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30.11.2016

Hofer: "Wenn man sich verstellt, fliegt man auf“

Hofburg-Kandidat Norbert Hofer spricht mit sechs Jungwählern und gesteht verbale Entgleisungen ein.

Hinter Norbert Hofer schart sich seine Entourage, allen voran Martin Glier, Leiter der FPÖ-Pressestelle. Kaum hat Hofer das Studio betreten, setzt der Hofburg-Kandidat ein Lächeln auf. Dunkelblauer Anzug, weißes Hemd, das Georgskreuz am Revers. Heute ist er zu einem etwas anderen Diskussionsformat eingeladen. Das Gegenüber heißt nicht Alexander Van der Bellen, sondern dieses Mal sitzen sechs Jungwähler vor ihm, denen er Frage und Antwort stehen wird.

Drei davon deklarierten sich im Vorfeld als Hofer-Wähler, die anderen drei als Van der Bellen-Wähler. Das Diskussionsformat trägt den Namen "Warum eigentlich?" und ist in einer Kooperation von KURIER und neuwal.com, einem unabhängigen Projekt zur Förderung von politischer Bildung und Onlinejournalismus, entstanden. Die beiden Hofburg-Kandidaten wurden an zwei unterschiedlichen Drehtagen eingeladen.

Linkslinke Lügenpresse

Die Jugendlichen sind zwischen 16 und 21 Jahre alt. Sie sind sichtlich nervös. Mike, der auf der Pro-Hofer-Seite Platz genommen hat, möchte nicht allzu viel über seine Beweggründe verraten. "Ich bin kein Fan der linken Politik, mehr kann ich dazu nicht sagen. Ich bin selbstständig, habe eine Marketingagentur, das ist mir etwas zu brenzlig wegen meiner Kunden." Bevor die Diskussion losgeht, macht er mit seinem Sitznachbarn Peter Scherze über die linkslinke Lügenpresse. Peter ist 16 Jahre alt. Weißes Hemd, weiße Sneakers, zerrissene Jeans. Ein zierlicher, junger Mann, der eine Sportlerkarriere anstrebt. Warum er Hofer wählt? "Mir gefallen seine Argumente, vor allem in Sachen Integrationspolitik. Außerdem mag ich die freiheitlichen Ansichten generell. Mit den Flüchtlingen kann es so nicht weitergehen. " Ganz anders sieht das Michael, der im Jeanshemd gekommen ist: "Für mich sieht das sehr nach einer Doppelmoral aus. Wenn Hofer Interviews führt, dann gibt er sich als lieber Teddybär, aber bei seinen öffentlichen Reden hetzt er die Menschen auf." Lea und Florian nicken zustimmend.

Lachen und Stille

"Zwei Schwalben zwitschern zwischen zwei Zwetschkenzweigen", Hofer trainiert noch laut seine Zunge, dann ballt er die Faust und freut sich, dass er den Spruch fehlerfrei wiedergeben konnte. Die Jugendlichen fühlen sich unterhalten und lachen. Dann wird es wieder still. Die Aufzeichnung der Sendung beginnt, die Jungwähler dürfen in einer ersten Runde ihre Fragen stellen. Michael: "Glauben Sie, dass Ausdrücke wie 'grüner Diktator' oder 'vergesslich' zu einem fairen Wahlkampf beitragen?" Hofer antwortet sofort und ohne lange zu überlegen: "Diese Aussagen waren überzogen. Sie haben vollkommen Recht. Ich würde es heute anders formulieren und eher als autoritären Zugang bezeichnen."

Worüber Hofer redet

Dass er seinen Kontrahenten gerne "vergesslich" nennt, sei aus seiner Sicht nichts, was negativ zu bewerten wäre. Schließlich würde auch er selbst immer wieder Unterlagen benötigen, vor allem wenn er in Fernsehsendungen auftrete. "Also vergesslich bin ich auch manchmal." In der kommenden Stunde spricht Hofer über eine vernünftige Flüchtlingslösung für Österreich, "aber auch eine menschliche". Er erzählt von der Vision einer sicheren Zone in Nordafrika, von der aus man Asylverfahren durchführen könnte. Er erwähnt erneut die 277.000 Euro, die uns laut einer Studie im Auftrag des Fiskalrates ein Flüchtling über 45 Jahre hinweg kostet. Und wenn ein Asylwerber einen Beruf oder eine Fertigkeit erlernt hätte, die in Österreich nachgefragt sei, "dann kann diese Person auch für immer hier bleiben." Lea wird er erklären, warum eine Abtreibung immer die Entscheidung der Frau sein sollte, der Staat müsse allerdings Hilfe und Unterstützung bieten. "Ein Schwangerschaftsabbruch darf in Österreich nie aus finanziellen Gründen passieren."

Dem Hofburg Kandidaten ist es ein Bedürfnis auch über seine Rhetorik zu sprechen. „Diese Sache mit dem NLP, das ist eine veraltete Methode, Kommunikation zu führen.“ Es sei im Verkauf erfolgreich, aber nicht in der Politik. „Das war in den Neunzigern modern, aber mein Zugang ist ein völlig anderer. Ich setze mich hin und versuche immer, eine passende und zufriedenstellende Antwort zu geben. Klar, ich bin lange in der Politik und weiß, welche Methoden es in der Rhetorik gibt.“ Das Wichtigste sei, dass man sich nicht verstellt. „Glaubt mir, das fliegt auf.“

"Keine kleinen Ziele!"

Dann spricht Hofer stolz über seinen Sohn, der gerade am Schwanken sei, ob er Zivildienst oder Bundesheer absolvieren soll. "Und mein anderer Sohn studiert übrigens Archäologie. "Indie" sagen alle zu ihm, wegen seinem langen Bart." Der Meinungsforscher Peter Hajek beurteilt Hofers Performance bei den Jungwählern positiv. "Er gibt sich vor den Jugendlichen sehr authentisch und versucht sein Image als Wolf im Schafspelz abzulegen". Anschließend stellt Hofer den Jugendlichen Fragen. Was ihn besonders interessiere, seien deren Berufspläne. Er gibt ihnen mit, stets groß zu denken. "Keine kleinen Ziele setzen!" Ihm hätte man nach seinem Unfall gesagt, er werde nie wieder gehen können, doch er habe immer daran geglaubt.

Sehen Sie hier die Langversion des Videos.

Sehen Sie am Donnerstag den Talk mit Alexander Van der Bellen.