Doskozil tourte durch Simmering und traf u.a. Feuerwehrleute.

© KURIER/Gerhard Deutsch

Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil
09/02/2016

"Der Doskozil braucht in Simmering kan Bodyguard"

Reportage: Der burgenländische SPÖ-Minister tourt durch Wiens Flächenbezirke. Seine Herkunft ist hier ein Heimvorteil.

von Ida Metzger

Als Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil den Gastgarten des Simmeringer Wirtshauses Harrys Augustin betritt, fällt den lokalen SPÖ-Granden besonders einer in der Entourage des Ministers auf. Es ist ein korpulenter, glatzköpfiger Typ, der partout nicht von Doskozil weicht.

„Ist des der Bodyguard vom Minister?“, fragt einer der Parteifreunde.

„Der Doskozil? Der braucht in Simmering kan Bodyguard. Der is’ ja ned die Sonja Wehsely. Die würd’ in so manchem Wiener Bezirk an Bodyguard brauchen“, antwortet ein roter Funktionär.

Flächen- gegen Bobo-Bezirke

Ein Scherz, der den Graben, der durch die Wiener SPÖ läuft, punktgenau beschreibt. Die Wiener Flächenbezirke (Floridsdorf, Donaustadt, Simmering, etc) gegen die inneren Bobo-Bezirke. Das ist wie Kabarettist Helmut Qualtinger das Fußballspiel Simmering gegen Kapfenberg einmal bezeichnete – nämlich „Brutalität“.

Ein Konflikt, der schon länger brodelt. Seit der Flüchtlingskrise sind die Fronten verhärtet. Vom Bürgermeister Michael Häupl und den Frauen-Trio Sonja Wehsely, Sandra Frauenberger sowie Renate Brauner fühlt man sich schon lange nicht mehr verstanden. „Im Vorjahr bekamen wir keine Informationen. Da standen in Simmering plötzlich Flüchtlinge, weil wir an der Ostautobahn liegen. Das erzeugte Angst. Wären wir informiert gewesen, hätten wir die Bevölkerung vorinformieren können“, so der stellvertretende Bezirksvorsteher Peter Kriz.

Großes Lob für Doskozil

Da fühlt man sich – ideologisch gesehen – schon einem aus der Burgenland-SPÖ näher. „Endlich hatte einer den Mut zu sagen, dass Merkel mit ihrem Satz ‚Wir schaffen das‘ falsch liegt“, schwärmt Kriz.

Die Koalition im Burgenland mit der FPÖ wurde vom Wiener Rathaus aufs Schärfste kritisiert. In Simmering, Donaustadt & Co. zeigte man Verständnis. „Das nahm mir Häupl ziemlich übel, als ich meinte, dass die Entscheidung für die Koalition in Eisenstadt fallen muss“, erzählt der Simmeringer Abgeordnete Harald Troch.

Nicht ohne Hintergedanken besucht Doskozil Simmering. Der gesellige Minister diskutiert mit den Feuerwehrmännern über brisante Polit-Themen, macht eine Fiakerfahrt und besucht Simmeringer Paradeunternehmen wie den Energieversorger Wiener Netze. Mandatar Troch präsentiert ihn als „einen Minister, wie ich ihn mir vorstelle“.

Der Kronprinz von Burgenlands Landeschef Hans Niessl will das Selbstbewusstsein und den politischen Kurs – die Öffnung zur FPÖ – stärken. Das bestätigt Doskozil zwar so nicht explizit, er umschreibt es mit den Worten. „Man muss mit allen im Gespräch bleiben.“ Mandatar Troch ist da schon etwas direkter: „Selbst Franz Vranitzky hat seine Doktrin widerrufen.“

Kern kommt auch

Auch in der Donaustadt war der Verteidigungsminister schon, und als nächster Stopp steht Floridsdorf an. Die Heimat von Wiens Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, der als chancenreicher Nachfolger von Michael Häupl gilt.

Nächste Woche kommt Bundeskanzler Christian Kern in seinen Heimatbezirk Simmering. Ob auch er als „Kanzler, wie ich ihn mir vorstelle“, von den lokalen SPÖ-lern präsentiert wird?

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