Politik | Inland
24.02.2018

Blauer Notenbanker in heikler Doppel-Rolle

Postenschacher und Umfärbeaktionen: Aufsicht interessiert sich für FPÖler in Nationalbank – "Optik ist sehr schief".

Wie heikel politische Postenbesetzungen in sensiblen Bereichen sein können, zeigen aktuell nicht nur die Umfärbeaktionen am Verfassungsgerichtshof und bei den Universitätsräten, sondern auch im Generalrat der Oesterreichischen Nationalbank.

Die Bundesregierung entsendet per 1. März ÖVP-Vizeparteichefin Bettina Glatz-Kremsner sowie einen FPÖ-Bezirksrat aus Wien-Alsergrund, Peter Sidlo, in das OeNB-Aufsichtsgremium. Sie ersetzen dort Wirtschaftskammer-Generalsekretärin Anna Maria Hochhauser und Ex-AK-Direktor Werner Muhm. So weit, so bekannt.

Der neue Mann in der OeNB, Peter Sidlo, ist hingegen so gut wie unbekannt. Er wurde von der FPÖ offenbar "im letzten Moment" nominiert, erzählt man sich in der Notenbank.

Der 44-jährige Wiener Jurist ist im Brotberuf Finanzvorstand bei der kleinen Sigma Investment AG und sitzt im Aufsichtsrat der börsenotierten Wiener Privatbank. Und dort fangen die Probleme an.

Die Spezialbank für betuchte Kunden wurde im Vorjahr – vorbehaltlich der Genehmigung durch die Finanzmarktaufsicht – an die tschechische Arca-Gruppe des Oligarchen Pavel Krupa verkauft. Banken-Aufseher sehen Krupa extrem kritisch, wie dem KURIER versichert wurde. Soll heißen: Krupa bzw. seine Arca-Gruppe sind u.a. mit Vorwürfen seitens der Nationalbank in Prag konfrontiert. Es gab Hausdurchsuchungen, der Verdacht der Geldwäsche steht im Raum, Krupa durfte die Geschäftsleitung eines Investmentfonds nicht übernehmen. Das ist der Aufsicht in Wien zu Ohren gekommen.

Weil der finanzstarke Geschäftsmann aber offenbar keine Schwierigkeiten in Österreich erwartet hatte, setzte Krupa seinen Wiener Vertrauensmann – Peter Sidlo – schon im November in den Aufsichtsrat der Wiener Privatbank. Und nun dürfte die Übernahme aufgrund der besagten Vorwürfe platzen.

Wird der Genehmigungsantrag der Arca-Gruppe zur Übernahme der Wiener Privatbank nicht ohnehin zurück gezogen, um sich Negativ-Schlagzeilen zu ersparen, wird die Finanzmarktaufsicht den Deal höchstwahrscheinlich nicht bewilligen, bestätigen Finanz-Insider.

Prüfer und Geprüfter

In diesem Zusammenhang stößt Sidlos Doppelrolle den Eingeweihten sauer auf. Er ist auf Betreiben eines tschechischen Geschäftsmannes, der unter Finanzern einen zweifelhaften Ruf genießt, Aufsichtsrat bei der Wiener Privatbank. Und Sidlo wird, während die Prüfung des Deals durch die Finanzmarktaufsicht läuft, Generalrat in der Nationalbank – die Teil des Systems der Bankenaufsicht ist. "Die Optik ist schon sehr schief", heißt es in der OeNB.