Politik | Inland
12.07.2017

Darabos nimmt sich aus Rennen für Niessl-Nachfolge

Rot-Blau. Sieht auch im Bund große Nähe zu FP.

Norbert Darabos hat die dem großen Los innewohnende Dialektik einst selbst erlitten. Entsprechend reagiert der frühere SPÖ-Verteidigungsminister auf verlockende Offerte: Er sehe sich "nicht als Kandidat" für die Nachfolge von Landeshauptmann Hans Niessl (66), versicherte der 53-jährige Landesrat der rot-blauen Landesregierung am Dienstag. Macht Niessl nach der Landtagswahl 2020 weiter oder kommt Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil? Er gehe davon aus, "dass der jetzige Landeshauptmann Kraft und Willen hat" weiterzumachen, übte sich Darabos in Loyalität.

Als der Burgenlandkroate nach zwölf wechsel- und am Ende qualvollen Jahren in der Bundespolitik im Juli 2015 heimkehrte, war das auch ein Akt später Loyalität. Niessl, dessen ersten Wahlkampf 2000 Darabos so glorios gemanagt hatte, dass der bis dato Unbekannte den in Folge des Bank-Burgenland-Skandals verloren geglaubten Landeshauptmannsessel für die SPÖ rettete, bot Darabos eine zweite Chance.

Die bundespolitische Bühne hatte er nicht genutzt, obwohl anfangs alles gelang. Als SPÖ-Bundesgeschäftsführer verhalf der Historiker Heinz Fischer zum Sieg bei der Bundespräsidentenwahl und Alfred Gusenbauer ins Kanzlerbüro. "Gusi" revanchierte sich mit dem Verteidigungsministerium für den Zivildiener und höhnte, Darabos habe das "große Los" gezogen. Am Ende knickte Darabos in der Verteidigung der Wehrpflicht ein und forcierte ein Berufsheer. Nach der Volksbefragung 2013 mit dem Ja zur Wehrpflicht waren seine Tage de facto gezählt. Als SPÖ-Geschäftsführer sicherte er zwar auch Werner Faymann Platz eins bei der Nationalratswahl, aber über das Minus von 2,4 Prozent jubelte kein Genosse.

Präferenz für Rot-Blau

Dass Darabos in seinen ersten zwei Jahren auf nun wieder heimischen Brettern auch nicht begeisterte, liegt nur zum Teil an der Mitgift aus seiner Ministerzeit – beim Eurofighter-U-Ausschuss könnte er einmal mehr als Sündenbock übrigbleiben.

In der zu Darabos ressortierenden Krankenanstaltengesellschaft wurde der Geschäftsführer unter fragwürdigen Umständen gefeuert, die Causa ist gerichtsanhängig. Wiewohl auch Niessl mitgemischt haben soll, trägt allein Darabos den Malus. Bleibt er nach 2020 Landesrat? "Ich bin grundsätzlich bereit". Und zwar weiter mit der FPÖ, von der "pragmatischen Partnerschaft" sei er "positivst überrascht". Ein Modell für den Bund? Es gebe mit der FPÖ "sehr viele Berührungspunkte", während ein Dacapo mit der ÖVP "sehr unwahrscheinlich" sei. Vor einer Koalition brauche es aber einen Parteitag oder eine Mitgliederbefragung.