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Politik Inland

Evangelische: "Blankes Entsetzen" über "96-Prozent"-Sager von Kurz

Nach dem Aus für den Karfreitag ist die evangelische Basis in Aufruhr. Das neue Feindbild: der Kanzler.

von Michael Bachner

02/28/2019, 02:49 PM

Kaum ist der Karfreitag von Türkis-Blau gestrichen und durch einen "persönlichen Feiertag" für alle Arbeitnehmer ersetzt worden, rollen die ersten Klagen an: Der evangelische Kärntner Anwalt Michael Sommer marschiert mit Betroffenen zum Verfassungsgerichtshof.

Das freut seine Kirchenoberen, denn sie prüfen selbst rechtliche Schritte und haben mit der Regierungsspitze noch ein Hühnchen zu rupfen. Von "Scheingefechten" statt echter Verhandlungen ist die Rede. Der ob seiner ersten, zu positiven Reaktion massiv unter Druck geratene Bischof Michael Bünker befindet die Aussage von Kanzler Sebastian Kurz "sehr alarmierend". Synodenpräsident Peter Krömer überkommt gar "blankes Entsetzen" angesichts der Kurz-Aussage, wonach sich für 96 Prozent der Österreich ohnehin nichts ändere.

Bünker sagt zum KURIER: "Das zeigt: Über vier Prozent kann man d’rüber gehen. In den letzten Jahren und Jahrzehnten waren wir auch eine Minderheit, aber ein wertgeschätzte."

Bünker ist nun mit Kirchenaustritten und Rücktrittsforderungen konfrontiert, er geht aber im Sommer ohnehin in Pension. Die Nachfolgedebatte läuft bereits, der Kärntner Superintendent Manfred Sauer, der eine Petition für einen freien Karfreitag für alle gestartet hat, soll nun sehr gute Karten haben. Er sagt: "Wir können nicht zur Tagesordnung übergehen, auf gar keinen Fall! Sonst droht eine Austrittswelle."

Seine letzten Monate im Bischofsamt (seit 2008) hat sich Bünker mit Sicherheit anders vorgestellt. Zumindest hat sich die evangelische Kirchenleitung am Donnerstag demonstrativ hinter ihn gestellt. Auf den Karfreitag als Feiertag habe der Bischof "nie verzichtet", doch auf die besseren Optionen wie den Karfreitag als Feiertag für alle oder den zusätzlichen freien Tag sei die Regierung nicht eingegangen. Letztlich habe nur die Möglichkeit bestanden, "sich für das kleinere Übel zu entscheiden", heißt es in einer Aussendung.

 

 

Auch die frühere Superintendentin und Bundespräsidentschaftskandidatin Gertraud Knoll schäumt.

Im Gespräch mit dem KURIER sagt Knoll: "Die Aussage von Kurz ist an Sarkasmus nicht zu überbieten. Das ist ein verheerendes Signal an eine Minderheit. Außerdem wird über die Sozialpartner d’rüber gefahren. Die Regierung redet mit niemandem, der Eingriff in den General-Kollektivvertrag ist bitter. Das kann nicht das Ergebnis eines Dialogs sein, das ist eine Chuzpe."

Rund 30.000 Menschen haben die evangelische Petition mittlerweile unterschrieben, sie soll bis zum Gründonnerstag (18. April) laufen. In Aussicht gestellt wurde den Evangelischen ein Termin bei ÖVP-Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka "in den nächsten Tagen", bei dem die Unterschriften überreicht werden können. Mehr als Symbolik ist das freilich nicht.

Das weiß auch die oberste weltliche Vertreterin in Niederösterreich (Pendant zur Superintendentin), Gisela Malekpour. Sie sichert aber zu: "Wir Protestanten werden protestieren, das steht fest."

Gemeint ist eine Klage gegen das neue Gesetz. Diese dürfte auf der Synode am 9. März beschlossen werden.

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