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DAILY
04/01/2020

Die 10.000er-Grenze ist überschritten - und der Spieß dreht sich um

Putin hilft Trump, Trump überlegt ein Ende der Iran-Sanktionen, China schließt seine Grenzen aus Angst vor den USA und Europa. Die Welt steht Kopf und schottet sich ab.

von Richard Grasl

Der 1. April ist heuer kein Tag für April-Scherze (auch wenn Humor helfen soll), Taiwan hat sogar strenge Strafen für Corona-Aprilscherze angekündigt. Vieles, was sich auf der Welt derzeit verschiebt, hätte man vor wenigen Tagen noch für wenig originelle Pointen zum 1.4. gehalten.

Donald Trump muss Russland um medizinische Hilfe bitten. Putin bietet sie gerne an. Ein Flugzeug ist von Russland in die USA unterwegs. Es ist nur ein Beispiel, wie sich durch die Corona-Krise tektonische Platten verschoben haben - und sich noch weiter verschieben. Ein paar andere Beispiele gefällig: Trump überlegt die Sanktionen gegen den Iran aufzuheben. Wir hören noch seine martialischen Worte, dass die Sanktionen Maßnahmen sein würden, die härter nicht sein könnten. Auch mit Militärschlägen drohte Trump. Jetzt kümmert sich die US Army um Feldspitäler, und die Crew der USS Eisenhower (immerhin 4.000 Mann stark) wird vermutlich unter Quarantäne gestellt werden müssen, weil auch dort das Virus eingeschleppt wurde.

Und noch ganz was anderes: Selbst größte Datenschutz-Kämpfer reden derzeit nur mehr davon, unter welchen (strengen) Voraussetzungen Big Data eingesetzt werden soll und nicht mehr ob überhaupt.

Angst vor zweiter Welle

In jenen Ländern Asiens, die für den Erfolg beim Abflachen der Kurve gewürdigt werden (Singapur, Südkorea) herrscht nun Angst, das Coronavirus könnte quasi einmal um die Erde gereist sein und wieder eine neue Welle auslösen. Und schon werden die Grenzen hochgezogen. Nun wird bei Touristen in Taiwan Fieber gemessen. Weil ein funktionierendes weltweites Krisenmanagement fehlt, ist der Schutz der eigenen Krisen ein funktionierendes Mittel, um die Pandemie unter Kontrolle zu bringen.

Was ist der Plan in Österreich?

Nachdem die Regierung in Wien nun ganz klar das Modell der Herdenimmunisierung aufgegeben hat (so wie fast alle anderen Länder weltweit), weil das zigtausende Menschenleben kosten würde (Zitat Kurz), muss man sich auf eine sehr lange Zeit mit sehr starken Einschränkungen gefasst machen. Gesundheitsökonom Ernest Pichelbauer fasst seine Sicht der Dinge in einem Wut-Blog zusammen. Ein kleiner Auszug:

Eine kleine Kopfrechnung: Um eine natürliche Herdenimmunität (bis wir eine andere Therapie oder Impfung haben, die einzige Chance!) zu erreichen, müssen 4 – 5 Millionen Österreicher COVID19 durchgemacht haben. Sagen wir, wir machen alles, dass es 1.000 Neuinfizierte pro Tag gibt, und erreichen die Herdenimmunität schon bei 4 Millionen Einwohnern, dann müssen wir für die nächsten 11 Monate (Anm. kurier.at: gemeint sind wohl Jahre) so weitermachen. Keine Schulen, keine Unis, keine Arbeiten, die weniger als einen Meter Abstand erfordern, keine Besuche in Altersheimen, keine planbaren Operationen – Lockdown für 11 Jahre (133 Monate!)! Ernsthaft? Das ist die Strategie der Regierung? Obwohl klar ist, dass für alle gesunden Menschen unter 50 eine Infektion nicht schlimmer ist, als ein grippaler Infekt? Den gesamten Blog lesen Sie übrigens hier.

Anders gesagt: Eigentlich hilft uns nur noch ein medizinischer Wirkstoff oder eine Impfung, um bald wieder eine halbwegs erträgliche Normalität zurückzubekommen.

Doch auch bei uns hieße das, dass selbst im Falle eines Kontrollgewinns über die Epidemie der Grenzschutz aufrechterhalten werden müsse. Das würde bedeuten: Einreise nur mit Gesundheitsattest und/oder 14-tägige Quarantäne. So schön Österreich für Touristen auch ist, eine zweiwöchige Wartezeit an der Grenze in Einzelabsonderung würde vermutlich vielen den Urlaubsspaß verderben. Das gleiche gilt auch umgekehrt. Glauben wir, dass viele Länder über die durch den Fall Ischgl bekanntgewordenen österreichischen Nicht-Maßnahmen mir nichts, dir nichts österreichische Reisende akzeptieren würden?

"Es ist Zeit, Anstrengungen zu unternehmen, uns auf globaler Ebene gegenseitig zu unterstützen, indem wir "international social distancing" betreiben", sagt Dr. Park Jong-hyuk, Sprecher der südkoreanischen Medizinbehörden. Länder, haltet Abstand voneinander! Klingt ewiggestrig.

Es gibt also noch viele weitere Details darüber zu klären, wie wir da wieder herauskommen. Wirklich wissen kann es im Augenblick wohl niemand.

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