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Politik Inland
11/19/2021

Fernbleiben erlaubt: Der Schulplan im Detail

Die Politik appelliert aber, die Kinder daheim zu lassen, vor allem in jenen Regionen mit hoher Inzidenz.

von Bernhard Gaul, Ute Brühl

Die Schulen und Kindergärten bleiben auch während des Lockdowns geöffnet - gleichzeitig appellieren aber Regierung wie Länder, die Kinder wenn möglich daheim zu betreuen.

In den Schulen gilt durchgehend Maskenpflicht: Kinder in Volksschulen, AHS-Unterstufen, Mittelschulen und Sonderschulen müssen zumindest einen Mund-Nasen-Schutz tragen, alle anderen Schüler sowie Lehrer eine FFP2-Maske.

Laut Bildungsministerium gilt jene Regel, die gestern für Oberösterreich und Salzburg getroffen wurde, ab Montag für ganz Österreich. Der Stundenplan bleibt also aufrecht. Kinder, die nicht in die Schule gehen wollen, dürfen aber daheimbleiben. Dafür reicht eine Entschuldigung der Eltern, ärztliches Attest ist keines nötig.

Die Erlaubnis zum Fernbleiben gilt dabei laut Erlass tageweise- stundenweises Ein- und Auschecken ist nicht möglich.

Flächendeckendes Distance Learning gibt es nicht, da der Unterricht grundsätzlich in Präsenz stattfindet - Kinder, die nicht in die Schule kommen, sollen sich aber über die durchgenommenen Stoffgebiete bei den zuständigen Lehrerinnen und Lehrern informieren können. Sie können auch Lernpakete für daheim erhalten. Falls sie die technischen Möglichkeiten haben und die Lehrer dies anbieten, können sie sich auch von daheim in den Unterricht „dazuschalten“. Eine Verpflichtung dazu besteht nicht.

Wer in die Schule kommt, muss sich wie bisher dreimal die Woche testen lassen (ausgenommen sind nur Genesene). Gibt es einen Infektionsfall, müssen alle anderen Schüler fünf Tage lang täglich zumindest einen Antigentest durchführen. Die Maske muss auch im Unterricht getragen werden, beim Lüften sind Maskenpausen einzuplanen.

Schularbeiten bzw. Tests sollen in der Lockdown-Phase grundsätzlich vermieden werden.

Kritik kommt vom obersten Lehrervertreter Paul Kimberger (FCG). „Die politische Kommunikation ist eine Katastrophe - man hört von allen Seiten etwas anderes“, meinte der Vorsitzende der ARGE Lehrer in der GÖD. „Ich habe meine Zweifel, ob diese Maßnahmen wirklich dazu führen, die extrem hohen Inzidenzen an den Schulen zu senken.“

Man werde ab Montag sehen, ob die Appelle vom Bundeskanzler abwärts, die Kinder nach Möglichkeit nicht in die Schule zu schicken, auch helfen, so Kimberger. „Aus meiner Sicht sind die Maßnahmen ungenügend, um Lehrerinnen und Lehrer, aber auch Kinder und Familien, die man ja auch mitdenken muss, zu schützen. In Wirklichkeit müssten jetzt die Präsenzphasen deutlich reduziert werden. Was uns von Virologen empfohlen wird - Kontaktreduzierung, Abstand -, das müsste auch in der Schule umgesetzt werden.“

Die AHS-Direktoren fordern in einer Aussendung die Möglichkeit zur Entscheidung über die Form des Unterrichts - also ob präsent oder digital gelehrt wird. Dies soll am Standort im Einvernehmen mit dem Kollegium festgelegt werden und zwar auf Basis der regionalen Infektionslage und speziellen Standort-Gegebenheiten. Auch das Heimschicken von Klassen im behördlichen Auftrag am Standort soll an der Schule entschieden werden dürfen - mit nachträglicher „Absegnung“ durch die Gesundheitsbehörden.

Was gilt ab Montag für die Schulen?

Der Schulbetrieb, Unterricht und, falls am Standort gegeben, die Betreuung, werden weitergeführt. Der Präsenzunterricht in den einzelnen Klassen nach Stundenplan bleibt grundsätzlich aufrecht. Schüler/innen, die nicht am Präsenzunterricht teilnehmen möchten, haben aber die Erlaubnis zum Fernbleiben vom Unterricht. Ein ärztliches Attest ist nicht erforderlich. Eine Meldung an die Schulen (entweder Schul- oder Klassenleitung) ist ausreichend.

Also kann ich mein Kind auch weiter in die Schule schicken?

Ja. Das Ministerium betont, dass Schulen ein kontrollierter Ort sind. Das bestehende engmaschige Testsystem mit zumindest drei Tests in der Woche, einer davon ein PCR-Tests bleibt aufrecht. Es seien außerdem ausreichend Testkits vorhanden, um die Kinder nun täglich zu testen. Ab 29. November soll es zudem bundesweit zwei PCR-Tests geben.  Schüler/innen und Pädagog/innen, die am Präsenzunterricht teilnehmen, sind dazu verpflichtet, die Tests zu absolvieren.

Wenn ich mein Kind in die Schule schicke, muss ich das auch begründen?

Nein.

Was ist mit Schularbeiten und Tests?

Schriftliche Leistungsfeststellungen wie z.B. Schularbeiten oder Tests sollen nach Möglichkeit im Zeitraum des Lockdowns nicht stattfinden. Es wird allerdings empfohlen, Abschlussklassen in Präsenzunterricht zu halten.

Werden die Horte / Ganztagsbetreuung stattfinden?

Ja, grundsätzlich soll der Schulbetrieb als auch die Nachmittagsbetreuung weiter stattfinden. 

Was heißt das, der Stundenplan bleibt aufrecht?

Für die Zeit des Lockdowns wird grundsätzlich empfohlen, die Vermittlung von Unterrichtsinhalten den Gegebenheiten anzupassen. Jene Schüler/innen, die nicht am Präsenzunterricht teilnehmen, sind mit Lern- und Übungsaufgaben auszustatten. Die Schüler/innen sind für die Erarbeitung der Lern- und Übungsaufgaben grundsätzlich selber verantwortlich. Falls machbar, sollen an den einzelnen Standorten Möglichkeiten geschaffen werden, dass jene Schüler/innen, die nicht am Präsenzunterricht teilnehmen, Fragen zu den Lern- und Übungspaketen an die jeweils zuständigen Pädagog/innen richten können.  

Wie findet der Unterricht statt, wenn die Hälfte der Kinder daheim und die andere Hälfte vor Ort ist?

Die Kinder daheim bekommen die Unterrichtsinhalte über die bestehenden Lernplattformen oder können sich die Unterlagen wie im Krankheitsfall abholen. Und wenn es die Schule anbietet, können sie auch am virtuellen Unterricht teilnehmen, was nicht überall gleich gut funktioniert hat. Die Schulen sind nicht zum distance learning verpflichtet, da die Erfahrung war, dass die Pädagogen nicht gleichzeitig die Klasse vor Ort und die Kinder daheim unterrichten können. 

Wird es einen Schichtbetrieb geben?

Nein, auch da war die Erfahrung, dass das nicht gut funktioniert hat.

Wird an den Schulen weiter und wie getestet?

Ja, wie bisher findet zumindest drei Mal die Woche eine Testung statt, einmal PCR und zwei Mal Antigen. Jetzt soll es sogar möglich werden, dass die Kinder täglich getestet werden, davon zwei Mal PCR ab dem 29.11. Auch am Land. Die Testressourcen sollen ausgeschöpft werden. Die sehr hohe Testfrequenz ist ein gutes Argument, warum die Schulen offen bleiben.

Warum haben die Schulen nicht gleich ganz zu?

Weil ein Shutdown der Schulen eine sehr große Belastung für viele Eltern und Erziehungsberechtigte wäre.

Wie sind die Inzidenzen bei den Kindern?

Bei den 12- bis 17-Jährigen Schülern ohne impfung lag die Inzidenz zuletzt bei extrem hohen 1.150, bei den gleichaltrigen Geimpften lag sie hingegen nur bei 175.

Welche Folgen hat der Lockdown für die Kinder? Welche Erfahrungen gibt es da aus den vorherigen Ergebnissen?

Laut Mario Steiner vom IHS haben Schulschließungen für Kinder auf drei Ebenen Konsequenzen: Zum einen auf der Kompetenzebene, heißt: der Lernfortschritt ist nicht vergleichbar mit den Schülern “normaler” Jahrgänge. Zudem wird es viel mehr Schulabbrecher geben. Und auch die soziale Ungleichheit wird steigen, weil manche Kinder von zu Hause gar keine Unterstützung erfahren, andere hingegen sehr viel. 

“Es ist deshalb entscheidend, dass Schulen nicht vollständig geschlossen werden. Unter allen schlechten Varianten ist jetzige Schulschießungsvariante noch eine relativ gute, weil Kinder, die Unterstützung brauchen,  in die Schulen gehen können. Das haben wir schon beim Vergleich vom ersten zum zweiten Lockdown gesehen, wo man die Schulen für bestimmte Gruppen geöffnet hat. Das hat vieles abgemildert.”

Was bedeutet das für die Psyche der Kinder?

Laut der Psychologin Barbara Schober (Uni Wien) ist für Kinder und Jugendliche die Ungewissheit derzeit das Schlimmste. "Es wäre es so wichtig, dass Schülerinnen und Schüler eine verlässliche Perspektive haben, wie lange die Maßnahmen andauern."  Jetzt ist es weder Fisch noch Fleisch. Wüsste man zum Beispiel verlässlich, in zehn, 14 Tagen ist so etwas wie Normalbetrieb möglich, verbunden mit bestimmten Maßnahmen, die Sicherheit geben und nicht ständig wechseln, dann wäre es viel einfacher, diese Ausnahmesituation zu bewältigen. Die Schulen könnten sicher offen gehalten werden, wenn man das Sicherheitskonzept, das Forscher und Forscherinnen bereits im März 2021 vorgelegt haben, konsequent umsetzen würde. Dazu gehört: drei Mal die Woche PCR testen und Masken tragen. Das kostet Geld. “Wir müssen uns jedoch fragen, wie viel uns die Gesundheit und Bildung unserer Kinder wert sind.” Den Lockdown an sich stellt Schober nicht in Frage: "Es geht nicht nur um die psychische Gesundheit der Kinder, sondern auch um die physische – die Inzidenzen der 5-14 Jährigen sind sehr hoch, sie sind noch immer großteils ungeimpft und auch junge Kinder können schon schwer an Corona erkranken bzw. an Long Covid leiden."

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