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Politik Inland
08/17/2020

Schulstart: Ärztekammerchef will Maske für Schüler ab zwölf Jahren

An den Plänen des Bildungsministers gibt es heftige Kritik. Kinderrechtsexperten sehen "Schnitzeljagd" für Eltern und Schüler.

Drei Wochen vor dem Schulbeginn in Westösterreich präsentierte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Montag seine Plänen, wie das neue Schuljahr in der unveränderten Corona-Situation starten soll. 

Das Wesentliche: Im Unterricht soll es keine Maskenpflicht geben, das genaue Vorgehen der Schulen soll an den Stand der Corona-Ampel im jeweiligen Bezirk angepasst werden. 

Prompt hagelte es daraufhin Kritik von der Opposition aber auch der Ärztekammer und der Kinderrechtsexpertin des SOS-Kinderdorfes Birgit Schatz. 

Maskenpflicht ab 12

Der Präsident der Ärztekammer, Thomas Szekeres, hat sich dafür ausgesprochen, in der Schule sehr wohl das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes vorzuschreiben - zumindest für älter Kinder. Er empfahl die Maßnahme für Kinder ab zwölf Jahren. Ihnen sei das Tragen einer Maske zumutbar, meinte er in einer Pressekonferenz zur Wiener Gesundheitspolitik im Rathaus.

 

In geschlossenen Räumen sei die Übertragungsgefahr hoch, vor allem wenn jemand infiziert sei und viel spreche. Man habe das etwa bei einer Sitzung der Rotarier in Salzburg gesehen. Bei kleineren Kindern stimme er mit Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) überein, sagte Szekeres. Hier solle es keine Verpflichtung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes geben.

Auch die Oppositionsparteien vermissen auch nach der heutigen Pressekonferenz von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) klare Regeln für den Schulstart im September. Die Ankündigung von Maßnahmen bei einer bestimmten Ampelfarbe sei wenig hilfreich, bevor man die Kriterien der vom Gesundheitsministerium für September angekündigten Corona-Ampel kenne, so SPÖ und NEOS am Montag in Aussendungen.

SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid kritisierte, dass laut Plan des Bildungsministeriums bei älteren Schülern eine Umstellung auf Distance Learning schon bei der Ampelfarbe Orange möglich sein soll, obwohl es die Kriterien für die Ampel noch gar nicht gibt. Ihr fehlen außerdem Vorgaben dazu, wie Eltern und Lehrer bei leichteren Erkältungssymptomen reagieren sollen, und eine klare Teststrategie des Bildungsministers. Lehrer und Kindergartenpädagogen müssten als Schlüsselarbeitskräfte ins Test-Screening-Programm aufgenommen werden, so ihre Forderung.

Für FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl wurde vom Bildungsministerium bisher noch "nichts auf Schiene gebracht": "In Summe lieferte Faßmann, abgesehen vom Maskenzwang am Gang, eine Blaupause unseres freiheitlichen Lösungskonzepts, stolpert jedoch über seine eigenen Ankündigungen." Es sei offen, wie schlussendlich angekündigte Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden.

NEOS-Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre lobte das Bemühen um einen normalen Schulstart und die angekündigte Corona-Hotline, sieht aber mangels Corona-Ampel immer noch viele offene Fragen. Sie will eine Förderoffensive für Kinder, die während der Umstellung auf Fernunterricht den Anschluss verloren haben, eine "Fast Lane" für Corona-Tests an Schulen, und klare Vorgaben für die Kindergärten.

"Nicht gesetzeskonform"

Dass im neuen Schuljahr vor allem im Infektionsfall vieles anders laufen muss, als im vorangegangenen, betont die Kinderrechtsexpertin des SOS-Kinderdorfes, Birgit Schatz. Die Art und Weise, wie der Unterricht teilweise ausgefallen sei oder an dem Engagement der einzelnen Lehrpersonen hing, sei nicht rechtskonform gewesen, da es eine Unterrichtspflicht für Lehrende gab. 

Obwohl es nun heiße, die Eltern müssen sich keine Sorgen machen, sind für Schatz noch viele Fragen unbeantwortet. "Ab wann etwa muss ein Kind konkret zuhause bleiben, wann wird eine Klasse geschlossen und was passiert dann mit dem Unterricht", fragt sie. "Ich verstehe nicht, warum man es Eltern und Schülern zumutet, sich wieder auf eine Schnitzejagd nach Antworten begeben zu müssen."

Vor allem bei jüngeren Kindern habe das Home Schooling bisher schlechter funktioniert, der gewünschte Lerneffekt sei nicht eingetreten. Auch wie es mit Betreuungsmöglichkeiten für berufstätige Eltern weiterhin aussieht, sie noch völlig unzureichend beantwortet. 

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