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Elf EU-Länder wollen Methan-Klimaregeln während Hitzewelle verschieben

Die Forderung wird auch von Österreich unterstützt und kommt mitten in einer europäischen Hitzewelle. Österreichs Energiestaatssekretärin beruft sich zudem auf eine Lobby-Studie der Öl- und Gasindustrie.
gas abfackeln ÖMV Schwechat

Während große Teile Europas unter einer Hitzewelle ächzen, die Klimawissenschaftler direkt mit dem menschengemachten Treibhauseffekt in Verbindung bringen, steht beim Treffen der EU-Energieminister am Freitag eine ungewöhnliche Forderung auf der Tagesordnung: 

Elf Mitgliedstaaten – darunter Österreich – wollen zentrale Teile der EU-Methanverordnung um 3 Jahre verschieben. Das geht aus einem gemeinsamen Brief hervor, den neben den ursprünglichen Unterzeichnern Slowakei und Tschechien mittlerweile auch Schweden, Italien, Bulgarien, Belgien, Rumänien, Polen, Litauen und die Niederlande unterzeichnet haben.

Die Verordnung, die im August 2024 in Kraft getreten ist, verpflichtet Unternehmen im Öl-, Gas- und Kohlesektor, ihre Methanemissionen zu messen, zu überwachen und zu senken. Routinemäßiges Abfackeln (Bild oben) und Ablassen von Gas ist seither verboten. 

Ab 2027 kommen importbezogene Pflichten hinzu - Energieimporteure müssen dann nachweisen, dass ihre Lieferanten auch außerhalb der EU vergleichbaren Überwachungsstandards unterliegen. Ab 2030 gelten verbindliche Grenzwerte für die Methanintensität von Importen.

Warum Methan? Faktor 83!

Methan (CH₄) ist nach CO₂ das klimawirksamste Treibhausgas – über einen Zeitraum von 20 Jahren ist es rund 83-mal schädlicher als Kohlendioxid und für etwa ein Drittel der globalen Erwärmung verantwortlich. Die Methanemissionen sind vergleichsweise gering, aber genau das wäre ein guter Hebel zur Reduktion von Treibhausgasen, sagt die Wissenschaft.

Ministerium: Versorgungssicherheit im Vordergrund

Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner verteidigte ihre Position. „Österreich stellt die Methanreduktion nicht infrage“, sagt sie zum KURIER. „Aber Klima- und Energiepolitik muss so gemacht werden, dass sie wirkt und gleichzeitig Europas Versorgungssicherheit nicht gefährdet.“ Die importbezogenen Verpflichtungen beträfen potenziell bis zu 43 Prozent der europäischen Gasimporte und 87 Prozent der Rohölimporte.

„Wenn Unternehmen aufgrund unklarer oder praktisch kaum erfüllbarer Nachweispflichten in Rechtsunsicherheit geraten, drohen nicht weniger Emissionen, sondern weniger verfügbare Lieferungen, höhere Preise und neue Abhängigkeiten“, so Zehetner auf Nachfrage des KURIER.

Diese Zahlen, die Zehetner zitiert, stammen allerdings aus einer Studie des Analysehauses Wood Mackenzie, die von den Industrieverbänden IOGP Europe und Concawe — Vertretungen der europäischen Öl- und Gasindustrie — in Auftrag gegeben wurde. (LINK zur Studie als .pdf auf Englisch)

Die Studie modelliert ein Worst-Case-Szenario, das davon ausgeht, dass kein einziger Lieferant bis 2027 die neuen Nachweispflichten erfüllen kann. 

Eine Überprüfung von Mitte 2025 hatte ergeben, dass tatsächlich kein Exportland die EU-Äquivalenzanforderungen derzeit erfüllt - die Frage ist allerdings, wie viele bis 2027 aufholen könnten, wenn der regulatorische Druck steigt.

Das Argument der Befürworter einer Verschiebung, wie Staatssekretärin Zehetner, ist dennoch nicht grundsätzlich von der Hand zu weisen: Die Messmethoden, die zur Überprüfung der Importvorschriften nötig wären, sind noch nicht fertig entwickelt. Ohne diese Standards sei das Erfüllen praktisch nicht nachweisbar — ein Punkt, den auch die EU-Kommission nicht bestreitet.

Kommission lehnt Neuverhandlung bisher ab

Die Europäische Kommission hat sich dennoch gegen eine formelle Änderung der Verordnung ausgesprochen. „Wir planen nicht, die Methanverordnung wieder zu öffnen oder zu ändern. Das würde in dieser Phase mehr Unsicherheit schaffen“, erklärte Kommissionssprecherin Anna-Kaisa Itkonen laut Medienberichten noch im April.

Die Behörde will stattdessen nicht verbindliche Empfehlungen herausgeben, die Unternehmen und Mitgliedstaaten bei der Umsetzung helfen sollen. Beim Energieministertreffen im Dezember 2025 hatten die Energieminister diesen Kurs noch mitgetragen.

Ob die nun gewachsene Koalition aus elf Ländern den Druck auf die EU-Kommission erhöht, dürfte sich beim Treffen am Freitag zeigen. Formal können Mitgliedstaaten die Kommission nicht zur Gesetzesänderung zwingen - politisch ist ein gemeinsamer Brief von mehr als einem Drittel der EU-Staaten aber ein sehr starkes Signal, das die Kommission in Brüssel kaum ignorieren kann.

Katar und die USA, zwei der wichtigsten Gaslieferanten Europas, haben Berichten zufolge bereits mit einer Reduktion ihrer Lieferungen gedroht, sollte die Verordnung in ihrer aktuellen Form in Kraft bleiben. 

Umweltorganisationen warnen dagegen vor einem Dammbruch: Jedes Jahr, in dem die Importregeln nicht greifen, entspricht einem Verzicht auf die Vermeidung von rund 400 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten - mehr als das 7-Fache der aktuell jährlichen Treibhausgasemissionen Österreichs.

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