Unter Van der Bellen kein Bundeskanzler Strache

Alexander Van der Bellen
Foto: AP/Ronald Zak Alexander Van der Bellen, designierter Bundespräsident Österreichs

Der designierte Bundespräsident gab CNN und der ARD Interviews. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache reagierte in der "ZiB2" auf die Aussagen.

Der designierte Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist gefragt dieser Tage. Viele ausländische Medien, die auch in den vergangenen Wochen über Österreichs Hofburg-Wahl berichtet haben, wollen von ihm wissen, wie er sich im Herzschlagfinale gegen seinen blauen Kontrahenten Norbert Hofer durchsetzen konnte und wie er zum Populismus und der FPÖ steht. So auch die ARD. 

Dem deutschen Sender gegenüber bekräftigte Van der Bellen sein Nein zu einem Bundeskanzler Heinz-Christian Strache. Er werde der FPÖ nicht den Auftrag zur Regierungsbildung geben, sagte er in einem Tagesthemen-Interview, das im Voraus im Netz veröffentlicht wurde. "Die FPÖ spielt mit dem Feuer", sagte Van der Bellen mit Blick auf den EU-feindlichen Kurs der FPÖ. "Wir sind ein kleines, offenes Land, das auf Exporte angewiesen ist.

Daher ist es nicht im politischen oder wirtschaftlichen Interesse Österreichs, sich von der Union abzunabeln." Daher werde er den Freiheitlichen nicht den Auftrag zur Regierungsbildung erteilen, wenn sie nach der nächsten Nationalratswahl stärkste Kraft im Parlament werden sollten.

cnn.PNG Foto: CNN Van der Bellen im CNN-Interview Auch der US-Nachrichtensender CNN brachte am Dienstag ein Interview mit dem designierten Präsidenten. Es habe eine Welle, eine Bewegung in den letzten zwei Wochen vor der Wahl gegeben, erläuterte Van der Bellen gegenüber Anchorwoman Christiane Amanpour. Besonders die jungen Leuten hätten diese Bewegung getragen.

Van der Bellen gesteht aber auch ein, dass viele seiner Wähler mit aller Kraft einen Bundespräsidenten namens Norbert Hofer verhindern wollten. Nichtsdestotrotz sei die pro-europäische Position des von den Grünen unterstützten Hofburg-Kandidaten ausschlaggebend für den knappen Erfolg gewesen, erklärt der 72-Jährige.

"Bei den rechten Parteien wird mein Wahlsieg wohl einiges an Frustration auslösen. Andererseits, in den Hauptstädten der Europäischen Union, glaube ich, konnte man ein erleichtertes Seufzen vernehmen, als klar wurde, dass ich Präsident werde."

Angesprochen auf den Aufstieg nationalistischer Parteien in Europa meinte Van der Bellen, man solle die wachsende Popularität dieser Parteien nicht dramatisieren. Die Renationalisierung habe wohl einen Höhepunkt erreicht und werde in den nächsten Jahren auch wieder weniger werden. Er sei zudem recht optimistisch, dass man in Österreich die Ressentiments gegen Flüchtlinge überwinden werde. Die Flüchtlingssituation habe sich zuletzt beruhigt und die Tatsache, dass Österreich einen neuen Regierungschef habe, habe geholfen, Teile der Frustration abzubauen. BP-WAHL: HOFBURG - VAN DER BELLEN / HOFER Foto: APA/HARALD SCHNEIDER

Sieg trotz Migrationshintergrund

"Ich meine, nehmen Sie mich als Beispiel. Ich habe selbst Migrationshintergrund und trotzdem hatte ich bei dieser Wahl die Mehrheit der Österreicher hinter mir", sagte Van der Bellen.

Seine Amtsperiode dauere zunächst sechs Jahre, und er wolle alles versuchen, das Land zu einen. "Aber Österreich ist ein Land der Diversität. Ich will keinen - das nenne ich auf deutsch so - 'Einheits-Österreicher' - schaffen. Wir sind divers, bleiben divers, aber wir sollten miteinander reden und einander zuhören" AUSTRIA-ELECTIONS-VOTE Foto: APA/AFP/JOE KLAMAR

Heinz-Christian Strache kontert

In der "ZiB2" hat FPÖ-Chef Strache auf die Aussagen von Van der Bellen und dessen Haltung zu den Freiheitlichen reagiert. Mit dem neuerlichen Nein zu einem FPÖ-Regierungsauftrag ignoriere der Nachfolger von Heinz Fischer den Wählerwillen, sagt Strache.

Um die Gräben in der Bevölkerung zuzuschütten, sehe der blaue Bundesobmann nicht sich selbst, sondern den designierten Bundespräsidenten und Neo-Bundeskanzler Christian Kern am Zug.

(Kurier / smek, jk) Erstellt am