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Politik Inland
10/08/2019

Kein FPÖ-Mandat für Philippa: Strache kontert auf Facebook

Kein Mandat für Philippa Strache. Ihr Mann schäumt vor Wut. Vertraute sagen, er will vor der Justiz auspacken. Offiziell gibt es keinen Kommentar, aber ein Posting Montagabend.

von Ida Metzger, Birgit Seiser

Hinter den Kulissen soll Heinz-Christian Strache seit Tagen vor Wut kochen. Hat er bei seiner Pressekonferenz vergangenen Dienstag noch den Zusammenhalt der blauen Familie beschworen, fühlt er sich von eben dieser nun im Stich gelassen.

Denn von dem Deal, der im Juni zwischen ihm und seinem Nachfolger Norbert Hofer paktiert wurde, will die Parteispitze jetzt nichts mehr wissen. Und der lautete so: Der gefallene Ex-Vizekanzler verzichtet auf sein EU-Mandat, das er durch 45.000 Vorzugsstimmen nach dem Ibiza-Skandal überraschend erhalten hatte, dafür kandidiert seine Ehefrau Philippa Strache auf einem aussichtsreichen Listenplatz bei der Nationalratswahl.

Auch wollte die blaue Parteispitze nicht, dass das Ehepaar Strache zwei Mandate besetzt – Heinz-Christian im EU-Parlament und Philippa im Nationalrat. Wegen dieser schiefen Optik verzichtete Strache auf sein EU-Mandat.

Am Montagabend war klar: der Pakt – und damit auch das Kapitel Strache in der FPÖ – ist endgültig Geschichte.

Denn Mandatar Harald Stefan nahm sein Mandat auf der Landesliste an und nicht sein im Wahlkreis Wien-Süd errungenes Direktmandat. Durch diesen Schachzug der FPÖ Wien gibt es für Philippa Strache keine Chance mehr, in den Nationalrat einzuziehen. Ihre Politik-Karriere ist damit beendet, bevor sie begonnen hat. Da half es für Strache auch nicht viel, dass FPÖ-Landesparteichef Dominik Nepp versicherte, dass es "keine leichte Entscheidung war". Der Bruch war vollzogen.

Kein Kommentar, aber Posting von Strache

Vorerst keinen Kommentar gab es vom Ehepaar Strache zu der Causa. Der Ex-FPÖ-Chef liebäugelt aber womöglich mit der Gründung einer eigenen Partei. Er teilte auf Facebook einen Artikel der Zeitung epochtimes.de über gute Chancen einer Strache-Partei. Unter dem Titel "Totgesagte leben länger: Strache-Partei könnte es auf Anhieb in den Nationalrat schaffen" berichtet epochtimes.de über eine im Lauf des Tages von der Gratiszeitung Heute online veröffentlichte Umfrage. Darin sieht "Unique Research" ein Potenzial von 16 Prozent bzw. fünf Prozent sicherer Wähler für eine solche FPÖ-Abspaltung.

Epoch Times ist eine mehrsprachige internationale Print- und Online-Zeitung mit Hauptsitz in New York. Gegründet von Sinoamerikanern warf sie in den frühen 2000ern der chinesischen Führung systematischen Organraub vor - was allerdings nicht nachgewiesen werden konnte. Im Zuge der Flüchtlingswelle 2015 etablierte sich Epoch Times zunehmend als sogenanntes "Alternativmedium", das gut und gerne von rechten Kanälen geteilt wird und unter anderem Pegida-Demonstrationen im Live-Stream übertrug.

Bruch mit der FPÖ

Vor dem Bruch hatte vor allem das Gehalt des Ex-Models von 9.500 Euro brutto als ehrenamtliche Tierschutzbeauftragte innerhalb der FPÖ für Unmut gesorgt. Damit bezog Philippa Strache mehr Gehalt als ein Nationalratsabgeordneter, der rund 8.700 Euro brutto monatlich kassiert. "Wäre sie in den Nationalrat eingezogen, hätte sie keine Freunde im Klub gehabt. Philippa Strache wäre isoliert gewesen", sagt ein Vertrauter von Norbert Hofer.

Die vier Wiener Mandate werden nun Dagmar Belakowitsch, Harald Stefan, Ricarda Berger und Martin Graf einnehmen. Erstere ziehen über die Landesliste ein. Berger kommt zum Zug, weil Stefan das Grundmandat im Wahlkreis Wien-Süd nicht annimmt. Graf wiederum hat ein solches im Wahlkreis Wien-Nord errungen.

Ein pikantes Detail am Rande: Das Ehepaar Ricarda und Stefan Berger hat nun zwei Mandate. Sie sitzt im Nationalrat, er im Wiener Landtag. Das ist genau jene Konstellation, die die Parteispitze bei den Straches partout verhindern wollte.

Beim Landesvorstand eingeladen, war Philippa Strache am Montag übrigens nicht. So wie man seit mehreren Wochen keinen Kontakt mehr zu Strache pflegt. "Niemand aus der Partei hat mit Philippa oder Heinz-Christian über die Situation gesprochen. Es gibt keinen Kontakt", sagt der Strache-Vertraute dem KURIER, und weiter: "Viele Freiheitliche sind enttäuscht. Hätte die Partei das vor der Wahl gemacht, dann hätten sie noch einmal fünf Prozent verloren. Dieses Vorgehen wird der FPÖ noch auf den Kopf fallen", sagt der Strache-Intimus.

Strache selbst ist enttäuscht, denn damit ist auch die letzte Chance, ein fixes Einkommen für die Familie zu sichern, dahin. Er fühlt sich verraten. Vertraute des Ex-Parteichefs warnen allerdings die Parteispitze, Strache nun eiskalt fallen zu lassen. Er sinnt auf Rache, hat er doch nichts mehr zu verlieren.

Aussage vor der Justiz

Denn der blaue Ex-Held kennt zu viele brisante Details vor allem aus den FPÖ-Parteifinanzen. "Er weiß viel über gewisse Skandale, in die seine engsten Wegbegleiter verwickelt sind. Ganz konkret geht es da um eine Werbeagentur und mögliche Kick-back-Zahlungen in Kärnten", so ein Strache-Vertrauter gegenüber dem KURIER.

Hinter dieser kryptischen Andeutung stehen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, wo auch Herbert Kickl 2015 ins Visier der Justiz geriet. Die Kärntner Agentur "Ideenschmiede", deren Miteigentümer Kickl war, soll sogenannte Kick-back-Zahlungen zur verdeckten Parteienfinanzierung vereinbart haben.

Kickl wurde seitens der Staatsanwaltschaft als Zeuge befragt, nicht als Beschuldigter. Eine Auslieferung Kickls wurde damals vom Justizministerium allerdings abgelehnt.

Das könnte sich nun ändern: Wenn Strache in dieser Causa vor der Staatsanwaltschaft auspackt, könnte Kickl in die Bredouille kommen. Was einst eine enge Freundschaft war, könnte in einer veritablen Feindschaft enden.