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05/25/2016

Der Kanzler und seine Botschaften

Welche Nachrichten Christian Kern Jugendlichen, Arbeitssuchenden, Selbständigen und Flüchtlingen ausrichtet.

von Jürgen Klatzer, Yvonne Widler, Caecilia Smekal, Christian Schwarz

Der neue Bundeskanzler Christian Kern ist seit wenigen Tag im Amt, in ersten Interviews skizziert er seine Projekte und Arbeitsaufgaben. KURIER.at hat ihn gefragt, was er für Jugendliche, Arbeitssuchende, Selbständige und Flüchtlinge eigentlich tun möchte. Hier seine Botschaften plus Fakten:

Botschaft an Jugendliche

  • In Österreich gibt es mit Stand 1.1.2015 insgesamt 1.588.130 Personen im Alter von 0 bis 18 Jahren.
  • Laut dem 2. Sozialbericht des Sozialministeriums engagieren sich mehr als 45 Prozent Österreicher ab dem 15. Lebensjahr freiwillig. Das sind 3,3 Millionen Personen.
  • Der Großteil der Jugendlichen engagiert sich in Vereinen und Organisationen, vor allem im Sport- und Kulturbereich. Berufstätige sind vermehrt in informellen Gruppen wie Nachbarschaftshilfe anzutreffen.
  • Das freiwillige Engagement hängt auch vom jeweiligen Bildungsabschluss ab. Während sich 35 Prozent der Personen mit Pflichtschulabschluss freiwillig engagieren, sind dies bei Personen mit Hochschulabschluss rund 61 Prozent.
  • In Österreich wird die Bildung "vererbt". Nach OECD-Angaben ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind von Akademiker-Eltern eine hohe Lesekompetenz entwickelt um 20 Prozentpunkte höher als bei einem Kind, dessen Eltern einen Pflichtschul-Abschluss haben.
  • Bei den Abschlüssen selbst manifestiert sich die Erblichkeit der Bildung in der niedrigen Aufwärtsmobilität: Nur 21 Prozent der jungen Erwachsenen in Österreich erreichen einen höheren Abschluss als ihre Eltern.
  • Mehr als sechs Prozent eines Jahrgangs brechen nach der Schulpflicht ihre Ausbildungskarriere ab. Besonders hoch ist der Anteil unter männlichen Jugendlichen mit nichtdeutscher Alltagssprache, heißt es aus dem Bildungsministerium.

Botschaft an Arbeitssuchende

  • Im März lag die Arbeitslosenquote bei 9,4 Prozent, das ist das höchste Niveau seit Ende des Zweiten Weltkrieges (die Zahlen stammen vom AMS: Nach dieser Zählung kann eine arbeitslose Person gleichzeitig geringfügig beschäftigt sein).
  • In Österreich liegt der "Gender Time Gap" mit 21 Prozent besonders hoch. Damit wird die Lücke bei der durchschnittlichen Erwerbsarbeitszeit ausgedrückt: Frauen arbeiten mehr in Teilzeit als Männer, und zwar ganze 8 Stunden und 36 Minuten pro Woche. Der Lohnunterschied beträgt in Österreich 23 Prozent.
  • Die EU-Kommission kritisiert Österreich jüngst dafür, zu wenig für Frauen und Ältere am Arbeitsmarkt zu tun. Der stärkste Anstieg der Arbeitslosigkeit wurde im April vom AMS bei den Älteren (ab 50 Jahren) gemeldet. Hier stieg die Arbeitslosigkeit um 4,6 Prozent auf 97.759 Personen.
  • Unter arbeitslosen Ausländern finden sich immer mehr asylberechtigte Flüchtlinge: Insgesamt waren beim AMS 23.482 anerkannte Flüchtlinge bzw. "subsidiär Schutzberechtigte" gemeldet. Syrerinnen und Syrer bildeten die größte Gruppe. Insgesamt stieg die Zahl der arbeitslosen Ausländer auf 101.635 Personen.
  • Was die Arbeitslosigkeit betrifft, steht Österreich im EU-Vergleich trotz steigender Zahlen immer noch gut da. Österreich liegt laut Eurostat gemeinsam mit Ungarn und Dänemark auf Rang Fünf. Tschechien hatte die niedrigste Rate, das krisengebeutelte Griechenland bildet einmal mehr das Schlusslicht.

Botschaft an Selbstständige

  • Im Jahr 2015 gab es 290.061 Ein-Personen-Unternehmen (EPU) in Österreich, das entspricht einem Anstieg von 4,2 Prozent im Vergleich zu 2014.
  • EPU machen rund 58,9 Prozent aller Mitglieder der Wirtschaftskammern aus.
  • Sozial- und steuerrechtliche Rahmenbedingungen werden bei Startups und EPU immer wieder thematisiert und kritisiert.
  • Erste Erfolge waren die Senkung der Mindestbeitragsgrundlage in der SVA und die erstmalige Einführung eines Krankengeldes für Selbständige.
  • 49,3 Prozent aller EPU sind in Gewerbe und Handwerk angesiedelt, danach folgen Handel mit 22,3 Prozent und Information & Consulting mit 18 Prozent.
  • Der Frauenanteil bei EPU liegt aktuell bei 50,6 Prozent.
  • In Österreich gibt es wenige Risikokapitalgeber für Startups, auch Förderungen sind Mangelware.
  • Österreich findet noch wenig Anerkennung auf dem internationalen Gründermarkt und auch die mangelnde Informationen für Gründer werden kritisiert, fehlendes Know-How ist ein großes Defizit hierzulande.
  • Die meisten österreichischen Startups scheitern, weil die Kosten und Verluste in der Anfangszeit zu hoch sind.

Botschaft an Flüchtlinge und Asylwerber

  • Seit Jänner 2016 haben 18.600 Menschen Asyl in Österreich beantragt. Im vergangenen Jahr waren es fast 89.000 Personen.
  • Zur Integration von Flüchtlingen wurde heuer der Integrations-Sondertopf von 75 Millionen Euro auf 248 Millionen Euro aufgestockt. Nächstes Jahr sollen nochmals 250 Millionen Euro für Sprachförderung, Arbeitsmarkt und Bildungsprogramme aufgewendet werden.
  • Sprachförderung: Um Flüchtlinge besser in Österreich zu integrieren, braucht es mehr Deutschkurse. Hier hat das Integrationsministerium erst kürzlich eine Aufstockung um 12.000 Kursplätze angekündigt; bei weitem nicht genug.
  • Arbeitsmarkt: Asylwerber haben in Österreich keinen Zugang zum Arbeitsmarkt. Die Sozialpartner blitzten erst Ende April mit ihrer abermaligen Forderung, den Arbeitsmarkt zu öffnen bei der Regierung ab.
  • Unterkünfte: Nach wie vor gibt es in vielen Gemeinden in Österreich keine Asylunterkünfte. Das liegt nicht unbedingt an der mangelnden Bereitschaft von Seiten der Gemeinden. Strenge Bauordnungen in den Bundesländern machen die Quartiersuche schwer. Einige Bundesländer wie Wien, Niederösterreich und Kärnten haben hier bereits gegengesteuert.
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