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Reformdruck
10/25/2013

Die Österreicher sind immer länger in Pension

Wegen stetig höherer Lebenserwartung warnen Experten: Ohne Rentenreform steigt das Antrittsalter bis 2060 nur um 2,5 Jahre.

von Paul Trummer

Für heftige Reaktionen hat am Freitag der Ruf von Pensionsexperten nach einer Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters gesorgt. Ein „Eingeständnis des Scheiterns“ konstatierte die Junge Industrie – und forderte, die neue Bundesregierung müsse „die Pensionsreform zur Chefsache machen.“

Die Grünen pochten auf mehr Arbeitsplätze für Ältere. Ganz anders hingegen die Seniorenvertreter: Von einer „durchsichtigen Kampagne der Pensionsexperten“, sprach der SPÖ-Pensionistenverband. Man brauche „keine Pensionsreform, sondern eine Reform der Arbeitswelt“. Und ÖVP-Seniorensprecher Andreas Khol ätzte: „Die apokalyptischen Reiter sind wieder auf dem Weg.“

Die Nerven liegen deshalb blank, weil am 29. Oktober die Pensionskommission tagt. Mit durchschnittlich 58,4 Jahren gehen die Österreicher früher in Pension als politisch erwünscht. Daher sagt ein Mitglied der Kommission zum KURIER: „Wir werden der Bundesregierung vorschlagen, Maßnahmen im Pensionssystem zu treffen.“

Welche, das wird am kommenden Dienstag heftig diskutiert werden. Ein Ergebnis des Berichts sorgt schon im Vorfeld für Aufregung: Trifft die Regierung keine weiteren Maßnahmen, wird das durchschnittliche Pensionsantrittsalter bis zum Jahr 2060 nur um rund 2,5 Jahre auf 61 Jahre steigen. Die schrittweise Erhöhung des Frauenpensionsalters ab 2024 ist da schon eingerechnet.

Länger in Pension

Das könnte große Budgetlöcher aufreißen, denn die Lebenserwartung steigt deutlich schneller. „Alle zehn Jahre steigt die Lebenserwartung für einen neugeborenen Österreicher um drei Jahre“, sagt Christoph Krischanitz, Chef des Versicherungsmathematikers Arithmetica, zum KURIER. Krischanitz gibt ein Beispiel: Ein heute 40-jähriger Mann hat im Durchschnitt noch eine Lebenserwartung von 46,4 Jahren. 2050 wird ein dann 40-Jähriger aber rund fünf Jahre länger leben – und damit bei kaum verändertem Pensionsantrittsalter fünf Jahre länger Pension beziehen.

Budgetloch

Schon 2012 musste der Bund 8,3 Milliarden Euro in das Pensionssystem zuschießen. Die Dynamik ist groß: 2016 werden die Ausgaben um fünf Milliarden höher sein als 2011. Das dicke Budgetloch droht in zehn, 15 Jahren: „Ab 2025 geht die Generation Babyboom in Pension. Dann haben wir einen massiven Abgang im Erwerbsleben in die Pension“, sagt Krischanitz. Diese Schere sei „sehr schwer finanzierbar“. Dann fehlen Milliarden.

Sollen die Pensionen in den nächsten Jahren nicht sinken, raten Experten wie Christopher Prinz von der OECD: Schlupflöcher in die Frühpension schließen, das Antrittsalter erhöhen – und schauen, dass Ältere auf dem Arbeitsmarkt wieder attraktiv sind.

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