Ein Bild aus besseren Zeiten: Norbert Hofer, Herbert Kickl, Heinz-Christian Strache.

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Politik Inland
06/15/2019

Die FPÖ nach Ibiza: Wie Männerfreundschaft zerschellt

Die FPÖ-Führung war ein Männerklub. Jetzt sprechen einige nicht mehr miteinander.

von Johanna Hager, Ida Metzger, Daniela Kittner

„Der Heinz ist das Rudeltier, der absolute Menschenfreund, der sich arglos wie ein junger Welpe benimmt“, sagt Philippa Strache über ihren Mann. Seit einem Monat wendet sich das Rudel ab. Nichts ist mehr,  wie es vor der Ibiza-Affäre war.

Heinz-Christian Strache kommuniziert seit seinem Rücktritt vor  vier Wochen ausschließlich  via Facebook mit der Öffentlichkeit, via SMS oder WhatsApp mit Freunden. Wenn überhaupt.

„Seit Auftauchen des Videos habe ich ihn nicht mehr persönlich erreicht“, sagt Straches Trauzeuge, der  Unternehmer Karl Ochsner, im trend-Interview. Und wie sieht es mit Parteifreunden und Ex-Regierungskollegen aus? Ähnlich.

Blaue Funkstille

„Früher hat zwischen Heinz und Herbert kein Blatt Papier gepasst“, sagt ein ranghoher FPÖ-Funktionär zum KURIER. „Das ist jetzt gerade ganz anders.“
Zwischen den  jahrelang engen Weggefährten  Herbert Kickl und Heinz-Christian Strache herrscht seit Ibiza Funkstille. Zu groß ist Kickls  Groll über die Geschehnisse.

Kickl und Strache sind  sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Kickl gilt  (nach Jörg Haider) als das politische und strategische Gehirn der FPÖ. „Strache tat, was Kickl sagte. Er hat ihm blind vertraut“, erzählt ein Beobachter.

Kickl ist asketisch, ein disziplinierter Marathonläufer, der weder raucht noch trinkt. Kickls Konzentration und Leidenschaft gilt dem Erfolg der FPÖ.

Strache hingegen ist leutselig und drängt in die Öffentlichkeit. Der strenge Kickl hat den Partygänger Strache des Öfteren wegen seines ausschweifenden Lebenswandels gerügt. Man kann sich ausmalen, wie sauer Kickl jetzt sein muss – nach Straches Sause auf Ibiza und den Folgeschäden für die FPÖ. Kickl hat bittere Erfahrung mit irrlichternden FPÖ-Chefs – musste er schon nach Jörg Haiders BZÖ-Abspaltung den Scherbenhaufen FPÖ zusammenflicken.

Vermittler Hofer

Jetzt gibt der neue FPÖ-Chef Norbert Hofer notgedrungen den Mediator zwischen Kickl, Strache und anderen Funktionären und versucht, „alles auszutarieren“, wie Hofer zum KURIER sagt. Was die Sache erschwert:  Strache hat dank 45.000 Vorzugsstimmen das Recht auf ein EU-Mandat und schwankt, ob er dieses annehmen soll.

Spätestens am Montag will sich Strache erklären. Bis dahin sind Hofer und  EU-Spitzenkandidat Harald Vilimsky als Ansprechpersonen für „den Chef“, wie Strache von vielen in der FPÖ nach wie vor genannt wird.

Erst wollte „der Chef“ das Mandat annehmen, jetzt überlegt er laut KURIER-Infos, darauf zu verzichten. Allerdings stellt er angeblich Bedingungen.

Der 50-Jährige soll  für die Wien-Wahl 2020 kandidieren wollen. Bis dahin hätte er gern eine finanzielle Unterstützung von der Partei, heißt es. Immerhin habe er der FPÖ Erfolg gebracht, soll er argumentieren. Strache ist dreifacher Vater und hat nach dem Rücktritt von allen Funktionen kein Einkommen.

Umkämpft ist  zwischen dem Ex-Obmann und seiner Partei auch Straches Facebook-Seite. Er will diese nicht aus der Hand geben und direkt mit seinen knapp 800.000 Facebook-Freunden kommunizieren. Und das tut er fast täglich.

Anders als Strache ist der zweite Ibiza-Videostar, Johann Gudenus, abgetaucht. Er postete zuletzt am 14. Mai auf Instagram ein Foto einer EU-Wahlveranstaltung.  Gudenus soll seinen  Lebensmittelpunkt nach Deutschland verlagern wollen.