (für die Flüchtlinge) muss vor Ort passieren." Für den blauen Front-Mann ist die Flüchtlingspolitiker der Europäischen Union ein "Zuwanderungsprogramm".

Wie Blau regieren würde

Konkreter wurde der FPÖ-Chef, als es darum ging, die wichtigsten Projekte zu definieren, die er bei einer allfälligen Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen als erste angehen würde.

Strache: "Schritt eins wäre für uns ein Kassasturz." Ein Team mit "externen Experten" müsse den budgetären Zustand des Bundes analytisch aufarbeiten, um zu sehen, wo die Probleme liegen.

Als Konsequenz würde er "innerhalb der ersten 100 Tage große Reformen angehen" – etwa bei der Effizienz-Steigerung der Bürokratie bzw. der Sozialversicherungen. "Zwölf bis 16 Milliarden Euro", schätzt der blaue Parteichef, könne man durch Effizienz-Steigerungen im Budget sparen, ohne wichtige Leistungen zurücknehmen zu müssen.

Das dritte wichtige Anliegen in einer Regierung wäre für Strache "die Grenzen zu schützen" – und dazu passte auch Anliegen Nummer vier: "Wir müssen Parallelgesellschaften bekämpfen."

Video vom KURIER-Talk

Das war die Stelle, an der Strache die Gelegenheit nutzte, Kurz zu attackieren: "Er sagt, der Islam gehört zu Österreich. Ich sage das Gegenteil, er gehört nicht zu uns."

Strache bemühte sich über weite Strecken um einen gemäßigten, bisweilen sogar selbstkritischen Ton.

Auf die Frage, ob es ihn nicht nerve, wenn FPÖ-Mandatare mit "Nazi-Sagern" für Aufregung sorgen, antwortete er: "Natürlich nervt mich das!" Und auch Abgänge wie jener von Barbara Rosenkranz (die frühere FPÖ-Präsidentschaftskandidatin tritt für die Liste Schnell an) seien in einem Wahlkampf alles andere als erfreulich. "Aber Rosenkranz zerstört mit diesem Schritt vor allem ihre eigenen Verdienste."

Apropos Zerstörung: Anlässlich des 15. Jahrestags von Knittelfeld und der Implosion der FPÖ in einer schwarz-blauen Regierung, wurde Strache gefragt, wie er es verhindern wolle, dass die FPÖ in einer Regierung neuerlich untergehe?

Zumindest drei Fehler will Strache nicht wiederholen: "Als Zweitstärkster macht man nicht den Dritten zum Kanzler." Zudem müsse ein Parteichef jedenfalls der Regierung angehören und die FPÖ-Positionen müssten ausreichend stark im Regierungspakt stehen – das sei damals eben nicht passiert.

Blieb noch die Frage, wo er sich für die Wahl die Latte legt: "Wir wollen stärker werden. Wenn’s auf 25 Prozent zugeht, wär’s ja fast schon ein politisches Erdbeben."

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