Pilnaceks letzte Stunden: Was wissen jene Frauen, die mit ihm wohnten?
Sie war die Letzte, die ihn gesehen hat. „Ich gehe fort“, soll Christian Pilnacek noch Karin Wurm in der Nacht des 20. Oktober 2023 zugeraunt haben. Stunden später fand man ihn tot in einem Seitenarm der Donau.
Wurm war eine Freundin des Sektionschefs. Gemeinsam mit Anna P. bewohnte sie das Haus, in dem Pilnacek sein Handy und andere Gegenstände zurückgelassen hat. Allein das macht sie zu einer interessanten Auskunftsperson. Und dass Wurm später öffentlich und nachgerade selbstverständlich erklärte, der brillante Jurist habe sich mit Sicherheit nicht das Leben genommen, führte zu vielen Konsequenzen. Eine davon: Wurm wurde eine Person des öffentlichen Interesses. Sie trat in Bild und Ton in Dokumentationen, Podcasts etc. auf. Und dementsprechend kann und darf man sie – im Unterschied zu anderen Zeuginnen im U-Ausschuss – mit vollem Namen nennen.
Wer ist diese Frau, die sich am Mittwoch im U-Ausschuss erklären soll, und die in Christian Pilnaceks letzten Tagen eine offensichtlich sehr wichtige Rolle gespielt hat?
Frage nach Vernehmungsfähigkeit
Karin Wurm war gut 20 Jahre lang in Deutschland, ehe sie nach Österreich zurückkam. Über Karriere und Ausbildung ist wenig bekannt, zuletzt führte die Unternehmerin eine Boutique in Krems. Verbrieft ist laut KURIER-Recherchen, dass die Hunde-Freundin nicht nur im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte ist, sondern nachweislich über einen überdurchschnittlich hohen Intelligenzquotienten verfügt. Das ist deshalb relevant, weil ihr mentaler Zustand und ihre Vernehmungsfähigkeit schon mehrfach infrage gestellt wurden.
Der Befragungstag am Mittwoch wird für Wurm kein leichter, im Gegenteil. Vieles, was die 54-Jährige über die Causa Pilnacek gesagt hat, wird nicht nur hinterfragt, sondern ziemlich sicher auch scharf bestritten werden.
Die ÖVP etwa unterstellt Wurm zweifelhafte bis unlautere Motive. „Sie hat vor Gericht und vor unterschiedlichen Behörden fünf Mal als Zeugin ausgesagt und ihre ‚Geschichte‘ von Mal zu Mal geändert“, sagt ÖVP-Fraktionschef Andreas Hanger.
So habe Wurm von einem „Zeugenschutzprogramm“, in dem sich Pilnacek befunden haben soll, erzählt; dann von einem „zwölf Zentimeter großen Loch“ im Oberschenkel des Toten; und sie habe sich auf eine Wahrsagerin bezogen, der zufolge Pilnacek noch lebe.
Pilnaceks Handy und Laptop
Tatsächlich wurden Wurms Aussagen auch im U-Ausschuss mehrfach angezweifelt. Die Gemeindeärztin sagte sinngemäß, Wurm habe ihr Dinge in den Mund gelegt. Und auch der Umstand, dass sich Wurms Anwalt im Zuge eines Gerichtsprozesses um das Buch von Peter Pilz gegen seine eigene Mandantin gewandt hat, erzählt eine nicht unbedingt schmeichelhafte Geschichte.
Neben Wurm ist heute die erwähnte Anna P. geladen. Sie wohnte mit Wurm im selben Haus in Rossatz. Und: P. war Mitarbeiterin des damaligen Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka (ÖVP).
FPÖ-Fraktionschef Christian Hafenecker interessiert, was sich in der Nacht und am Morgen des Fundes abgespielt hat. P. hat Pilnacek am nämlichen Abend mit dem Auto abgeholt, später wurde nach Pilnacek gesucht.
Wie sich das alles zutrug und vor allem: Welche der beiden Frauen sensible Gegenstände wie Pilnaceks Handy und seinen Laptop wem wann übergeben hat, das will Hafenecker am Mittwoch hinterfragen bzw. erkunden. Und nicht nur er.
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