Politik | Inland
01.03.2013

Ein roter Kaiser für Kärnten?

Der intellektuelle SP-Spitzenkandidat Peter Kaiser hat beste Chance auf den Sessel des Landeschefs.

Wenn die Meinungsforscher nicht ganz danebenliegen, werden die Kärntner am Sonntag für einen politischen Wechsel stimmen. Der Sozialdemokrat Peter Kaiser dürfte den Blauen Gerhard Dörfler als Landeshauptmann ablösen. Kaiser ist außerhalb der Kärntner Landesgrenzen weitgehend unbekannt. „Peter Kaiser hat Intellekt, ist zivilisiert und zurückhaltend“, beschreibt ÖVP-Landesrat Wolfgang Waldner den SPÖ-Chef. „Peter Kaiser ist ein anständiger und netter Mensch, kultiviert, intellektuell, aber nicht unbedingt ein Volkstribun“, sagt der Grüne Rolf Holub.

Dass Kaiser sogar in der heißen Schlussphase des Wahlkampfes derart wohlwollend nachgeredet wird, spricht für Waldner und Holub, aber auch für den SPÖ-Chef selbst. Obwohl es für die SPÖ-Kärnten um viel geht – um die Chance, erstmals seit 1989 wieder den Landeshauptmann zu stellen – führt Kaiser einen aggressionsfreien Wahlkampf. Keine Verunglimpfungen der Konkurrenz, keine persönlichen Untergriffe, Konzentration auf die eigenen, sozialdemokratischen Botschaften. In Kaisers Worten klingt das so: „Es geht mir nicht darum, dass ich Landeshauptmann werde. Es geht auch nicht um die SPÖ. Es geht darum, den Ruf des Landes wiederherzustellen. Kärnten hat sich Besseres verdient.“ Oder: „Ich respektiere jede andere politische Meinung. Aber wer den Wechsel will, sollte SPÖ wählen.“

So samtpfötig kommt selten ein Politiker im Wahlkampf daher. Auch optisch macht die SPÖ auf Understatement. Sie inseriert zwar und verteilt Folder, hält sich aber strikt an das selbst auferlegte Plakatierverbot und warf auch dann nicht die Nerven weg, als Dörfler und die FPK das Abkommen brachen und das ganze Land mit Plakaten zupflasterten. Stattdessen setzt Kaiser die Personal-Stärke seiner Partei ein: Von den 240.000 Kärntner Haushalten haben die SPÖ-Funktionäre bis Mittwochabend 142.000 besucht, Kaiser selbst hat mehr als 500 Klinken geputzt.

Sympathisch kommt auch die Schneemann-Aktion rüber, eine spontane Idee eines Funktionärs, die sich über Facebook verbreitete. Jetzt stehen in Kärnten Hunderte SPÖ-Schneemänner (Foto). „Im Gegensatz zu Plakaten sind die Schneemänner gratis, und ein Spaß war’s beim Bauen obendrein“, erzählt ein Bezirkssekretär.

Ohne Allüren

So nett das klingen mag – inwieweit hat Kaiser die SPÖ wirklich geändert? Wird, einmal an der Macht, die Parteibuchwirtschaft wieder auferstehen? Werden machtversessene Funktionäre wieder die Oberhand gewinnen? „Peter Kaiser hat persönlich keinerlei Macht-Allüren wie einst ein Leopold Wagner“, sind sich Waldner und Holub einig. Beide bezweifeln jedoch Kaisers Durchsetzungsfähigkeit in der SPÖ. Waldner: „Die schätze ich leider zu gering ein.“ Holub: „Man kann auch zu höflich und zu kultiviert sein, um sich durchzusetzen. Die SPÖ ist noch sehr in ihrem Proporz- und Klienteldenken verhaftet.“

Kaiser wird heuer 54 und ist seit 40 Jahren SPÖ-Funktionär. Seine politische Einstellung ist das geradezu logische Resultat seiner Familiengeschichte. Seine Großmutter, 1892 als eines von 16 Kindern geboren, wurde im Alter von acht Jahren an einen Bauernhof verschenkt, um dort ihr Auskommen zu verdienen. Diese Großmutter zog Peter Kaiser bis zum 8. Lebensjahr auf und prägte ihn. Seine Eltern arbeiteten, die Mutter in der Fabrik, der Vater als Polizist. Als Kaiser zehn war, starb der Vater an Krebs. Die Mutter gab den Job auf, kümmerte sich um die Kinder unter tags, putzte abends für den Familienunterhalt. Spürbare Erleichterung für die Familie gab’s erst, als Bruno Kreisky Gratis-Schulbücher, Schülerfreifahrt und Zuschüsse zum Schulschikurs einführte.

Er werde als Landeshauptmann „Anstand, Ehrlichkeit, harte Arbeit und sozialdemokratische Grundsätze“ in die Politik einbringen, verspricht Kaiser den Kärntnern in seinem Wahlkampf-Schlussmarathon, einer Tour durch 42 Gemeinden innerhalb von vier Tagen.

Am 4. März rüstet sein Sohn Luca (18) beim Bundesheer ab – und Peter Kaiser möglicherweise als Landeshauptmann auf.

Online-Special zur Kärnten-Wahl

Stronach verspricht Kärntnern "neuen Frühling"

Frank Stronach liebt das gediegene Ambiente. Deshalb nennt er auch das Schloss Reifnitz am Wörthersee sein Eigen. Und gediegen war auch das Ambiente für den Wahlkampf-Abschluss seines Teams Donnerstag Abend in Kärnten: das Werzer’s Ressort in Pörtschach.

Es sollte ein Wahlparty nach amerikanischem Vorbild sein. Mit 800 geladenen Gästen, auf die zwei Musikgruppen, ein Entertainer und ein tolles Buffet warteten. Bezahlt von „Onkel Frank“.

Das passte zu den Wahlplakaten. Im ganzen Land hat das „Team Stronach“ (TS) den Obama-Slogan „Yes, we can“ affichiert.

In Kärnten war Stronach im Laufe des Wahlkampfes trotzdem selten zu sehen – vermutlich auch, weil er Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Niederösterreich ist. So musste der Kärntner TS-Mann Gerhard Köfer akzeptieren, dass Stronach im Wahkampf-Finale nur am Donnerstag Zeit hatte. Auch wenn Köfers Sprecher Thomas Fian abwiegelt: „Das war immer so vorgesehen.“ Außerdem werde Köfer an den letzten beiden Tagen noch unterwegs sein.

Am Mittwoch hatte dieser einen „Ruhetag“ eingelegt – im Wahlkampf, nicht in der Politik. Denn er kam seiner Zweitbeschäftigung als Abgeordneter im Nationalrat, nach (ohne allerdings ans Rednerpult zu treten). Nicht auszuschließen, dass es bereits das Letzte Mal gewesen ist. Sollte der Ex-SPÖ-Mann in den Landtag oder gar in die Landesregierung einziehen, ist seine Tätigkeit im Parlament zu Ende (sein Sitz fällt wieder der SPÖ zu, der Kärntnerin Birgit Fischer).

Doch das sind für Köfer „ungelegte Eier“. „Warten wir einmal den Sonntag ab“, sagt er. Natürlich mit dem Hintergedanken, zumindest jene zehn Prozent an Stimmen zu erreichen, die in Umfragen prognostiziert werden.

Bevor es nach Pörtschach ging, machte Stronach in Klagenfurt Station. Die nicht einmal 50 Getreuen mussten 50 Minuten auf sein Erscheinen warten. Dann bekamen sie Plattitüden wie „Ich bin ein halber Kärntner“, „ich bin kein Politiker“, „am 3. März beginnt in Kärnten ein neuer Frühling“ – und „ich freue mich, dabei zu sein“, zu hören. Danach ein wenig Small Talk, ein paar Autogramme – und der Zauber war vorbei.