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Politik Inland
09/29/2019

Die Wahlparty im Kursalon: Ein Triumph in Türkis

Mehr als 37 Prozent - das musste ausgebiebig gefeiert werden. Aber in die Partylaune schlichen sich Zweifel: Mit wem regieren?

von Christian Böhmer

Sie schrien, nein sie brüllten es hinaus, im Kursalon zu Wien, wo die ÖVP am Sonntag ihren Wahlsieg feierte: "Kanzler Kurz! Kanzler Kurz! Kanzler Kurz!", lautete das Mantra, das bis in die Nacht an alle, an Fans wie Funktionäre, ausgegeben wurde.

Wenn eines sicher ist, dann das: Sebastian Kurz soll wieder Kanzler sein.

"Es waren schwere vier Monate, aber heute hat uns die Bevölkerung zurückgewählt", sagte Kurz vor den Seinen. Und man darf annehmen, dass seine Erleichterung und angedeutete Sprachlosigkeit mehr waren als bloße Koketterie. Sie waren echt.

Denn dass es der Volkspartei tatsächlich gelungen ist, den seit Wochen gemessenen Vorsprung in den Umfragen in ein reales Wahlergebnis zu übersetzen, ist jedenfalls bemerkenswert.

Immerhin lief der Wahlkampf der Volkspartei diesmal längst nicht so rund wie 2017.

Ein Triumph, doch wie geht's nun weiter?

Sie kämpfte mit Diskussionen über Parteispenden – mal über deren auffällige Stückelung, mal über deren Herkunft. Es gab die eher peinliche Schredder-Affäre, die Aufregung um gefälschte eMails, einen leidigen Hacker-Angriff und die damit zusammenhängende Berichterstattung, kurzum: Es lief nicht wie gewünscht, man war mehr mit Krisenkommunikation und weniger damit beschäftigt, selbst die Themen vorzugeben.

Und dann das: 37,4 Prozent. Ein Triumph also, der – rein rechnerisch – sehr viele Optionen öffnet.

Doch während enthusiasmierte Parteigänger Sonntagnacht noch feierten, dass "alle diejenigen bestraft worden sind, die Sebastian Kurz abgewählt haben" (Gernot Blümel), widmete sich der engere Kreis um den ÖVP-Chef der innenpolitischen Zukunft und damit der Frage: Wie geht’s nun weiter? Mit wem verhandeln? Mit wem koalieren?

Am Dienstag treten die viel zitierten Gremien zusammen.

"Es gibt keinen Grund zur Schadenfreude, und es gibt keinen Grund in irgendeinen Jubel auszubrechen", sagte der steirische ÖVP-Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer noch am Wahlabend.

Auf den ersten Blick klingt das seltsam – warum so zurückhaltend?

Doch vielleicht liegt es daran, dass die Zahl der möglichen Koalitionspartner und -varianten formal zwar üppig aussieht. Im ÖVP-Festzelt wurden aber Zweifel laut, ob die Sache realpolitisch nicht doch viel enger sei, als es auf den ersten Blick scheint. So wurden denn auch diverse Koalitionsvarianten durchgespielt:

Die SPÖ? Nein, mit ihr können und wollen viele Funktionäre noch immer nicht. Zu frisch seien die Wunden, die im Finale der Großen Koalition geschlagen wurden.

Die FPÖ? Sie habe sich selbst aus dem Spiel genommen. „Abgesehen von all den Einzelfällen und Ausfällen nach Rechtsrechts beginnt die Spesen-Affäre um Strache erst so richtig“, sagt ein Kurz-Vertrauter. Die Konsequenz: "Die FPÖ wird sich selbst zerfleischen. Keine gute Basis für eine Koalition."

Bleiben Grüne und Neos. Kann, ja würde das gut gehen? Im türkisen Lager gibt es keine endgültige Meinung. Aber vielleicht muss es die noch nicht geben. Denn das Wichtigste hat aus türkiser Sicht der Wahltag gebracht, nämlich: der nächste Kanzler soll Sebastian Kurz heißen.

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