Politik | Inland 12.03.2014

Länder-Tour: Rot-schwarze Paartherapie

Spindelegger, Groß, Faymann © Bild: APA/ROLAND SCHLAGER

Regierende starten eine Erklär-Tour durch die Bundesländer.

Entspannt sitzen sie in Fauteuils, lächeln, scherzen. Wer es nicht weiß, würde nicht glauben, dass Werner Faymann und Michael Spindelegger zwei Stunden davor darüber gestritten haben, was mit der Hypo passieren soll. Weil sie Polit-Profis sind, lassen sie sich das beim Auftritt in der Hofburg nicht anmerken. Den Auftakt zu einer Bundesländer-Tour der Regierenden zelebrieren der rote Kanzler und der schwarze Vizekanzler dort. "Erfolgreich. Österreich" nennen sie die Chose.

Klimaerwärmung?

Spindelegger erläutert vor 200 Geladenen – Parteigängern, Banken-Chefs, Schülern – das Neue daran. Noch nie seien ein SPÖ- und ein ÖVP-Minister im Doppelpack unterwegs gewesen, um ihr politisches Tun zu erklären. "Ein starkes Signal" sei das für den anderen Stil. Im Übrigen, ergänzt Faymann, hätten "die Bürger ein Recht darauf, dass wir Rede und Antwort stehen". Anhaltende Klimaerwärmung? Oder wird nur die Eiszeit kurz unterbrochen?, will Moderator, Ex-ORF-Mann Gerald Groß, wissen. In Familien werde auch gehadert, befindet Spindelegger: "Nach Außen muss man das Gemeinsame in den Vordergrund stellen." Wird der Friede bis zur Wahl 2018 währen? Oder schlägt nicht wieder Populismus durch, um die eigene Klientel zu bedienen? Spindeleggers Antwort, gemünzt auf die Turbulenzen in seiner Truppe: "Wenn ich das in meiner Partei ausschließen würde, würden Sie mich auslachen." Mit Wahlterminen sei "nicht herumzuspielen", sagt Faymann. Und in Richtung Landeshauptleute: "Nur weil jemand Landtagswahl hat, muss er nicht versuchen, Stimmen zu gewinnen gegen die Bundespolitik."

Einig sind sie sich auch darin, dass die Populisten in anderen Parteien beheimatet sind, etwa in der FPÖ. Faymann: "Ein friedliches Europa funktioniert nicht mit Nationalen, die antreten mit Hass." Und – in Abwandlung des Slogans von Heinz-Christian Strache "Unser Geld für unsere Leut’": "Die 20 Milliarden Haftung für die Hypo hätten wir dringend für unsere Leut’ gebraucht." Fragen dürfen die Leute dann; jene, die im Publikum sitzen. Wie geht es mit den privaten Pensionskassen weiter? Was wird gegen Jugendarbeitslosigkeit getan? Kommt die Zentralmatura zeitgerecht oder nicht?

Bier-Unlust

Zum Schluss begehrt Groß erneut Auskunft: Warum trinken die beiden nicht ein Bier miteinander? Faymann begründet die Unlust so: "In einer halben Stunde steht eine Hypo-Besprechung an. Da hat man keinen Gusto auf Bier." Spindelegger hat es auch nicht eilig: "Vielleicht nach dieser Regierungsperiode." Groß’ Replik: "So lange hat noch niemand auf ein Bier gewartet."

Erstellt am 12.03.2014