Anschober: Strategie für Leben mit Corona in Arbeit

Anschober: Strategie für Leben mit Corona in Arbeit
Das Virus werde sich auch nach der Impfung nicht verabschieden, sagt Anschober. Es müsse eine Form des Umgangs damit gefunden werden.

Rund ein Jahr ist es her, dass die ersten Corona-Fälle in Österreich gemeldet wurden. Die Bundesregierung lud deshalb Freitagvormittag zu einer Pressekonferenz mit dem Arbeitstitel: "Ein Jahr Pandemie in Österreich". Es sprachen Gesundheitsminister Anschober, Danielle Spera (Jüdisches Museum), Mediziner Günter Weiss, Virologin Puchhammer-Stöckl, Simulationsforscher Niki Popper und Psychiater Michael Musalek.

Ein Jahr Corona: Wie wir mit dem Virus weiterleben

Es begann im Februar

Am 25. Februar gab es die ersten beiden positiven Testungen eines Paares in - wie sollte es sonst sein - Innsbruck, Tirol. Am 12. März folgte der erste Covid-Todesfall, kurz darauf der erste Lockdown, im Herbst die zweite Welle mit "vergleichsweise vielen Todesfällen". "Wahrscheinlich hat es in den letzten Jahrzehnten kein Ereignis gegeben, dass unser Leben so stark verändert hat", bilanzierte Anschober.

In der aktuellen Situation müsse man schon damit rechnen, dass es demnächst zumindest wieder steigende Zahlen geben wird. Erfreulich sei aber, dass die Zahl der Corona-Toten von 100 wieder auf rund 30 pro Tag gesunken sei. Auch in den Alten- und Pflegeheimen sinken die Todeszahlen. Anschober: "Hier sehen wir, dass das Impfen wirkt."

Anschober zieht Bilanz nach einem Jahr Corona

Im internationalen Vergleich habe sich die Situation stabilisiert. Eine "sehr schöne Entwicklung, auf die wir länger schauen sollten", sei die Zahl der Testungen. "Wir sind mittlerweile eines der Top-Länder in Europa, was die Zahl der Testungen betrifft." Führte man im März 2020 täglich noch 2.000 bis 3.000 Testungen durch, liege man nun bei 200.000 bis 250.000.

"Spielentscheidende" Wochen

Sorgen bereitet die Ausbreitung der Mutationen. Sobald der Anteil der Mutationen an den gesamten Infektionen 15 Prozent betrage, könnte die Situation kippen, warnte Anschober. "Gerade in diesen nächsten Wochen bis Ostern" sollten nun alle "konsequent" sein, so der Minister.

"Spielentscheidend für die kommenden Wochen" sei das Contact-Tracing, sagte Anschober. Aber: Knapp nach Ostern werde man zudem über eine Million Menschen und den Großteil der Risikogruppen geimpft haben. Auch das soll eine deutliche Erleichterung bringen.

Klar sei auch: "Das Virus wird sich nach der Impfung nicht verabschieden. Wir werden eine ganz andere Form des Umgangs damit finden müssen." Man müsse eine Strategie für das Leben nach der Impfung, aber mit dem Virus finden, so der Minister. Diese sei in Arbeit.

Öffnungsschritte? Anschober will warten

Immer lauter werden die Rufe nach zusätzlichen Öffnungsschritten. Man sei mit Kulturschaffenden und der Wirtschaft im Gespräch. Das nächste Treffen mit Experten und Landeshauptleuten findet am 1. März statt. Das sei "der Tag, an dem entschieden wird", so Anschober. Dem 1. März vorgreifen wolle er nicht. Erst die nächsten Tage würden zeigen, wie die Entwicklung der Infektionszahlen zu interpretieren sei.

Weiss: "Haben noch immer kein Medikament"

Weiss meinte, dass man gelernt habe, dass rasches Handeln bei Corona wichtig sei. Es sei schwierig, herauszufinden, welcher Mensch von einem schweren Verlauf betroffen ist und welcher nicht.

"Wir haben leider noch immer kein wirklich wirksames Medikament in der Hand", bedauerte Weiss. Man nehme "jeden Strohhalm", der geboten werde, an. Noch habe sich aber nichts als effektiv erwiesen.

Statement von Günter Weiss

Popper: "Es wird eine neue Normalität geben"

Popper bedauerte bezüglich der Infektionszahlen: "Fakt ist, wir erleben einen Anstieg. Das ist nicht von der Hand zu weisen." Schlecht: Die Reproduktionszahl liegt über eins. Positiv: 1,3 bis 1,5 Millionen Österreicher können die Krankheit momentan nicht bekommen - aufgrund einer durchgemachten Infektion oder der Impfung.

Auf Dauer werde das Virus aufgrund der Mutationen bleiben, gab Popper Anschober recht: "Es wird eine neue Normalität geben." Öffnungen würden "nur schrittweise" gehen. Relevant sei die 7-Tage-Entwicklung. Ja, die Erhöhung der Zahl könne mit den zunehmenden Testungen zusammenhängen. Danach müsse man aber "stabil bis fallend" bleiben, durch konsequentes Testen und Isolieren: "Sonst werden die nächsten Öffnungsschritte schwierig."

"Psychosoziale Pandemie"

Musalek sprach von einer "psychosozialen Pandemie". Die Menschen seien gereizter, psychische Krankheiten und häusliche Gewalt nehmen zu: "Die Pandemie ist ein richtiger Brandbeschleuniger."

Statement von Michael Musalek

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