Die Nachlese zum U-Ausschuss, Tag 5: „Fühlen Sie sich eingeschüchtert?“
Karin Wurm beim U-Ausschuss
Tag fünf im einzigartigen Versuch, den Tod eines Menschen und die weiteren Ermittlungen dazu mit Hilfe eines Untersuchungsausschusses aufzuklären.
Christian Pilnaceks Tod, die Bergung seiner Leiche und die angeordnete Obduktion waren die wichtigsten Themen der ersten U-Ausschuss-Tage. Heute wurden und werden nun jene zwei Frauen befragt, deren Aussagen es waren, die bis dato Anlass für Spekulationen rund um den Tod des ehemaligen Sektionschefs im Justizministerium gaben.
Geladen war am Vormittag zum einen Anna P. Sie sollte Auskunft über den Verbleib des ominösen Pilnacek-Laptops geben - machte in ihrem Eröffnungsstatement aber gleich klar, dass sie das nicht tun und sich der Aussage dazu entschlagen werde. Befragungsstoff gab es dennoch genug, war P. 2023 doch Mitarbeiterin des damaligen NR-Präsidenten Wolfgang Sobotka.
Am späten Nachmittag schließlich der Auftritt von Karin Wurm - jener Freundin Pilnaceks, die den Sektionschef als letzter Mensch lebend gesehen hat. Für ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger sind es vor allem ihre Aussagen und ihre Zweifel am Suizid Pilnaceks, weshalb es diesen U-Ausschuss überhaupt gebe. Er kündigte deshalb am Dienstag an, die Finanzprokurator anzuweisen, Schadensersatzansprüche zu prüfen. Die Vertreter der anderen Parteien sahen darin einen klaren „Einschüchterungsversuch“. Eine ausführliche Zusammenfassung des fünften U-Ausschuss-Tages lesen Sie hier.
Der KURIER tickerte für Sie live aus dem Parlament.
Tag 1: Die Abgeordneten besuchen den Fundort der Leiche Christian Pilnaceks in Rossatz. Sie war am 20. Oktober 2023 dort, am Ufer eines Donau-Alt-Arms gegenüber von Dürnstein, entdeckt worden.
Tag 2 - die Befragung startet: Kein gerichtliches Verfahren, aber unter Wahrheitspflicht werden ab dem 15. Jänner die ersten Zeugen geladen. Chronologisch wird mit dem Baggerfahrer, der den Leichnam in den frühen Morgenstunden gefunden hat, sowie einem Feuerwehrmann und einem Polizisten, die jeweils am Fundort im Einsatz waren, gestartet - nachzulesen hier.
Tag 3 - jene zwei Polizeibeamte sind als Auskunftspersonen geladen, die zum Fundort des Leichnams Pilnaceks gerufen worden waren. Dass sie zuvor in einem Kurs im Innenministerium auf die Befragung vorbereitet wurden, ist der größte Aufreger des Tages. Für FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker ist das jedenfalls „sehr interessant“.
Tag 4 - die Ärztin, die zum Fundort bestellt wurde, ist geladen, danach eine Staatsanwältin aus Krems. Die Ärztin berichtet, der Kopf des Leichnams sei blau, „auffallend blau“ gewesen. Ob Christian Pilnacek zweifelsfrei ertrunken ist, stand für sie nicht fest. „Ohne Obduktion weiß ich nicht, ob Wasser in den Lungen ist“, sagte sie. Spannend: Um die Frage der Obduktion hätte es auch einen Schlagabtausch mit der Polizei gegeben, was die befragten Polizisten allerdings anders sehen. Die Staatsanwältin ordnete die Obduktion schließlich an - bei der dann Fremdverschulden ausgeschlossen wurde.
Tag 5 - Mit Karin Wurm und Anna P. werden jene beiden Frauen befragt, die im selben Haus wie Pilnacek in Rossatz bei Krems wohnten. Von dort aus machte sich Pilnacek am Abend des 20. Oktober auch Richtung Donau auf den Weg. Wurm war also auch die letzte Person, die Pilnacek lebend sah. Wurm hat öffentlich auch immer wieder die Suizid-Version bestritten. Zweifel, die sie auch vor dem Untersuchungsausschuss wiederholte. Anna P. hingegen nahm weite Teile von vorherigen Aussagen zurück, die in einem geheim aufgenommenen Gespräch von dem Journalisten Michael Nikbakhsh dokumentiert wurden. Christian Hafenecker konnte sich im Anschluss an die Befragung Ps, nicht „erinnern, jemals so eine eingeschüchterte Auskunftsperson gesehen zu haben“. Hier geht„s zur kompletten Zusammenfassung des Tages.
Sehen Sie hier kurz und knapp unsere Video-Zusammenfassung der ersten Befragungstage.
Karin Wurm war die Letzte, die ihn gesehen hat. “Ich gehe fort„, soll Christian Pilnacek ihr noch in der Nacht des 20. Oktober 2023 zugeraunt haben. Stunden später fand man ihn tot in einem Seitenarm der Donau.
Wurm war eine Freundin des Sektionschefs. Gemeinsam mit Anna P. bewohnte sie das Haus, in dem Pilnacek sein Handy und andere Gegenstände zurückgelassen hat.
Allein das macht sie zu einer interessanten Auskunftsperson. Und dass Wurm später öffentlich und fast selbstverständlich erklärte, der brillante Jurist habe sich mit Sicherheit nicht das Leben genommen, führte zu vielen Konsequenzen. Eine davon: Wurm wurde eine Person des öffentlichen Interesses. Sie trat in Bild und Ton in Dokumentationen, Podcasts etc. auf. Und dementsprechend kann und darf man sie – im Unterschied zu anderen Zeuginnen im U-Ausschuss – mit vollem Namen nennen. Mehr dazu lesen Sie hier.
Neben Wurm war am Mittwoch Anna P. geladen. Sie wohnte mit Wurm im selben Haus in Rossatz. Und: P. war Mitarbeiterin des damaligen Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka (ÖVP).
Pilnacek-U-Ausschuss, Tag fünf
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Weiter geht's morgen mit Peter Pilz
Morgen begleiten Sie an dieser Stelle Amina Beganovic und Christian Böhmer durch den dann sechsten U-Ausschuss-Tag. Als Auskunftspersonen ist u.a. Peter Pilz geladen. Sollte spannend werden.
Hier lesen Sie noch die Zusammenfassung dieses ausgesprochen langen U-Ausschuss-Tages.
Freundliche Grüße aus dem Parlament.
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Wie lange kannte Wurm Christian Mattura?
Nachdem es letztlich dabei um den Laptop geht, entschlägt sich Wurm der Aussage. Und damit ist die Befragung von Karin Wurm beendet. Wir sagen danke für die Aufmerksamkeit. -
"Danke, dass Sie sich heute nicht von mir einschüchtern haben lassen"
Hanger wieder mal en detail: Im Rahmen des Medienverfahrens hat Wurm gesagt, Dr. Pilz habe sie nie im Regen stehen lassen, "im Gegenteil". In einem Presse-Interview sagte sie später, es wäre ein Fehler gewesen, sich auf Pilz einzulassen. Was stimmt jetzt? Aber ist das wirklich ein Widerspruch, fragt auch Verfahrensrichterin Edwards? Hanger belässt es dabei - und bedankt sich am Ende seiner Befragungszeit bei Wurm mit einem Augenzwinkern: "Danke, dass Sie sich heute nicht von mir einschüchtern haben lassen." -
Kurzer Hinweis des heutigen U-Ausschuss-Vorsitzenden Norbert Nemeth: Wir haben bereits drei Stunden Befragungsdauer hinter uns. Nach maximal vier Stunden ist Schluss.
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Pilnacek im Zeugenschutzprogramm? Was?
Wieder lässt Hanger einen Ausschnitt aus der Dokumentation auf ServusTV einspielen. Wurm meint darin, Pilnacek sei in einem Zeugenschutzprogramm in Dresden. "Wer nicht pariert, wird operiert", sagt sie in dem Beitrag, aufgenommen im Frühjahr 2024.
"Wie können Sie sich so eine Aussage erklären?", fragt Hanger. "Wie kann man einerseits eine Leiche identifizieren und dann später davon sprechen, dass 'der richtige Pilnacek' in einem Zeugenschutzprogramm steckt?".
Sie sei damals eben in einer Aunahmesituation gewesen, sagt Wurm heute.
Hanger lässt nicht locker. Wer, glaubte Wurm damals, sei denn dann die Person gewesen, die sie da in der Donau identifiziert habe?
Verfahrensrichterin Christa Edwards unterbricht die Befragung. Mangelnder Konnex zum Untersuchungsgegenstand.
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Sparbuch?
Gab es in der Aktentasche Pilnaceks auch ein Sparbuch, möchte ÖVP-Fraktionsführer Hanger jetzt wissen. Wurm entschlägt sich zunächst der Aussage, weil es dazu ein laufendes Verfahren gebe. Auf Nachfrage von Hanger bestätigt sie aber, dass sie das Sparbuch nur gelocht kenne. -
Anna P. habe ihr immer gesagt, sie sei nicht zurechnungsfähig in dem Moment und sei in einem Ausnahmezustand. Wurm sei deswegen auch dankbar um die Hilfestellung von Anna P. gewesen.
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Verhaltensregeln von Sobotka?
Anna P. habe ihr gesagt, sie solle nicht weiter mit Medien reden. Das habe sie ihr von Wolfgang Sobotka ausgerichtet, sagt Karin Wurm. Auch dass es Mord war, solle sie nicht weiter behaupten. "Das war nicht einmal ein Unfall, das war Suizid", soll sie gesagt haben.
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Warum habe sie das Therapiegespräch mit Frau Sobotka als "Aushorchen" empfunden? "Ich kannte diese Frau nicht und plötzlich wollte sie mir helfen", erinnert sich Wurm. Sprung zum IT-Experten M. Sie habe ihn nicht gekannt, er sei ein Bekannter der Familie P. gewesen. Auch hier wieder: Mehr könne sie wegen eines laufenden Strafverfahrens nicht sagen.
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Kein Kontakt mehr mit Anna P.
... Das überrascht jetzt vielleicht nicht. Aber Karin Wurm beantwortet die - sehr private - Frage nach ihrem Verhältnis zu Anna P. negativ. Diese sei bald nach dem Ableben Pilnaceks aus dem Haus ausgezogen und sie habe seitdem keinen Kontakt mehr mit P.
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Weiter geht's
Zurück zum Treffen am 22. Oktober bei den Sobotkas. "Noch am Abend des Tages, an dem Christian Pilnacek verstorben ist", sagt Wurm.
Wotschke fragt noch zum Laptop Pilnaceks. Wie wurde er genutzt? Dienstlich oder privat? Nachdem auch wegen des Laptops ein Verfahren gegen Wurm läuft, will sie dazu nichts sagen.
Sie selbst habe den Laptop jedenfalls nicht verwendet. Dass er Passwort-geschützt war glaub sie übrigens nicht. "Er hat ihn aufgemacht und gleich geschrieben."
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Neos-Abgeordnete Wotschke ist an der Reihe - danach kommt noch Christian Hafenecker und damit wäre dann die este Fragerunde beendet. Aktuell ist die Sitzung für 15 Minuten unterbrochen.
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"Lasst's den Laptop verschwinden"...
... soll Takacs zu Anna P. gesagt haben (laut dem mehrfach zitierten Dunkelkammer-Gesprächstranskript).
"Daran kann ich mich schon erinnern", sagt Wurm jetzt.
Anna P. sagte heute Vormittag aus, das nur erfunden zu haben.
"Haben Sie in dieser Situation zum ersten Mal gehört?"
"Nein", sagt Wurm.
"Haben Sie eine Idee dazu, weshalb Frau P. das heute verneint hat?"
Christa Edwards interveniert: "Ich bitte Sie, diese Frage nicht zu stellen. Das wäre jetzt eine Vermutung zu den Aussagen von Frau P."
© APA/GEORG HOCHMUTH / GEORG HOCHMUTHKarin Wurm vor dem U-Aussschuss im Parlament.
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Weiter geht's mit dem Besuch bei Sobotka
Wie kam es dazu? "Die Frau Sobotka ließ mir über die Frau P. ausrichten, sie würde mir gerne eine Therapiestunde geben", sagt Wurm. "Und dann sind wir zu ihr gefahren." Ganz einfach also.
Wie heute schon mehrfach berichtet, fand das Treffen im Hause des damaligen Nationalratspräsidenten zwei Tage nach dem Tod Pilnaceks, am Sonntag den 22.10.2023 statt.
Worüber Anna P. mit Wolfgang Sobotka gesprochen haben könnte, weiß sie nicht. Und inwiefern das der gleiche Tag war, an dem sie auch bei dem IT-Techniker M. war, ist Wurm nicht mehr erinnerlich.
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Pilnaceks Verletzungen...
Und was ist mit ihren Aussagen zu den Verletzungen von Christian Pilnacek? Fotos und Beschreibungen der Leiche sind nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Auch wir skippen das an dieser Stelle.
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Selbstmord?
Hanger lässt einen Beitrag von ServusTV vorspielen. Dort hat Wurm die Ärztin mit folgendem Satz zitiert. "Da stimmt etwas nicht. Männer erschießen sich, Männer erhängen sich, aber Männer gehen nicht ins Wasser."
Die von Wurm zitierte Ärztin war bereits an Tag drei im U-Ausschuss und hat verneint, diese Aussage jemals getätigt zu haben.
Was sagt Wurm jetzt dazu? "Die Aussage gibt es." Sie sei an einem Abend gefallen, an dem sie, Anna P. und die Ärztin des Ortes schon etwas getrunken hatten. Vielleicht sei das so erklärbar.
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Private Chats ja oder nein?
Hanger hält Wurm weitere private Chats mit Pilnacek vor, zu denen sie unterschiedliche Aussagen getätigt haben soll. Inwieweit das relevant ist? Hanger möchte einfach zeigen, dass es zu widersprüchlichen Aussagen von Frau Wurm gekommen ist, meint er. Für ihn geht's also um ihre Glaubwürdigkeit. -
Wurms widersprüchliche Wormeldungen...
Karner fragt nicht weiter zum beabsichtigten Hauskauf und will jetzt "widersprüchliche Aussagen Wurms" thematisieren.
Es geht zunächst mal um folgende Aussage: "Wir haben untertags auch via Whatsapp Kontakt gehalten." Das hat Wurm bei ihrer Erstvernehmung* (*so glaubt es Ihr Tickerant jedenfalls verstanden zu haben) so ausgesagt.
In einem späteren Verfahren: "Er hat mir nicht zurück geschrieben. Es habe nur ich geschrieben."
Hanger: Wieso hat sich Ihre Aussage von "gegenseitigem stündlichen Austausch" hin zu "er hat gar nicht geschrieben" verändert?
Ist das überhaupt ein Widerspruch, fragt eine Vertrauensperson Wurms? Sie selbst verweigert die Aussage.
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Nächster an der Reihe: Andreas Hanger
Wobei Karin Wurm hier jede einzelne seiner Fragen mit Verweis auf eine bestehende Strafanzeige gegen sie nicht beantwortet. "Ich werde nichts sagen, was mich noch mehr belastet."
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Transkript "im Keller"
Spannend: An das Gespräch mit "Dunkelkammer"-Macher Michael Nikbakhsh, mit dem Anna P. heute so ausführlich konfrontiert worden ist, kann sie sich gar nicht so genau erinnern. Sie habe sich an daran gar nicht wirklich beteiligt. "Ich hab mit dem Herrn Hochegger über Brasilien gesprochen."
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"Wenn ich auspacke, gehen alle in den Häfn", kann sich Wurm an eine Aussage Pilnaceks erinnern. "Wie meinst du das?", habe sie nachgefragt. Pilnaceks Antwort: "Genau so, wie ich es sage". Namen nannte er keine.
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"Ich habe ihnen immer geholfen, mir hilft keiner" ...
... das ist ein Satz Pilnaceks, der ihr in Erinnerung geblieben ist.
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Ermittlungsfehler?
Sie selbst hat von "Ermittlungsfehlern" gesprochen. Was genau Wurm damit meint? "Also ich habe eine Aussage wegen Falschaussage am Laufen. Ich weiß aber nicht, was da drinnen steht, deswegen kann ich dazu nichts sagen." -
"Hoffentlich ist da nichts passiert"
Am Morgen habe sie sich mit Anna P. auf die Suche nach Christian Pilnacek gemacht. Sie habe dann zwei Polizisten an der Donau gesehen. "Hoffentlich ist da nichts passiert", dachte Wurm da noch.
Die beiden waren offenbar so früh am Unglücksort, dass sie auch bei der Bergung Pilnaceks dabei waren. "Da haben wir uns umgedreht." Anschließend wurden sie jedoch aufgefordert, "den Christian" zu identifizieren. Wurm ist sichtlich angegriffen, muss schlucken als sie das erzählt, macht sonst aber einen gefassten Eindruck.
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Der Unglücksabend
Jetzt geht's um die letzten Stunden von Christian Pilnacek.
Er sei am Abend in ihrem Haus in Rossatz angekommen, hätte sie aber keines Blickes gewürdigt. Er sei nur an ihr vorbei gegangen, hätte auch nicht mit ihr gesprochen, habe nur "wild in sein Handy getippt".
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Wie kam es zum versuchten Hauskauf?
Sie selbst sei auf das Inserat gestoßen, sagt Karin Wurm.
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Und was ist mit den Akten zum Alois-Mock-Institut?
Wurm erzählt von einem Freund aus Deutschland (wo sie 20 Jahre lebte), der bei ihr in Rossatz immer Gartenarbeit gemacht habe und der hätte sie darauf hingewiesen, dass unter ihrer Treppe Aktenordner standen mit dem Namen "Mock" darauf.
"Und wofür steht Mock in diesem Zusammenhang?"
Ich denke "Mock-Institut", sagt Wurm. Die Akten schreibt sie Anna P. zu. Oder besser gesagt: Besagter Gärtner habe P. gesehen, wie sie die Akten unter der Treppe verstaute.
Mit Pilnacek habe sie nie über die Akten gesprochen. Ebensowenig mit P.
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"Und das Verhältnis zu Sobotka?"
"Ich denke nicht, dass die sich näher kannten", sagt Wurm.
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"Hatten Sie das Gefühl, dass Christian Pilnacek unter Druck gesetzt wurde?"
... fragt Wotschke jetzt. Sie und Pilnacek hätten in ihrem Domizil in Rossatz nicht viel über Politik geredet, meint Wurm.
Aber: "Der USB-Stick, der nach wie vor nicht aufgetaucht ist und den er aber immer bei sich hatte, das war seine Lebensversicherung."
"Wieso hätte er eine Lebensversicherung gebraucht?"
"Ich denke mir, weil Pilnacek bestimmt sehr viele Interna gewusst hat."
"Welche Interna?"
"Interna aus der Politik." Explizit wisse sie das aber nicht, sagt Wurm jetzt. "Er hat mir nur gesagt, er hat halt viel auf diesem Stick."
Und mit welchen Personen aus der Politik hatte Pilnacek besonders häufig Kontakt?
"Also da fällt mir nur der Herr Kurz ein."
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Weiter geht's mit dem Immobilienkauf. Das Geld dafür hätte eben nicht von Pilnacek selbst - es geht um rund 1,4 Millionen Euro - sondern von seinem Freund Wolfgang Rauball kommen sollen. Rauball sollte eine Art Vorab- bzw. Zwischenfinanzierung übernehmen. Das bestätigt Karin Wurm jetzt auch. Dazu kam es freilich nicht mehr. Rauball verstarb vergangenes Jahr. Das Pikante an dem vor Kurzem bekannt gewordenen Immobilien-Deal: Der Mit-Eigentümer der Immobilie war ein hochrangiger Signa-Manager.
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Kurz und Pilnacek?
Wotschke fragt zu den "beratenden Tätigkeiten des Christian Pilnacek": "Ich weiß nur, dass er Sebastian Kurz Pilnacek zu der Zeit mehrmals die Woche getroffen hat." Offenbar zur Vorbereitung auf seinen Prozess zur Falschaussage (im Ibiza-U-Ausschuss). Dazu hätte er noch Wolfgang Rauball - einen väterlichen Freund, der im Zusammenhang mit dem versuchten Erwerb einer Immobilie hier noch interessant ist - beraten.
Inwieweit er sonst noch anwaltlich tätig war, kann Wurm nicht beantworten. Auch nicht, inwieweit Pilnacek etwa für die Kurz-Beratung ein Honrorar bekommen habe.
Hintergründe zum Immobilien-Kauf können Sie hier nachlesen.
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Bitte sachlich fragen...
... ermahnt Christa Edwards.
Also sachlich: Was war mit dem Handy?
Das hat Anna P. am Nachmittag des 20. Oktober der Polizei übergeben, sagt Karin Wurm. Die Polizei sollte die Gegenstände (Handy, Geldbörserl, Schlüssel) der Witwe übergeben.
"War das Handy gesichert?", fragt Wotschke. Das wisse sie nicht. Aber sie wisse, sagt Wurm, dass "Christian seine Pin-Codes in der Geldbörse hatte."
"Haben Sie das Mobiltelefon von Christian Pilnacek jemals selbst verwendet?" "Nein, habe ich nicht", sagt Wurm.
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Fühlen Sie sich eingeschüchtert?
... fragt Neos-Abgeordnete Wotschke in ihrer Befragung. "Ich lasse mich nicht einschüchtern", antwortet Wurm.
"Fühlen Sie sich provoziert?"
"In manchen Aussagen ja."
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"Man wirft mir vor, dass ich den Stein ins Rollen gebracht habe"
Sie sei überhaupt nicht die richtige Auskunftsperson, die die politischen Verstrickungen klären könne, sagt Wurm eingangs. "Man wirft mir vor, dass ich den Stein ins Rollen gebracht habe", sagt sie. "Nur wegen mir sollen unschuldige Beamte verfolgt worden sein."
"Aber das stimmt so nicht." "Ja, ich habe eine Anzeige erstattet, weil es mir komisch vorkam, dass sich die Beamten so auf die elektronischen Geräte konzentrierten, aber nicht auf die letzten Stunden des Todes von Christian Pilnacek."Aber bis dato habe ihr noch niemand erklären können, wie ein 1.90 Meter großer Mann im seichten Gewässer ertrunken sein soll und wie er sich dabei Verletzungen zugezogen haben soll.
"Da sind einige Punkte, die mich bis heute daran zweifeln lassen, dass sich Christian Pilnacek das Leben genommen habe. "Er war einfach nicht der Typ, der sich wegen einer Führerscheinabnahme das Leben nimmt."
Gegen sie würden einige Verfahren laufen und sie werde deshalb nicht auf alle Fragen antworten können.
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Karin Wurm ante portas
Es geht weiter. Tatsächlich kommt heute noch die mit Spannung erwartete Karin Wurm dran. Sie soll - so hat es Anna P. heute ausgesagt, viele Verschwörungstheorien um Pilnaceks Tod erlegen sein - und diese damit auch beeinflusst haben. Wurm fängt mit einer einleitenden Erklärung an. -
Andreas Hanger: "P. hat vielen Verschwörungstheorien die Grundlage entzogen"
Für Andreas Hanger hat P. mit ihrer heutigen Aussage vielen Verschwörungstheorien die Grundlage entzogen.
Für Kai Jan Krainer ist die Frage, wie die Polizei mit den Datenträgern umgegangen ist, noch immer nicht geklärt. Auch er sieht P. auf Nachfrage "unter Druck gesetzt".
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"Konglomerat aus vielen Vorfällen"
Dass ein Haus in Rossatz ein Kristallisationspunkt für so viele Dinge sein kann, findet Hafenecker spannend.
"Dass in diesem Haus eine Festplatte aus dem Innenministerium liegt, ein Aktenordner aus dem Alois-Mock-Institut", daneben noch ein Signa-Manager mit Pilnacek gemeinsam ein Immobilie erwerben will. Das zeige, dass die ÖVP ein Interesse daran hatte, den Tod Pilnaceks möglichst schnell als Suizid zu deklarieren, damit da niemand genauer nachsehe.
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Hafenecker: "Kann mich nicht erinnern, jemals so eine eingeschüchterte Auskunftsperson gesehen zu haben"
Christian Hafenecker besucht uns im Pressebereich des Parlaments direkt nach der Befragung von Anna P. Er habe bereits sieben Untersuchungsausschüsse hinter sich, könne sich aber "nicht erinnern, jemals so eine eingeschüchterte Auskunftsperson gesehen zu haben".
Anna Ps Schilderungen, dass sich Sobotka jeweils nur um ihr persönliches Wohlbefinden gekümmert habe, hält er für nicht sehr glaubwürdig. Jedenfalls "nicht sehr lebensnah." "Auch weil ich Herrn Sobotka kenne."
Sobotka hätte sich sicher kein Blatt vor den Mund genommen. "Das weiß ich aus eigener Erfahrung". Schon gar nicht bei seiner eigenen Mitarbeiterin.
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Befragung vorerst beendet - und Sitzung unterbrochen
Nach einem Geplänkel rund um das altbekannte Alois-Mock-Institut, Akten davon, die im Haus in Rossatz gefunden worden sein sollen, und inwieweit das noch vom Untersuchungsgegenstand umfasst sei (schließlich wurde das Institut bereits 2021 wieder aufgelöst), ist die Befragung von Anna P. jetzt beendet.
Die Verfahrensordnung als dramaturgisches Element hat der Diskussion nach vier Stunden ein Ende gesetzt. Next up: Karin Wurm, eigentlich. Sie war für 14.00 Uhr als Auskunftsperson geladen. Mal schauen, ob sie heute noch drankkommt.
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Ein Laptop im Stoffsackerl
An diesem ersten Abend hätte P. den Laptop aber noch nicht dabei gehabt, oder? "Ich weiß es nicht mehr, ob wir den mit hatten." Aber zwei Tage später haben Sie oder die Frau Wurm den Laptop in einem Stoffsackerl gebracht, oder? Anna P. zitiert aus ihrem Einvernahmeprotokoll bei der WKStA aus dem anhängigen Verfahren: "Ende Oktober, Anfang November, kam zu einem weiteren Treffen" bei dem der Laptop übergeben worden sei.
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Themawechsel: Der Besuch beim IT-Techniker
Wie bzw. inwieweit war Anna P. mit Harald M. bekannt, will Nina Tomaselli (Grüne) jetzt wissen.
Der IT-Techniker Harald M. soll später an den Laptop Pilnaceks gelangt sein. Wie genau und weshalb, ist auch Gegenstand eines Verfahrens gegen P., weshalb sie ja bereits zu Beginn der Befragung sagte, sie werde keine Fragen zum Laptop selbst beantworten und darauf beruft sie sich auch jetzt.
Laut P. wollte Wurm ihre Daten sichern lassen.
Woher sie den IT-Techniker also kannte? "Wir hatten damals denselben Wohnsitz - in Rossatz", sagt Anna P. Sie hätte den ihr bekannten M. auch kontaktiert.
Laut Tomaselli ist P. gemeinsam mit Karin Wurm noch am 22.10.2023 am Abend direkt zu M. gefahren. "Das war derselbe Tag, an dem Sie auch Sobotka besucht haben."
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Noch ist aber Wotschke (Neos) am Wort. Sie will jetzt genau wissen, wie Anna P. das Gespräch mit der Witwe Pilnaceks aufgezeichnet hat. "Soll ich Ihnen das jetzt wirklich erklären?" "Ja bitte." "Da gibt es Apps und da gibt es ein Symbol und da drückt man drauf."
So einfach ist das laut Wotschke aber nicht. "Also haben Sie eine App dazu installiert?" ... Christa Edwards biegt den Befragungsstrang aber gleich ab. "Das geht mir jetzt zu sehr in Richtung eines Vorwurfs zum Datenmissbrauch."
In dem Gespräch soll Anna P. abgeklärt haben, wie mit den persönlichen Habseligkeiten von Pilnacek - unter anderem dem ominösen Laptop - zu verfahren sei. Wobei der Verbleib des Laptops zu dem Zeitpunkt offen war.
"Hat sie gesagt, dass der Laptop gefährlich sei oder dass er nicht in falsche Hände geraten solle", will Wotschke wissen. "Das ist mir nicht mehr erinnerlich", sagt Anna P.
Auf dem Laptop hätten sich jedenfalls Familienfotos befunden, weshalb es der Witwe ein Anliegen gewesen sei, dass dieser gefunden werde.
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Längstens vier Stunden pro Zeuge
Ausschuss-Vorsitzender Norbert Nemeth (FPÖ) weist darauf hin, dass die Befragung längstens 4 Stunden in Anspruch nehmen darf. Bald sei man bei drei Stunden...
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Wieso hat Anna P. laut ihrer Aussage, Geschichten erfunden?
Was war das für ein Abend? Entstanden ist das hier diskutierte Protokoll nach einem gemeinsamen Abend Anfang Dezember 2023, rund sieben Wochen nach dem Tod von Christian Pilnacek.
Mit dabei: Journalist und "Dunkelkammer-Podcast"-Macher Michael Nikbakhsh, der das Gespräch heimlich aufnahm und danach das Protokoll anfertigte, Anna P., Karin Wurm. Und: Christian Mattura, jener Mann, der die sogenannten "Pilnacek-Tapes" aufgenommen hat, und Peter Hochegger.
"Da sind so viele verrückte Dinge besprochen worden, die mir in den Mund gelegt wurden, die nachträglich gesehen so auch nicht stimmten", sagt P. heute.
Karin Wurm hätte ständig von Verschwörungen erzählt. Da habe es "extrem viele" gegeben, von Mord über ein Verschwinden Pilnaceks in Dubai. Sie sei damals in einem Ausnahmezustand gewesen, wiederholt sie noch einmal. Und sich "verleiten lassen, Dinge weiterzuerzählen, die nicht stimmen."
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Einmal noch Laptop
Kai Jan Krainer wechselt Telefonat mit Ermittler F. des Landeskriminalamts von Ende Dezember 2023. Er sollte sie da zum verschwundenen Laptop befragen. Haben Sie dazu Erinnerungen? "Nein, ist mir nicht erinnerlich", sagt P. Auch mit Takacs habe sie nicht über den Laptop gesprochen.
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"Über den Laptop haben Sie nicht mit Sobotka gesprochen?"
"Ich will ja nur wissen, was wirklich war", sagt Kai Jan Krainer (SPÖ) fast entschuldigend. Wir sind wieder bei Sobotka und Anna P. Worüber haben die beiden gesprochen, als sie ihn am Sonntag, zwei Tage nach Pilnaceks Tod in dessen Haus besuchte. "Über den Laptop haben Sie nicht mit Sobotka gesprochen?" "Nein", sagt Anna P. abermals.
Sobotka soll Anna P. am 30. Oktober, 10 Tage nach Pilnaceks Tod angerufen und sie über das Obduktionsergebnis (Tod durch Ertrinken) informiert haben. "Ja, das stimmt", sagt Anna P.
Und noch ein Schauplatzwechsel: "Ist Anna P. ein Zigarettenpackerl beim Fundort Pilnaceks aufgefallen?" Nein, das kann sie nicht bestätigen. Sie weiß nur noch, dass eine Weinflasche im Kühlschrank gefehlt habe.
Und was ist mir ihrer protokollierten Aussage: "Wir wissen, dass er an diesem Abend ein dickes Packerl Geld in der hinteren Hosentasche gehabt hat." "Das wusste ich nur vom Hörensagen", sagt Anna P.
Kain Jan Krainer und Co. berufen sich in der Befragung auf ein von Michael Nikbakhsh angefertigtes Protokolls eines von ihm heimlich aufgenommemen Gesprächs zwischen ihm, Anna P. und Karin Wurm. Ebenfalls dabei an diesem Abend Anfang Dezember 2023: Christian Mattura und Peter Hochegger.
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Runde #2
Mit Andreas Hanger ist die erste Fragerunde beendet. Kai Jan Krainer ist wieder an der Reihe.
Stellen Sie sich auf einen langen Tickertag ein. Schließlich sollte heute auch noch Frau Wurm aussagen. Und an diese werden die Fragen wohl ausführlicher werden.
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Das Badezimmer
Wir sind wieder retour am Morgen des Leichenfundes. Andreas Hanger fragt, wie lange Wurm vor Anna P. im Badezimmer war. P. kann das nicht im Detail beantworten. Aber: Die Initiative, Pilnacek suchen zu gehen, sei von ihr, P., ausgegangen. Hanger hält das für „sehr bemerkenswert“.
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"Hat Ihnen die Frau Wurm gesagt, was sie mit der Frau Sobotka besprochen hat?"
"Nein."
"Haben Sie umgekehrt mit der Frau Wurm besprochen, was Sie mit Herrn Sobotka besprochen haben?"
"Nein."
Für Christian Hafenecker ist das schwer nachvollziehbar, dass "man da nicht darüber redet". -
"Was ist frei erfunden, was nicht?"
Weiter geht's. P. hatte ausführlich Zeit, das Transkript durchzusehen. Also, wie steht sie jetzt zu den dort festgehaltenen Aussagen? "Was ist frei erfunden, was nicht?", fragt Verfahrensrichterin Christa Edwards.
Anna P. geht die einzelnen Punkte durch. Richtig sei, dass Sobotka ihr geraten hätte, nicht mit den Medien zu sprechen, sagt sie etwa. Wobei P. umgekehrt auffallend viele Punkte nennt, die jetzt nicht mehr stimmen sollen oder laut ihrer Aussage von Frau Wurm stammen - und nicht von ihr selbst.
Dass das Transkript selbst fehlerhaft sei, hat sie am Vormittag bereits verneint. Ganze Passagen liest sie nicht vor. Christian Hafenecker wird wohl ohnehin nachfragen.
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