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Politik Inland
04/14/2020

Bildung in Not: Förderklassen im Corona-Sommer

Bund und Gemeinden werden eigene Kurse in den Sommermonaten anbieten, um die Defizite, die derzeit zwangsläufig bei manchen Schülern entstehen, ausgleichen zu können.

von Bernhard Gaul

Leider gibt es zur Stunde keine Signale, dass die Schulen vor Mitte Mai öffnen. Die Kinder müssen also weiter daheim „beschult“ werden, neudeutsch „distance learning“.

Bundeskanzler Sebastian Kurz hat wiederholt das Zieldatum Mitte Mai genannt, aber natürlich bleibt das mit einer großen Unsicherheit verknüpft, denn das alles geht nur, wenn die Infektionszahlen nicht wieder rasant steigen. Die Regierung ist offensichtlich skeptisch, ob die 1,1 Millionen Schulkinder ausreichend Verständnis für Maßnahmen wie das Abstandhalten und die Mund-Nasenschutzmasken haben.

Dass damit nicht wenige Schüler mit mehr oder minder großen Defiziten das Schuljahr beenden werden müssen, ist klar. Besonders jenen Kindern ohne digitale Infrastruktur daheim als auch jenen aus bildungsfernen Schichten soll aber geholfen werden – in den Sommermonaten.

„Summerschools“

Wie Bildungsminister Heinz Faßmann im KURIER-Interview schon am 4. April ankündigte, soll es etwa „Sommerschools“ geben: „Insbesondere für jene Schülerinnen und Schüler, wo es eine Notwendigkeit gibt, oder die sich besonders schwergetan haben, und auch für außerordentliche Schüler“, erklärte Faßmann da und begründete das so: „Bevor diese Schüler in ein neues Schuljahr mit möglichen Defiziten gehen, sollten sie eine Gelegenheit bekommen, diese Defizite auszugleichen.“ Das Angebot werde „weitreichend“ sein, aber eben nicht für alle. „Nicht für Vorzugsschüler. Den Ehrgeiz braucht es an der richtigen Stelle.“

Unterrichten werden in den „Summerschools“ keine Lehrer, sondern vor allem Studenten der Pädagogischen Hochschulen, es soll aber auch die freiwillige Möglichkeit für Lehrer geben, mitzumachen. Freiwillig hatten sich zuletzt auch 22.000 Lehrer gemeldet, Kinder auch in den Osterferien an Schulen zu betreuen, sollten deren Eltern arbeiten gehen müssen. 1.900 davon hatte das Ministerium gebeten, eine Betreuung zu übernehmen.

Zudem wird noch überlegt, ob die Sommerkurse auch verpflichtend gemacht werden sollen – für jene Kinder, die das aus Sicht ihrer Lehrer dringend bräuchten. Allerdings wären in diesem Fall trotzdem keine Strafen angedacht für jene, die das „verpflichtende“ Angebot nicht annehmen, heißt es aus dem Bildungsministerium.

Details gibt es von den „Summerschools“ noch nicht, und das hat auch mit der Diskussion um die Schulöffnung zu tun: Diese könnte ja auch in Etappen erfolgen, und die gröbsten Defizite könnten noch ausgeglichen werden. Es ist zur Stunde also unklar, wie groß das Angebot werden wird. Es wird aber jedenfalls eines geben, wird versichert.

Zudem bieten aber viele Kommunen bereits Unterstützung für die Kinder in den Sommermonaten an. Die Stadt Wien, als größte Kommune, wird auch heuer wieder die „Summer City Camps“, also eine Ferienbetreuung im Sommer 2020 für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren, anbieten.

„Summer City Camps“

6.000 Plätze für Schüler werden dabei an 31 Standorten täglich von 9 Uhr bis 17 Uhr angeboten. Dieses Angebot kostet etwas: 50 Euro pro Woche müssen bezahlt werden, aber da ist auch das tägliche Mittagessen inkludiert.

„Derzeit sind noch Plätze frei“, erklärt die Sprecherin des Wiener Bildungsstadtrates Jürgen Czernohorszky. Sollte die Nachfrage aber deutlich steigen, könnten auch zusätzliche Plätze angeboten werden. Bei den „Summer City Camps“ geht es, wie auch bei Faßmanns „Sommerschools“, um Nachhilfe und Förderungen, mit einem Fokus auf Deutsch, Mathematik und Englisch. Wie schon im Vorjahr werden auch diesmal „Lernbegleiter“ von den Volkshochschulen zum Einsatz kommen.

In Niederösterreich ist die Bildungsdirektion noch zurückhaltend, was Faßmanns „Summerschools“ betrifft: „Da kann aus unserer Sicht erst dann eine seriöse Antwort erfolgen, wenn ein entsprechendes Konzept – sowohl inhaltlich, als auch finanziell – vorliegt“, heißt es dazu gegenüber dem KURIER. Nachsatz: „Grundsätzlich ist unser Ziel, Nachhilfe möglichst nicht notwendig zu machen und den Kindern ihre wohlverdienten Ferien und die notwendige Erholung zu ermöglichen.“

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