Weichenstellung in der evangelisch-lutherischen Kirche Österreichs

© dpa-Zentralbild/Hendrik Schmidt / Hendrik Schmidt

Politik | Inland
05/03/2019

Evangelische Kirche wählt am Samstag ihren neuen Bischof

Drei Kandidaten für die Nachfolge von Michael Bünker. Nur einer könnte sich einer Wiederwahl stellen.

Nach der Debatte um den Karfreitag und der internen Diskussion um die Verheiratung homosexueller Paare steht in der evangelisch-lutherischen Kirche Österreichs am Samstag die nächste Turbulenz an: die Wahl des neuen Bischofs.

Nach mehr als elf Jahren scheidet Michael Bünker als Oberhaupt der evangelischen Kirche A.B. altersbedingt aus. Er wurde vergangenen Freitag 65 Jahre alt und hat damit die Altersgrenze für das Amt erreicht. Um seine Nachfolge bewerben sich der ehemalige Diakonie-Direktor Michael Chalupka, der Kärntner Superintendent Manfred Sauer und der oberösterreichische Pfarrer Andreas Hochmeir.

Zweidrittelmehrheit nötig

Wer ab August der evangelischen Kirche vorstehen wird, entscheidet sich am Samstag.  Um 9 Uhr tritt im Albert-Schweitzer-Haus in Wien-Alsergrund die evangelische Synode zusammen. Nach einer gemeinsamen Andacht werden sich die Kandidaten den mehr als 60 Mitgliedern des Kirchenparlaments präsentieren und deren Fragen beantworten.

Im Anschluss findet die Wahl in geheimer Abstimmung statt. Es wird so lange gewählt, bis ein Kandidat über eine Zweidrittelmehrheit verfügt. Mit einem Ergebnis wird im Laufe des Nachmittags gerechnet.

Nominiert wurden Bünker, Sauer und Hochmeir von den Superintendentialversammlungen. Dort sind sämtliche Pfarren der jeweiligen Diözese vertreten. 

Drei ganz unterschiedliche Typen

Für Sauer ist es der zweite Antritt: Er hat schon 2008 für das Bischofsamt kandidiert, unterlag jedoch Bünker. Der gebürtige Burgenländer, der seit 2001 der Diözese Kärnten/Osttirol vorsteht, tat sich zuletzt besonders im Streit um den freien Karfreitag hervor. Dass er dort deutlich schärfere Worte in Richtung Bundesregierung wählte als zum Beispiel Bischof Bünker, brachte ihm viel Sympathie unter den Protestanten ein.

Für konservative Kreise hat er sich allerdings in der Frage der gleichgeschlechtlichen Trauung zu liberal positioniert. Liberale Protestanten warfen ihm in der Vergangenheit wiederum vor, sich zu wenig vom damaligen Landeshauptmann Jörg Haider zu distanzieren. Vielleicht erklärt es sich aus dieser Situation heraus, dass Sauer als Bischof "versöhnte Verschiedenheit lebbar machen" und "den Dialog fördern und das Miteinander stärken" möchte.

Manfred Sauer

Sauer wurde 1960 in Bernstein (Burgenland) geboren und war ab 1987 Pfarrer in Pörtschach am Wörther See. 2001 wurde er zum Superintendenten der Diözese Kärnten/Osttirol gewählt.

Michael Chalupka

Chalupka wurde 1960 in Graz geboren, war Pfarrer in Mistelbach, steirischer Fachinspektor für Religionsunterricht, von 1994 bis 2018 Direktor der Diakonie.

Andreas Hochmeir

Hochmeir, 1974 in Wels geboren, ist seit 2004 Pfarrer im Wallern (OÖ). Seit 2012 ist er zu einer der Stellvertreter des oberösterreichischen Superintendenten.

Der bekannteste unter den drei Kandidaten ist Michael Chalupka, von 1994 bis 2018 als Direktor der Diakonie medial stark präsent. Wie Sauer ist er Jahrgang 1960 - und damit von einer eventuellen Wiederwahl nach sechs Jahren ausgeschlossen. 

Er will die evangelische Kirche selbstbewusst positionieren: "Wir sollten uns nicht kleiner machen, als wir sind." Während seine Erfahrung in der Öffentlichkeit für ihn als Bischof spricht, vermissen manche beim gebürtigen Grazer die Verankerung in einer Pfarrgemeinde.

Letzteres fehlt Andreas Hochmeir als Pfarrer von Wallern (Bezirk Grieskirchen, OÖ) nicht. Die Diözese Oberösterreich, in der er seit 2012 Senior, also Stellvertreter des Superintendenten ist, hatte sich mehrheitlich gegen die kirchliche Trauung von homosexuellen Paaren ausgesprochen. Auch Hochmeir gilt als konservativ. Doch er "stehe zu dem, was beschlossen wurde", nämlich die grundsätzliche Möglichkeit der Trauung zu schaffen, wobei letztlich die Entscheidung bei den Gemeinden liegt.

Mit 44 Jahren ist Hochmeir der einzige Kandidat, der jung genug ist, sich 2025 einer Wiederwahl zu stellen. Er verspricht denn auch einen "frischen, jungen Blick" für seine Kirche - andere sehen ihn viel eher als "bibeltreu und evangelikal".