Politik | Inland
28.08.2017

"Das hätt’ i a schon g’wusst": Hitziges Gefecht im ORF mit Kurz

ORF-Moderator Tarek Leitner verwickelte Sebastian Kurz in ein hartes Streitgespräch.

In einem von Tarek Leitner strikt geführten Interview manövrierte der ORF-Moderator ÖVP-Chef Sebastian Kurz in ein hitziges Gespräch. Mehrfach sagte Leitner: "Sie beantworten meine Frage nicht." - "Ich wollte Konkretes hören."- "Sie spannen den ganzen Bogen zu jedem Detail. Lassen Sie mich auch Fragen stellen." – "Das hätt’ i a schon g’wusst".

Immer wieder unterbrach er Kurz und mahnte ihn zur Präzision. So wollte er zum Beispiel genau und konkret wissen, welche Förderungen Kurz zu streichen gedenke, während Kurz das Durchforsten von Förderungen als nur einen von mehreren Punkten nannte, mit denen er die Steuer- und Abgabenquote auf 40 Prozent zu senken gedenke. Kurz konterte, indem er wiederholt einforderte, ihn ausreden zu lassen: "Geben Sie mir nur eine Minute."

Quoten im Vergleich: Kurz knackt Millionengrenze

"Transparenz wichtig"

Besonders genau wollte Leitner wissen, ob Kurz für eine Obergrenze privater Spenden an Parteien sei. Kurz sagte, man könne über eine Obergrenze reden. In den erst kürzlich beschlossenen, derzeit geltenden Regeln sei zwar keine Obergrenze enthalten, sehr wohl aber der Auftrag zur Transparenz. Kurz: "Transparenz ist wichtig, denn wenn die Wähler wissen, woher die Spenden kommen, können Sie sich ein Bild machen." Er halte nichts davon, nach Obergrenzen zu rufen und nicht einmal die geltenden Regeln einzuhalten, sondern sich "über Vereinskonstruktionen Geld von Haselsteiner" geben zu lassen. Leitner: "Sie beantworten meine Frage nicht, sondern reden von den Neos." Kurz: "Nein, ich rede eigentlich von der SPÖ."

Leitner wollte wissen, warum Kurz sein Programm nicht auf einmal, sondern in drei Teilen vorlege. Kurz: "Das Programm ist 250 Seiten dick geworden. Deswegen haben wir uns entschieden, das in drei Teilen zu präsentieren. Ich wollte nicht, dass nur ein Teil, die Migration, medial heraus genommen wird, und der Rest geht unter."

Zu Koalitionen nach der Wahl sagte Kurz: "Wir mauscheln nicht vor der Wahl. Wir hauen auch nicht auf den Gegner hin. Nach der Wahl beurteilen wir, welche Koalition möglich ist."

Leitner: "Warum haben Sie die Koalition aufgekündigt?" Kurz: "Ich habe jahrelang Minimalkompromisse erlebt, man hat sich gegenseitig keine Erfolge gegönnt. Die Regierungsspitzen waren durch keine Wahl legitimiert und der Dauerwahlkampf hatte bereits eingesetzt." Leitner: "Aber es war die ÖVP, die im ersten Halbjahr vor dem Obmannwechsel bereits zwei Millionen für Wahlkampf ausgab."

Was ist christlich?

Dann fragte Leitner nach den Flüchtlingskoordinatoren Christian Konrad und Ferry Maier. Letzterer hätte gesagt, das Christliche in der ÖVP sei verloren gegangen. Kurz: "Viele wollten etwas Gutes tun, Menschen helfen, aber auch etwas für ihr eigenes Gewissen tun." Er sehe das als Außenminister anders. Wichtig sei die Hilfe für die Menschen vor Ort, und diese habe er verdoppelt.

Leitner fragte erneut nach der Homo-Ehe, Kurz blieb dagegen.