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Ibiza-Video
12/05/2019

Causa Ibiza: Der erste Kaffee nach zwei Wochen U-Haft

Edis S. galt als Strippenzieher. Am Donnerstag wurde er enthaftet. "Lügengeschichten" nennt er die belastenden Aussagen.

von Michaela Reibenwein, Kid Möchel

Edis S. nippt genüsslich an seinem Espresso. „Ich muss das alles erst einmal aufarbeiten und nachlesen, was berichtet worden ist“, sagt er. „Und dann will ich endlich nach Hause fahren. Zu den Kindern.“

Der Bosnier hat am Donnerstagvormittag gerade die Justizanstalt Josefstadt verlassen. Zwei Wochen lang saß er dort in Untersuchungshaft. Als angeblicher Strippenzieher des Ibiza-Videos. „Damit habe ich nichts zu tun“, betont er. Und anscheinend war auch der Justiz die Suppe zu dünn. „Sonst hätte das Gericht nicht so entschieden.“

S. war eine von drei Personen, die im Zuge der Ibiza-Ermittlungen festgenommen worden waren. Die Staatsanwaltschaft Wien warf S. vor, an den Planungen für das Video beteiligt gewesen zu sein. Er soll auch mitgeholfen haben, den Lockvogel auszubilden und die Villa auf Ibiza zu organisieren. Und dann, so die Staatsanwaltschaft, hätte er auch versucht, Kaufinteressenten für das Video zu finden.

Akt unter Verschluss

Sieben Stunden wurde S. am Mittwoch einvernommen. Es war seine erste Aussage. „Weil ich vorher wissen wollte, was man mir überhaupt vorwirft“, erklärt er. „Das war ja alles unter Verschluss.“ Das ist der mehrere tausend Seiten umfassende Akt noch immer.

„Mein Mandant ist bemüht, zur Aufklärung der ganzen Causa beizutragen. Aber er hat mit Ibiza nichts zu tun. Deshalb wurde er auch enthaftet“, sagt sein Anwalt Andreas Schweitzer.

Wie S. sich erklärt, dass er überhaupt ins Visier der Ermittler gekommen ist? „Da gibt’s nur einen, der mich belastet. Der Wandl.“

Ex-Kollegen

Detektiv Sascha Wandl trat erstmals in Erscheinung, als das Ibiza-Video bekannt wurde. Schon damals verdächtigte er in Interviews ehemalige Detektiv-Kollegen.

„Ich habe auch fast ein Jahrzehnt für ihn gearbeitet“, sagt S. „Ich hab’ die ganzen Balkan-Länder abgedeckt.“ Heute lässt er kein gutes Haar an ihm. „Lügenerzählungen“ nennt er Wandls Angaben.

Zwei weitere Personen befinden sich übrigens noch in U-Haft. Es handelt sich dabei um den Serben K. und Frau H. Am Freitag entscheidet sich, ob ihre Untersuchungshaft verlängert wird. Doch da könnten andere Gründe als das Ibiza-Video ausschlaggebend sein. Konkret soll es um ein halbes Kilo Kokain gehen. „Die Festnahme war wegen Ibiza, bei der U-Haft sind jetzt Drogen das Thema. Das ist durchaus irritierend“, sagt K.’s Anwalt Timo Gerersdorfer.