Causa Pilnacek: Neue Ermittlungen gegen Karin Wurm
Die Staatsanwaltschaft St. Pölten hat ein neues Ermittlungsverfahren gegen Karin Wurm, Freundin des 2023 verstorbenen Justiz-Sektionschefs Christian Pilnacek, eingeleitet. Ihr wird Falschaussage in sechs Punkten vorgeworfen, wie aus der Verständigung, die mit 13. März datiert, hervorgeht.
Auslöser waren Anzeigen von jenen Polizisten, die im Vorjahr rechtlich gegen das Buch von Peter Pilz vorgegangen sind. Zackmedia wurde zu Schadenersatz verurteilt, das Buch soll eingezogen werden. Der Verlag bekämpft das Urteil jetzt in zweiter Instanz.
In diesem Prozess trat Wurm als Zeugin auf und verstrickte sich dabei in Widersprüche, die nun von der Staatsanwaltschaft nachgeprüft werden.
Da geht es etwa um die Frage, wie intensiv ihr Kontakt mit Pilnacek an seinem letzten Tag, dem 19. Oktober 2023, war: Im Buch-Prozess sagte Wurm, sie habe ihm immer wieder geschrieben, aber keine Antwort erhalten und sich Sorgen gemacht, während sie im April 2024 in ihrer Einvernahme durch die WKStA in einem anderen Verfahren noch erzählte, sie hätten einander „fast stündlich“ geschrieben.
Die Geschichte, wie er in der Nacht zu ihr nach Rossatz kam, nachdem er als Geisterfahrer aus dem Verkehr gezogen worden war, erzählte Wurm sogar in drei Varianten.
„Nichts Relevantes“?
Nächster Punkt ist der Umgang mit Pilnaceks persönlichen Gegenständen, die er bei ihr im Haus hinterließ: Bei ihrer ersten Einvernahme durch die Polizei am 20. Oktober 2023 und im April 2024 bei der WKStA erklärte Wurm, sie habe bei seiner Kleidung „nichts Relevantes“ gefunden. Im Buch-Prozess im Oktober 2025 wurde sie dann von Anwältin Linda Poppenwimmer damit konfrontiert, dass Pilnacek ein Sparbuch hatte. Wurm erklärte, es sei gelocht und damit entwertet gewesen, sie habe es in sein Sakko gesteckt und im Altkleidercontainer entsorgt.
Auch, ob Wurm bei ihrer ersten Einvernahme zu Suizidgedanken Pilnaceks befragt wurde und ob sie seinen Laptop sowie einen USB-Stick erwähnt hat, will die Staatsanwaltschaft St. Pölten jetzt genau wissen.
Ebenso, inwieweit sie sich an einem Gespräch im Büro von Journalist Michael Nikbakhsh im Dezember 2023 – dem sogenannten „Kellergespräch“ – beteiligt hat.
„30 Jahre Justizgeschichte“
Im sechsten Punkt geht es um ein Telefonat, das Wurms Mitbewohnerin Anna P. mit Witwe Caroline List geführt und aufgezeichnet hat. Wurm behauptete, List habe gesagt, auf Pilnaceks Laptop seien „30 Jahre Justiz bzw. Justizgeschichte“ gespeichert. Das sei „wahrheitswidrig“, wie die Staatsanwaltschaft St. Pölten feststellen konnte, nachdem Pilz auf zackzack.at das Transkript des Telefonats veröffentlichte.
Rund um den Laptop läuft in St. Pölten noch ein Verfahren gegen Wurm, Anna P. und einen IT-Techniker. Die WKStA ermittelt unterdessen auch noch wegen einer Falschaussage gegen die beiden Frauen.
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